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Pläne für Reihenhäuser in Wolfhagen – Magistrat ist dagegen

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Von: Antje Thon

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Das ehemalige Grundstück Hartmann an der Kurfürstenstraße in Wolfhagen.
Das ehemalige Grundstück Hartmann an der Kurfürstenstraße in Wolfhagen: Vor einem Jahr hat es Berna Egin-Heinisch gekauft, um dort zusammen mit ihrem Partner Wolfgang Heinisch sieben Reihenhäuser zu bauen. Doch die Pläne liegen auf Eis. © Antje Thon

Für eine Fläche an der Kurfürstenstraße in Wolfhagen gegenüber dem Herkulesmarkt gibt es Pläne für eine moderne Wohnbebauung. Doch derzeit ruht das Verfahren.

Wolfhagen - Es ist einer von Wolfhagens Schandflecken – das Grundstück an der Kurfürstenstraße, das an die dortige bft-Tankstelle grenzt. Vor etwa einem Jahr hat Berna Egin-Heinisch das Gelände gekauft. Zusammen mit ihrem Ehemann und Geschäftspartner Wolfgang Heinisch wollte sie dort eine Wohnanlage mit sieben Reihenhäusern errichten. Doch das Projekt ist ins Stocken geraten. Investorin und der Magistrat sind sich uneins.

Kern des Problems sind Abweichungen vom Bebauungsplan aus dem Jahr 1999. Beide Parteien haben offenbar unterschiedliche Ansichten darüber, wie groß diese Abweichungen sind. Während Bürgermeister Reinhard Schaake bei einer zulässigen Traufhöhe von sieben Metern von einer Differenz von 1,75 Metern spricht, gibt Wolfgang Heinisch, der mit seiner Wohnungsbaugesellschaft EH-Living für die Projektentwicklung zuständig ist, die Abweichung mit lediglich acht Zentimetern an. Zuvor hatte sich Heinisch bei der Bauaufsicht des Landkreises Kassel nach den Chancen für eine Genehmigung seines Bauvorhabens erkundigt. „Der Landkreis hatte mit unseren Planungen kein Problem“, sagt der 53-Jährige. Wegen der Differenzen zu den Vorgaben im B-Plan habe aber der Magistrat das letzte Wort, der diese Abweichungen hätte absegnen müssen.

Das jedoch habe der Magistrat nicht getan und stattdessen darauf bestanden, den B-Plan einzuhalten, sagt Heinisch, der zuvor die Entwürfe der Wohneinheiten mit seinen Kaufinteressenten abgestimmt hatte. Geplant sind sieben baugleiche Häuser, die in einem Komplex zusammengefasst werden. Das Erdgeschoss soll 85 Quadratmeter groß sein. Das Obergeschoss misst 55 Quadratmeter und könnte auch separat als Büro, als Bereich für Gäste oder eine Pflegekraft genutzt werden. Dafür sollen in das Satteldach sieben würfelförmige Gauben integriert werden, in denen jeweils eine Treppe die Ebenen miteinander verbinden soll.

Änderungen dieser Planungen hält Heinisch aus unterschiedlichen Gründen für nicht möglich. Zum einen handele es sich um ein Grundstück, das mit einer Fläche von 1860 Quadratmetern recht klein sei, um darauf Wohnraum für sieben Einheiten zu schaffen. Dass es gelungen sei, liege an dem, wie Heinisch findet, guten Entwurf des Architekten. Neben einem Garten mit Wohlfühlatmosphäre sind eine Tiefgarage mit E-Parkplätzen und hochleistungsfähiges Internet aus dem Hause Elon Musk vorgesehen, bei dem die Daten lichtgebunden über Satelliten übertragen werden. „Am Ende ist es auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit“, sagt der Geschäftsführer von EH-Living. Vor etwa einem Jahr habe er die Immobilien für 390 000 Euro pro Haus verkaufen wollen. Inzwischen liege der Preis bei knapp 480 000 Euro. Der Grund dafür seien Teuerungen in der Baubranche.

Mit Blick auf die Preisentwicklung sei aber so ein Objekt für die avisierte Käufergruppe – etwa Senioren, die sich räumlich verkleinern wollen und die für sie wichtige Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten und Apotheke vor der Nase haben – nicht mehr interessant. Der eine oder andere sei bereits abgesprungen. Wenn er das Gebäude nun tiefer in die Erde setzen würde, um so die Traufhöhe einzuhalten, entstünde ein Souterrain, dessen Wert unter dem eines Erdgeschosses liegen würde.

Wolfgang Heinisch und seine Frau haben derweil für sich eine Entscheidung getroffen: „Wir werden uns nicht anbiedern.“ Allerdings seien sie gesprächsbereit – „unser Plan ist da.“

Das sagt die Bauaufsicht: Kein Problem mit Genehmigung

Die Bauaufsicht des Landkreises Kassel bestätigt, dass es eine informelle Anfrage seitens der Bauherrschaft gegeben hat, in der es um die Möglichkeit einer Befreiung von den Festsetzungen im B-Plan gegangen sei. Der unter anderem für Wolfhagen zuständige Fachdienstleiter Gottfried Henkelmann habe telefonisch mitgeteilt, dass die Bauaufsicht keine Probleme mit den Abweichungen von den Vorgaben im B-Plan habe und sie das Bauvorhaben genehmigen würde, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Zuvor jedoch hätte Wolfhagens Magistrat der Befreiung zustimmen müssen, was nicht geschehen sei.

Die Traufhöhe werde von den Bauherren in einigen Bereichen des Daches um 1,75 Meter überschritten, und zwar überall dort, wo die Gauben die Dachschrägen durchbrechen. Aus Sicht des Landkreises Kassel hätten die geplanten Reihenhäuser „zu einer tollen Verbesserung des Stadtbildes an der Kurfürstenstraße geführt“, sagt Harald Kühlborn.

Das sagt der Bürgermeister: Gammelecke könnte verschwinden

Auch Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake hätte sich eine Umsetzung des Bauvorhabens an der Kurfürstenstraße gewünscht. Allerdings habe es vor etwa einem Jahr, als sich der Magistrat mit den Reihenhäusern beschäftigt hatte, keine Mehrheit gegeben. Nun solle das Thema erneut besprochen werden.

Schaake sieht in dem Projekt einige Vorteile: Es könnte helfen, die Wohnungsnot in Wolfhagen zu lindern. Für das ebenfalls an der Kurfürstenstraße geplante Baugebiet am Ortsausgang lägen über 100 Anfragen von Interessierten vor, von denen würden viele leer ausgehen. Erst vor wenigen Jahren sei die Kurfürstenstraße für viel Geld saniert worden, ein Radweg sei entstanden. Das habe das Viertel aufgewertet. Eine Gammelecke, wie sie das ehemalige Grundstück Hartmann derzeit darstelle, passe da nicht hin. Sie hätte auf attraktive und zudem nützliche Weise mit der Schaffung modernen Wohnraums beseitigt werden können. (Antje Thon)

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