Ein Produkt zur richtigen Zeit

Erfindung aus Ippinghausen: eCube liefert Energie für Ladesäulen

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Sind mächtig stolz auf ihren eCube: (von links) Andreas Tichatschek, Leiter Technik und Entwicklung bei Wolf Power Systems, Assistentin Linda Schwedes, Geschäftsführer Stefan Seeliger und Produktionsleiter Michael Kartmann. Das im eCube integrierte Blockheizkraftwerk liefert Wärme und versorgt E-Autos mit Strom.

Ein Blockheizkraftwerk, das nicht nur Wärme erzeugt, sondern gleichzeitig Ladestationen für E-Fahrzeuge mit Strom versorgt – genau diese einzigartige Kombination platziert die Ippinghäuser Firma Wolf Power Systems mit ihrem eCube jetzt am Markt.

„Wir bringen die Mobilitäts- und Energiewende zusammen“, sagt Geschäftsführer Stefan Seeliger über das umweltfreundliche Produkt. Zielgruppe für den eCube sind Handwerksbetriebe, öffentliche Einrichtungen, Logistikunternehmen und Autohäuser. Interessant ist die Erfindung für all jene, die ein Gebäude mit Wärme versorgen und gleichzeitig E-Autos laden wollen. Für eine private Nutzung im Einfamilienhaus hat der eCube eine zu große Leistung, die wirtschaftliche Untergrenze ist ein Mehrfamilienhaus. Der Würfel besteht aus vier Komponenten. Herzstück ist ein Blockheizkraftwerk, das über Erdgas betrieben wird, elektrische Energie produziert und Wärme erzeugt, die in einem Puffer gespeichert werden kann. Daneben gibt es eine Batterie, in der Strom gespeichert wird. Eine intelligente Steuerung verteilt die Energie am Standort. Und schließlich verfügt der eCube je nach Leistungsklasse über bis zu acht Ladesäulen. Wie Seeliger sagt, habe ein kleines Team nach Feierabend an dem Produkt getüftelt. „Es ist also eine echte Garagengeschichte.“ Ende Oktober hätten sich alle das erste Mal zusammengesetzt. Im Mittelpunkt habe die Frage gestanden, wie sich das Blockheizkraftwerk – in der Herstellung dieses Produktes hat sich das Unternehmen weltweit einen Namen gemacht – mit E-Mobilität kombinieren lasse. Ein halbes Jahr später lieferte die Ippinghäuser Firma die Lösung. Die wird sie Mitte Mai auf der Internationalen Fachmesse für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität in München präsentieren. Der Markt für Produkte dieser Art entstehe gerade erst, sagt Seeliger. Staatliche Subventionen, die die Kraft-Wärme-Kopplung fördern, machten das Produkt zusätzlich für Kunden attraktiv.

Strombedarf steigt in den nächsten Jahren

Es ist das richtige Produkt in der richtigen Zeit. Davon sind Stefan Seeliger und sein Team überzeugt. Zuletzt befeuert durch den Dieselskandal wird der Ruf nach E-Mobilität immer lauter. Doch die Ladeinfrastruktur in Deutschland und Europa weist noch große Lücken auf. Mit dem eCube, der in seinem Kern aus einem Blockheizkraftwerk besteht, ließen sich diese Lücken ein stückweit schließen.

Grundsätzlich werde der Strombedarf in den nächsten Jahren steigen. Um das Gesamtnetz zu entlasten bieten sich nach Auffassung von Seeliger, Geschäftsführer der Firma Wolf Power Systems mit Standorten in Ippinghausen und Gorleben, dezentrale Lösungen an. Eine mögliche Lösung hat nun der Mittelständler serviert. Der eCube ist ein Kraftpaket, mit dem nicht nur E-Fahrzeuge umweltfreundlich geladen werden können. Der Kubus liefert auch Energie für die Klimatisierung von Gebäuden.

In seiner kleinsten Ausführung kostet der eCube 100 000 Euro. „Eine Investition, die sich innerhalb von drei Jahren amortisiert“, sagt Seeliger. Denn der dezentral über das Blockheizkraftwerk erzeugte und in Hochleistungsbatterien speicherbare Strom sei günstiger als der von überregionalen Lieferanten. Insbesondere dann, wenn der Strom aus dem Netz teuer ist, also wenn viele Abnehmer versorgt werden müssen und sogenannte Lastspitzen entstehen, liefert der Würfel aus Ippinghausen eine günstige Alternative.

Primärer Energieträger ist Erdgas, zusätzlich kann Solarthermie und über eine Photovoltaikfläche Sonnenenergie ins Blockheizkraftwerk eingespeist werden. 50 Prozent der Eingangsenergie wird umgewandelt in Wärme, 40 Prozent werden zu Strom. Zehn Prozent der Energie sind Wandlungs- und Wärmeverluste.

Andreas Tichatschek, bei Wolf Power Systems der Leiter für den Bereich Technik und Entwicklung, ist von der Markttauglichkeit der Ippinghäuser Erfindung überzeugt. Das Interesse bei Kunden sei bereits geweckt, das hätten erste Gespräche ergeben. Das Unternehmen, das 149 Mitarbeiter beschäftigt – die meisten davon in Ippinghausen – und im Jahr 2017 etwa 35 Millionen Euro Umsatz machte, will sich mit dem eCube ein weiteres Standbein schaffen und mehr Wertschöpfung generieren. „Wir hoffen auf Wachstum“, sagt Geschäftsführer Seeliger, der dann die Schaffung weiterer Arbeitsplatze in Aussicht stellt.

Gas- und Stromanschluss und Wärmebedarf

Der Betrieb des eCubes ist an drei Voraussetzungen geknüpft. Kunden benötigen einen Gasanschluss, einen Stromanschluss und müssen einen Wärmebedarf haben. Dafür verspricht der Hersteller mehrere Vorteile: Die dezentrale Energieerzeugung und Energiespeicherfähigkeit macht den Nutzer unabhängig von maximalen Leistungsfähigkeit des örtlichen Stromnetzes. Der eCube ist kompatibel mit der Gleich- und Wechselstrom-Ladetechnik. Die Technik passt platzsparend in einen Container. Die Kraft-Wärme-Kopplung ermöglicht mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent eine wirtschaftliche und ökologische Erzeugung von Ladestrom und Wärme.

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