Etwa 300 Menschen bei Mahnwache gegen Gewalt und Demo gegen Schließung der Kreisklinik Wolfhagen

„Wir fühlen uns von Kassel betrogen“

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Protest gegen Schließung der Kreisklinik: Im Wolfhager Land formiert sich der Widerstand.

Um die 300 Menschen sind am Samstagvormittag den Aufrufen zur Mahnwache gegen Gewalt und Hetze und zum Protest gegen die Schließung der Kreisklinik in Wolfhagen gefolgt.

Beide Aktionen fanden auf dem Kirchplatz statt, waren aber von verschiedenen Gruppen organisiert worden. Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung und Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke hatten die Gestaltung der ersten Mahnwache übernommen, mit der Vereine, Gruppen und auch Firmen demnächst an jedem dritten Samstag eines Monats zeigen wollen, wie offen und bunt Wolfhagen ist. Die Mahnwachen sind eine Reaktion auf den rechtsmotivierten Mord an Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke in Istha im Juni und der folgenden Hetze im Netz. 

„Gegenwärtig findet eine dramatische politische Verschiebung statt. Humanität und Menschenrechte, Religionsfreiheit und demokratischer Rechtsstaat werden offen angegriffen“, zitierte Finke aus dem Hessischen Plädoyer für ein solidarisches Miteinander, das bereits von zahlreichen kommunalen Parlamenten des Landes verabschiedet wurde.

Nach einem Moment des gemeinsamen Schweigens griffen die Mitglieder des Förderkreises Kreisklinik Wolfhagen zum Mikro. Und die zeigten sich kämpferisch. Vereinsvorsitzender Dieter Schrader und Pfarrer Wolfgang Hanske übten scharfe Kritik am Auftreten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH), Christian Geselle. Während der Förderkreis am Freitag mit Landrat Uwe Schmidt getagt und über die Möglichkeiten eines Fortbestandes der Klinik beraten habe, habe Geselle im Krankenhaus eine Betriebsversammlung abgehalten – ohne Beteiligung des Landrats.

Schrader warf der GNH vor, Personal von der Kreisklinik abgezogen zu haben. Auch sei versäumt worden, in die Einrichtung zu investieren. „Wir fühlen uns von Kassel betrogen.“ Der Verein werde für den Erhalt der Klinik kämpfen, dabei sei er auf den Protest und die Unterstützung der Menschen in der Region angewiesen. Der Aufsichtsrat möge seine Entscheidung zurücknehmen. Im Dialog mit allen Beteiligten müsse eine Lösung gefunden werden. Im Café Alte Wache am Kirchplatz wird es am Dienstag, 24. September, ab 9.30 Uhr ein Ideenfrühstück geben, an dem sich Bürger beteiligen können.

Update vom 06.11.2019: Gegen Hass und Hetze im Netz hat die Hessische Justiz in Kassel eine Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Gruppierungen gestartet.

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