Jäger entdeckt den Umweltfrevel

Elektroschrott aus Fürstenhagen wird gestohlen und landet im Wald bei Wolfhagen

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Darf nicht einfach vom Straßenrand mitgenommen werden: Elektroschrott muss professionell entsorgt werden. Landet er im Wald, wird er zur Gefahr für Tiere.

Einen Tag vor der Elektroschrott-Sammlung stellte auch Klaus Blumenstein vor Kurzem eine Kiste an die Straße in Fürstenhagen. Doch wo der Schrott dann landete, damit hätte er nicht gerechnet.

Denn der Karton mit einer Lichterkette, Föhn, Handstaubsauger und ähnlichen Kleinteilen wurde, bevor er vom Zweckverband Abfallwirtschaft Werra-Meißner abgeholt werden konnte, von mobilen Schrotthändlern ohne die Zustimmung Blumensteins abgeholt. Bereits einen Tag später erhielt Klaus Blumenstein einen Anruf von Jäger Johannes Löber aus Ippingshausen bei Wolfhagen (Kreis Kassel): Er habe Blumensteins Elektroschrott im Wald entdeckt.

„Als Jäger bin ich mindestens alle zwei Tage im Wald“, berichtet Löber. Dabei sei ihm ein Müllhaufen aufgefallen, der am Vortrag noch nicht da gewesen sein. Neben aufgeschnittenen Altreifen befand sich auch ein Karton mit Elektroschrott dabei und auf diesem klebte ein Aufkleber mit der Anschrift von Klaus Blumenstein. Löber rief daraufhin Blumenstein an, um zu erfahren, warum dieser seinen Müll im Wald abgeladen hatte. „Ich erklärte ihm den Sachverhalt“, berichtet Blumenstein. Der Jäger erklärte Blumenstein, dass sich das Ordnungsamt bei ihm melden werde, denn er musste den Müll der Stadt Wolfhagen melden.

„Müll im Wald ist leider ein tägliches Problem“, berichtet Löber. Die Jäger schauen, ob dabei Lebensmittel mit weggeschmissen wurden. Diese sammeln sie direkt ein, damit kein Tier davon frisst. Den weiteren Müll holen Mitarbeiter der Stadt aus dem Wald und entsorgen ihn fachgerecht.

„Ich muss sagen, die Stadt ist da sehr fit, nach spätestens drei Tagen ist alles wieder weg“, berichtet Löber von der Zusammenarbeit. Dennoch verursacht der Müll immer wieder Probleme mit den Tieren: „Das ist für Tiere interessant, weil die Sachen anders riechen“, erklärt Löber. Dadurch könne es aber vorkommen, dass zum Beispiel junge Rehböcke ihren Kopf in eine Dose stecken und dann hängen bleiben. „Wenn die Dose dann einwächst, müssen wir ein eigentlich gesundes Tier töten, um es zu erlösen“, sagt Löber.

Knapp eine Woche, nachdem Blumenstein seinen Elektroschrott für die Sammlung raus stellte, meldete sich, wie angekündigt, ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes Wolfhagen bei ihm. „Am Anfang teilte er uns mit, dass wir den gesamten Schrott in Wolfhagen abholen sollten“, sagt Blumenstein.

Nachdem er dem Mitarbeiter aber erklärte, dass sowohl er als auch seine Frau um die 70 Jahre alt seien und sie nicht die mehr als 50 Kilometer bis nach Wolfhagen fahren würden, um ihren Elektroschrott zu entsorgen, sei der Mitarbeiter des Ordnungsamtes nachdenklich geworden. „Mein Bauchgefühl sprach für die Herrschaften und nach Rücksprache mit meinem Vorgesetzten entschieden wir, Familie Blumenstein zu glauben“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung.  „Denn wer fährt schon so eine Strecke, um seinen Müll loszuwerden?“

Wäre das Gespräch anders ausgegangen, hätten Blumensteins ihren Müll entweder wieder abholen müssen oder dem Ordnungsamt Wolfhagen den finanziellen Aufwand für die fachgerechte Entsorgung bezahlen müssen.

Dass Müll einfach im Wald entsorgt wird, komme leider öfter vor. „Diese Leute haben keine Skrupel und machen sich keine Gedanken darüber, dass sie Tiere in Mitleidenschaft ziehen“, ärgert sich der Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Namentlich genannt werden möchte er nicht.

Private Sammlungen sind illegal

Das Problem, dass mobile Schrottsammler unerlaubt Müll einsammeln und nicht immer fachgerecht entsorgen, ist sowohl der Polizei als auch dem Abfallzweckverband Werra-Meißner bekannt. „Das können wir leider nicht verhindern“, erklärt Matthias Wenderoth, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft. Sie hätten bereits mehrfach private Schrottsammler angezeigt. Allerdings sei es sehr schwierig, die Personen ausfindig zu machen. Alternativen wie eine Einzelabholung sei bei der Sammlung des Elektroschrottes zu teuer. Den Service der Sammlung einzustellen sei aber ebenfalls nicht zielführend. 

„Wer wirklich sicher gehen will, dass der Schrott korrekt entsorgt wird, kann ihn auch persönlich zur Deponie nach Weidenhausen bringen“, erklärt Wenderoth. Die Termine zur Sammlung müssten sie ein halbes Jahr im Voraus veröffentlichen. In den vergangenen Wochen kam es manchmal zu Verzögerungen bei der Abholung, weil sich das Müllaufkommen erhöht hat: „Durch die Coronakrise haben die Leute mehr Zeit und entrümpeln daheim“, erklärt Wenderoth. 

Die Polizei rät, Müll nur bei den Sammelstellen des Werra-Meißner-Kreises und bei offiziellen Sammlungen zu entsorgen – und nicht privaten Müllsammlern zur Verfügung zu stellen. Denn die „Einsammler in den weißen Transportern“ haben keine Erlaubnis dafür, klärt Polizeisprecher Jörg Künstler auf. So passiere es dann, dass Schrott in der Natur entsorgt werde. Bei offiziell angekündigten Sammlungen sollte der Schrott erst am Tag der Sammlung rausgestellt werden. Zudem helfe manchmal nur persönliches Eingreifen, sowie das Dokumentieren von Kennzeichen, Fahrzeugtyp und Personenbeschreibungen der illegalen Sammler. 

Weiterhin rät die Polizei beim Kauf von neuen Geräten, die alten kostenlos mit zu entsorgen. Elektrokleingeräte können seit 2016 auch ohne Neukauf an Einzelhändler zurückgegeben werden. Dabei dürfe keine Seite des zu entsorgenden Gegenstandes länger als 25 Zentimeter sein. Für weitere Informationen empfiehlt Künstler die Verbraucherzentralen. Wer Schrott sammelt, kann nach Strafgesetzbuch- Paragraf 326 (1) den Straftatbestand erfüllen, unerlaubten Umgang mit Abfall zu haben. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. 

Ohne Genehmigung sei das Einsammeln und Transportieren von Elektroschrott durch Schrottsammler nicht erlaubt. „Schrottsammler dürfen grundsätzlich nicht über eine derartige Erlaubnis, die durch das Regierungspräsidium erteilt wird, verfügen“, erklärt Künstler. Zudem könne auch eine Ordnungswidrigkeit nach dem Elektrogesetz vorliegen, nach dem nur Hersteller, Vertreiber, beauftragte Unternehmen und öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger Elektrogeräte transportieren und sammeln dürfen

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