Hassan Ben Mansour kam vor 50 Jahren nach Deutschland

Tunesier wurde mit offenen Armen in Wolfhagen aufgenommen und hilft jetzt anderen bei der Integration

Trainer und Dolmetscher: Beim Fußballangebot für Asylanten geht es um mehr als Sport. Hassan Ben Mansour (rechts) hat für Yusuf Elmi einen Arztbesuch organisiert.
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Trainer und Dolmetscher: Beim Fußballangebot für Asylanten geht es um mehr als Sport. Hassan Ben Mansour (rechts) hat für Yusuf Elmi einen Arztbesuch organisiert.

Wolfhagen – „Ich war vor 50 Jahren der erste Nordafrikaner in Wolfhagen“, scherzt Hassan Ben Mansour. Es gibt vermutlich nur wenige Menschen in Wolfhagen, die mit seinem Namen nichts anzufangen wissen und ihm noch nicht begegnet sind.

An ihm hat dies sicherlich nicht gelegen: Der heute 71-jährige ist ein weltoffener Zeitgenosse, immer freundlich, sprudelnd vor Lebenslust und Lebensfreude, hilfsbereit zu jedermann und stets zu einem Austausch mit seinen Mitbürgern bereit.

Hassan Ben Mansour ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration. In dieser Woche kann der 71-jährige, der mit seiner Ehefrau Gerlinde seit einem Jahr im Eigenheim lebt, ein goldenes Jubiläum feiern. Am 18. September 1970, also vor 50 Jahren, wurde für den in Tunis geborenen Hassan Ben Mansour die Hans-Staden-Stadt zu seiner neuen Heimat.

Der gelernte Dreher kam, zusammen mit weiteren 49 jungen tunesischen Landsleuten, angeworben als Gastarbeiter des Kasseler Unternehmens Rheinstahl-Henschel, nach Nordhessen. Untergebracht waren die Männer zuerst in Viesebeck. Da er in seiner Heimat bereits in einer Fußballmannschaft spielte, nahm er sofort zum Fußballsportverein (FSV) Wolfhagen Kontakt auf und fand dort –rotz seiner damaligen sprachlichen Schwierigkeiten – echte Freunde, die seinen weiteren Lebensweg positiv mitgestalteten. Da alle 50 Tunesier nach Kassel in Wohnbaracken umgesiedelt werden sollten, sorgten seine FSV-Sportkameraden dafür, dass Ben Mansour wie auch sein Freund Ben Rebia, die sich beide auf Anhieb einen Stammplatz in der ersten FSV-Seniorenmannschaft erspielten, in der Wolfhager Kernstadt eine gemeinsame Wohnung beziehen konnten. Außerdem organisierten sie Hassan Ben Mansour eine neue Arbeitsstelle in der ehemaligen Maschinenbaufirma Rest. Nach deren Schließung wechselte er bis zum Eintritt in das Rentenalter in das örtliche Fahrzeugbau-Unternehmen Ackermann, wo er sich zum leitenden Maschinenführer hocharbeitete. Er kehrte nicht in seine Heimat Tunesien zurück, weil er in der Wolfhagerin Gerlinde seine große Liebe fand. Nachdem er sie 1976 zum Traualtar geführt hatte, kamen die gemeinsamen Kinder, Tochter Nora so wie die Söhne Daniel und Andrè zur Welt. Inzwischen gibt es drei Enkel. Alle drei Kinder machten in Wolfhagen ihr Abitur. Am 28. August 1979 erhielt Hassan Ben Mansour die deutsche Staatsbürgerschaft. In all der Zeit engagierte sich Mansour immer ehrenamtlich: Als Dolmetscher (französisch, arabisch) beim Amtsgericht oder in der Wolfhager Pommernanlage, als die Flüchtlinge kamen. Bis heute begleitet er diese Menschen als Dolmetscher nicht nur bei Arzt- und Krankenhausbesuchen, Anwaltskanzleien, oder zu Behörden und Dienststellen, sondern ist für die Hilfe suchenden Menschen mindestens einmal in der Woche Ansprechpartner in allen Lebenslagen. Außerdem engagierte er sich viele Jahre bei der Wolfhager Tafel, organisierte und leitete regelmäßig kickersportliche Übungsstunden und schlüpfte sogar bei den Weihnachtsfeiern in der Flüchtlingsunterkunft im Messdienergewand in die Rolle des Knecht Ruprechts.

Hassan Ben Mansour sieht sich inzwischen als einen „echten Wulfhager Zwieback.“ Einen, „der“, so Mansour mit einem verschmitzten Lächeln in Anspielung auf seinen dunklen Teint, „halt etwas angebrannt ist.“ (Reinhard Michl)

In der neuen Heimat dreifacher Großvater: Hassan Ben Mansour lebt seit 50 Jahren in Deutschland und hat hier auch sein privates Glück gefunden.

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