Entspannt das Klima retten: Unterwegs mit dem Elektromobil

Kleines Ökowunder: HNA-Redakteurin Bea Ricken testete den Elektro-Up der Wolfhager Stadtwerke. Foto: nh

Wolfhagen. Die Stadtwerke bieten Wolfhager Bürgern an, ein Elektromobil kostenlos zu testen. HNA-Redakteurin Bea Ricken lieh sich den E-Up für ein Wochenende aus.

Auf dem Fahrersitz des kleinen VW-Up sitzt der Klima-Retter, in dem Fall ich. Keine Abgase, keine Umweltverschmutzung und statt schlechtem Gewissen, ein gutes Gefühl - zumindest für ein Wochenende.

Doch vor dem kostenlosen Fahrspaß steht Papierkram und die Einweisung durch Stadtwerke-Mitarbeiter Ulrich Rudolph. Die ist auch notwendig. Nach dem zweimaligen Drehen des Zündschlüssels schaue ich Rudolph hilfesuchend an. Der Up will nicht anspringen. Rudolph zeigt aufs Display, der Wagen läuft längst, geräuschlos eben. Auch später beim Fahren ist der Elektromotor so leise, dass er von Passanten nicht gleich wahrgenommen wird.

Ohne Vibrationen 

Sonst ist alles wie in einem normalen Auto - aber irgendwie entspannter. Sanft und ohne Vibrationen gleitet der Up durch die Landschaft. Flott und wendig genug ist er, um mit den anderen mitzuhalten. Wer aber stets mit Vollgas unterwegs ist und auf satten Motorsound steht, sitzt im falschen Auto. Der Stinker mit lautem Motor vor der roten Ampel in Ehlen stört meine himmlische Ruhe. Während er beim Anfahren Abgase in die Luft bläst, zuckelt mein kleines Testfahrzeug als stille Mahnung weiter gen Dörnberg. Er hat eine weiße Weste. Selbst was den Kraftstoff angeht. Während einige seiner Kollegen mit Strom aus fossilen Energiequellen wie Kohle oder Atomenergie betankt werden, fährt der Kleine aus Wolfhagen mit 100 Prozent Ökostrom. Zumindest solange man die kostenlosen Tankstellen in Wolfhagen nutzt.

Reichweite macht nervös 

Nach dem dienstlichen Termin in der Dörnberger Mehrzweckhalle geht es wieder Richtung Heimat, und jetzt sorgt der Blick auf die Reichweite für Anspannung. Zumindest für jemanden wie mich, der meistens aus Angst vor dem Liegenbleiben, sein Auto schon tankt, wenn es noch zu ein Viertel voll ist. Nervös drücke ich die Eco-Taste und atme auf. Die Taste lässt ihn auf Sparflamme laufen und schraubt die Reichweite nach oben. Mit dem Ausschalten der Sitzheizung, die im Elektroauto Strom frisst, aktiviere ich wieder vollständig meinen Entspannungsmodus: Bis zur heimatlichen Steckdose reicht es locker. Mir würde ein Ersatz-Akku im Kofferraum gefallen. Zuhause im Carport wartet der Up auf seinen nächsten Einsatz. Zwei Stunden Aufladezeit reichen ihm allerdings nicht für einen vollen Tank. Da bietet es sich an, ihn tagsüber zu fahren und in der Nacht an die Steckdose zu hängen.

Das Wochenende mit dem weißen Elektro-Up geht zu Ende. Beim Anlassen des eigenen Autos stört mich plötzlich das Motorengeräusch, und als ich zur Tankstelle fahre und an der Zapfsäule sehe, dass Super wieder angezogen hat, vermisse ich das kleine Ökowunder.

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