Energieträger aus Wind- und Solarstrom

Bei Wolfhagen soll grüner Wasserstoff produziert werden

Wollen in einer Anlage bei Niederelsungen Wasser spalten und dazu erneuerbare Energien nutzen: Die drei Geschäftsführer der BLG Project GmbH in Istha (von links) Christoph Lübcke, Jan-Hendrick Lübcke und Marek Grimmelbein sowie Werner Schmidt, Geschäftsführer von Elektro Gante, Niederelsungen, der an der Entwicklung beteiligt ist. Foto: Antje Thon
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Wollen in einer Anlage bei Niederelsungen Wasser spalten und dazu erneuerbare Energien nutzen: Die drei Geschäftsführer der BLG Project GmbH in Istha (von links) Christoph Lübcke, Jan-Hendrick Lübcke und Marek Grimmelbein sowie Werner Schmidt, Geschäftsführer von Elektro Gante, Niederelsungen, der an der Entwicklung beteiligt ist.

Die BLG Poject GmbH aus Wolfhagen-Istha hat ein Ziel: Sie will sauberen Wasserstoff produzieren. Er soll regional und CO2-neutral erzeugt und vor Ort abgesetzt werden. Noch steht das Vorhaben am Anfang.

Niederelsungen – Die BLG Project GmbH aus Istha möchte in einem Jahr grünen Wasserstoff produzieren. Umsetzen will das Unternehmen sein Vorhaben, bei dem 60 Millionen Euro investiert werden sollen, in Niederelsungen. Die BLG hält „Hydrogen Valley Wolfhagen“, wie sie ihr Projekt bezeichnet, in seiner Größe für das gegenwärtig wesentlichste Vorhaben zur Erzeugung sauberen Wasserstoffs in Europa.

„Grün“ ist der Wasserstoff deshalb, weil die Energie für seine Produktion aus Sonne und Wind gewonnen wird, also aus erneuerbaren Quellen kommt. Wasserstoff spielt eine Rolle als Energiespeicher, er kann als Treibstoff genutzt und ins Gasnetz eingespeist werden. Um seine Klimaziele zu erreichen, misst der Bund der Wasserstoffgewinnung zunehmend Bedeutung bei. Im Juni hat er einen Aktionsplan auf den Weg gebracht und Schritte für eine nationale Wasserstoffstrategie festgelegt.

Wasserstoffproduktion: Hoher Energiebedarf

Die Wasserstoffproduktion durch Elektrolyse hat einen hohen Energiebedarf. Um diesen bereitzustellen, will die BLG Photovoltaikanlagen auf einer Fläche von 73 Hektar an der A44 errichten, sagt Christoph Lübcke, einer der drei Geschäftsführer. Etwa 80 Prozent sollen auf Äckern südlich der A44 entstehen, der Rest nördlich der Autobahn. Der Solarpark wäre etwa vier Mal so groß wie der, den BLG und Stadtwerke Wolfhagen im Jahr 2012 an der B450 gebaut haben. Mit 80 Megawatt Peak in seiner letzten Ausbaustufe wäre er auch acht Mal leistungsstärker. Zwei Windparks mit vier Mühlen bei Ehringen und neun bei Istha – alle Anlagen sollen repowert werden – sollen zusätzlich Energie liefern. Ihre Leistung wird bei 72 Megawatt liegen.

Zudem möchte die BLG im Gewerbegebiet eine Anlage zur Elektrolyse von Wasser errichten. Hierfür ließe sich das Regenwasser von Hallendächern im Hiddeser Feld nutzen und in geringen Mengen Grundwasser. Ein Batteriespeicher, der Bau eines Umspannwerkes bei Leckringhausen, wo Wind- und Solarstrom zusammengeführt und über ein eigenes Netz verteilt wird sowie eine Wasserstoff-Tankstelle gehören ebenfalls zum Konzept.

Anders als beim grauen Wasserstoff, bei dem fossile Rohstoffe gespalten und bei dem neben Wasserstoff auch klimaschädliches Kohlendioxid entsteht, hilft grüner Wasserstoff, wie er im Hiddeser Feld produziert werden soll, bei der Energiewende. Davon ist Christoph Lübcke überzeugt. Doch für ihn, seine Geschäftspartner Jan-Hendrik Lübcke und Marek Grimmelbein sowie Werner Schmidt, Geschäftsführer von Elektro Gante in Niederelsungen, zählen noch weitere Argumente.

Wasserstoffproduktion: Geschäftspartner sehe vier Absatzmärkte

Für den Wasserstoff sehen sie vier Absatzmärkte, die alle vor der Tür des Produktionsortes liegen und zur Wirtschaftlichkeit der Unternehmung beitragen sollen. Da wäre zunächst der Treibstoff. „Wasserstoff ist das Öl der Zukunft“, sagt Lübcke. Klar, der Anteil an Lkw und Autos, die mit Wasserstoff unterwegs sind, sei noch gering. Ihnen sei bewusst, dass sie mit dem „Hydrogen Valley Wolfhagen“ getragen seien vom Pioniergeist. Gleichzeitig glauben sie an den Erfolg ihrer Idee und rechnen fest damit, dass die Nachfrage nach grünem Wasserstoff flächendeckend steigen wird.

Neben Treibstoff könne der Wasserstoff auch als Primärenergie von den Gewerbebetrieben im Hiddeser Feld genutzt werden. Er könne in die Erdgasleitung eingespeist werden – Partner wäre hier die Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), und die Betriebe im Gewerbegebiet ließen sich mit Wärme versorgen. Und auch dies ist denkbar: Der Wasserstoff könne als Treibstoff im Bahnverkehr genutzt werden. So existierten Überlegungen der Kurhessenbahn, auf der Strecke Kassel - Wolfhagen - Korbach wasserstoffbetriebene Züge einzusetzen.

Überschüssiger Energie aus Wind, Sonne und Wasserstoff lasse sich zudem als Ladestrom in der Elektromobilität nutzen. Was an Energie nicht sofort abgenommen werde, könne in einer großen Batterie gespeichert werden. So lasse sich auch der Eigenstromanteil in Zeiten reduzieren, in denen keine Sonne scheint und kein Wind weht.

Wasserstoffproduktion: 2025 soll alles fertig sein

Die BLG möchte ihr Vorhaben in drei Ausbaustufen verwirklichen. Spätestens im Jahr 2025 will sie fertig sein. So sollen die Windparks Anfang 2022 ans Netz gehen. Das Umspannwerk bei Leckringhausen soll Ende kommenden Jahres gebaut sein. Dann soll auch der erste Bauabschnitt des Solarparks mit einer Leistung von zunächst 30 Megawatt Peak umgesetzt sein. In der letzten Ausbaustufe hätte der Park eine Leistung von 80 Megawatt Peak und wäre der größte in Nordhessen. Dem allem muss zuvor das Wolfhager Parlament zustimmen.

Bei der Finanzierung hoffen die Projektentwickler auf Fördermittel von Bund, Land und EU, zumal Konzepte zur Erzeugung von grünem Wasserstoff beim Bund gefragt sind. Bürger, bevorzugt aus Niederelsungen und Wolfhagen, sollen als Kommanditisten beteiligt werden. Regionale Kreditinstitute sollen bei der Finanzierung helfen.

Wasserstoffproduktion: BLG will ein Kilo Wasserstoff für 4,75 Euro herstellen

Die Projektpartner sind von der Wirtschaftlichkeit ihrer Idee überzeugt, sofern bestimmte Parameter eingehalten werden. Dazu zählen regionale Stromerzeugung und regionaler Absatz ohne Transportwege. Der Strom muss zudem in ein eigenes Netz eingespeist werden, damit er nicht durch Abgaben und Gebühren teurer wird. Am Markt zahlt man derzeit für ein Kilogramm Wasserstoff 9,50 Euro. Ein Auto kann mit einem Kilogramm Wasserstoff 100 bis 120 Kilometer fahren, ein großer Lkw legt 15 bis 17 Kilometer zurück.

Die BLG will ein Kilo Wasserstoff für 4,75 Euro herstellen. Der Preis setzt sich zusammen aus 2,75 Euro für die erforderliche elektrische Energie (so günstig, da eigenes Stromnetz), 0,05 Euro für das Wasser (für die Herstellung von einem Kilo Wasserstoff sind neun Liter Wasser nötig) und 1,95 Euro für die Abschreibung der Anlagen. Der vergleichbare Preis für sechs Liter Diesel (Verbrauch auf 100 Kilometer) beträgt 6,30 Euro. Nach Kompletteinrichtung der Anlage könnten im Jahr eine Million Kilo Wasserstoff produziert werden.

Die BLG präsentierte ihre Pläne am Dienstagabend dem Ortsbeirat und einigen Einwohnern Niederelsungens. In der Debatte gab es Zuspruch, aber auch Kritik.

Bürger bemängelten den Flächenverlust für die Landwirtschaft, der mit dem Solarpark verbunden sei – unabhängig davon, dass es sich bei den fraglichen Gebieten um qualitativ schlechte Böden handelt. Deutlich wurde zudem die Sorge, dass mit dem Photovoltaikpark die Landschaft an Attraktivität verlieren könnte. Zudem befinde sich der Park zu nah am Ort. „Ich möchte, dass die dörfliche Atmosphäre erhalten bleibt“, sagte eine Besucherin. Kritisiert wurde, dass für derartige Vorhaben nicht stärker die Hallendächer im Gewerbepark genutzt würden. Diese würden oftmals so geplant, dass sie die zusätzliche Last von Photovoltaikelementen nicht aufnehmen könnten.

Wasserstoffproduktion: Ortsbeirat gibt Empfehlungen

Der Ortsbeirat griff einige der Argumente auf und packte sie mit weiteren Punkten in eine Empfehlung an Wolfhagens Kommunalpolitiker, die über die Pläne zu entscheiden haben. Wichtig ist ihnen, dass südlich der A44 ein nur 100 Meter breiter Streifen für Solarfelder genutzt werden soll. Weitere Flächen sollen sich nördlich der A44, aber außerhalb des jetzigen Gewerbegebietes in östliche Richtung befinden. Die Größe sei auf 60 Hektar zu begrenzen. Möglichst viele Niederelsunger, die dort Flächen haben, sollen diese verpachten können. Das würde die Akzeptanz des Projektes steigern.

Es möge geprüft werden, ob die Wasserstoffproduktionsstätte auch in der Pommernanlage errichtet werden könne – dies habe aus Sicht des Ortsbeirates den Vorteil, dass die Gewerbesteuer komplett in Wolfhagen bliebe und nicht 25 Prozent an Breuna abgegeben werden müsste, was bei einer Errichtung innerhalb des Gewerbegebietes der Fall wäre. Die Investoren sollen zudem ihr Angebot konkretisieren, Freibad und Haus des Gastes mit PV-Anlagen auszustatten.

„Wir werden nun prüfen, wie wir die Punkte einarbeiten können“, sagte BLG-Geschäftsführer Christoph Lübcke am Dienstagabend. Er sei froh, eine erste Rückmeldung erhalten zu haben. (Antje Thon)

Hier soll der grüne Wasserstoff produziert werden 

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