Zu wenig Regen seit dem Frühjahr

Extreme Trockenheit: Der Wald hilft sich selbst

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Trockenheit im Wald: Dieser Hang im Revier Ippinghausen speichert keine Feuchtigkeit. Statt grüner Bodendecker sammelt sich unter den hohen Buchen das abgeworfene Laub aus Vorjahren. Revierförster Frank Ohlwein hofft auf lang anhaltenden Landregen.

Ippinghausen. Der Wald im Wolfhager Land leidet darunter, dass seit dem Frühjahr zu wenig Regen gefallen ist.

Dort, wo mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen, wird der Wald unter der Trockenheit der vergangenen Monate leiden. Das eine sei das Ausbleiben der Niederschläge, so Frank Ohlwein, Revierförster in Ippinghausen. Dies kombiniert mit einer extremen Hanglage, der Ausrichtung des Geländes nach Südwesten, einer Windanfälligkeit und dem Fehlen unterschiedlicher Pflanzengeneration führe zu einer Verschärfung des Problems, weil es keinen Verdunstungsschutz gebe. In seinem Revier hat er ein paar Flächen, die in regenreicheren Jahren deutlich grüner sind und auf der derzeit kein Grashalm mehr wächst.

Da Ohlwein an diesen Hängen keine Neuanpflanzungen vorgenommen hat, wird sich der Schaden durch den Wassermangel in Grenzen halten. Vor allem junge Bäume seien es, die der Trockenheit nicht trotzen könnten. Die Setzlinge kämen aus Pflanzschulen. In den ersten Jahren müssten sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnen, die Wurzeln seien weniger stark ausgebildet. „Wir nennen das Phänomen Verpflanzungsschock“, sagt Ohlwein. Lang anhaltende Trockenheit löst bei den jungen Bäumen Stress aus, der zum Absterben führen kann.

Verschiedene Generationen 

Grün satt: Die unterschiedlichen Waldgenerationen spenden reichlich Schatten und verhindern, dass Feuchtigkeit zu schnell verdunstet.

Die Naturverjüngung, die die natürliche Vermehrung und Verbreitung von Pflanzen meint und auf die das Forstamt Wolfhagen setzt, sei eine gute Möglichkeit, den Niederschlagsmangel zu kompensieren. Diese Wälder seien bestanden mit Bäumen unterschiedlichen Alters. Egal, wo die Sonne stehe, überall gebe es Laub, das die Verdunstung des Wassers eindämme, sagt Ohlwein. Zudem seien Bäume aus Naturverjüngung robuster, das Genmaterial habe sich an die Standortbedingungen angepasst und mit dem Verpflanzungsschock würden sie auch nicht konfrontiert.

Dennoch seien die Klimaveränderungen mit zunehmender Trockenheit in Frühling und Sommer ein ernstes Problem, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen. Die Starkregen, die bei Unwettern und Gewittern oftmals aufträten, sorgten bei der Wasserversorgung nicht für Entspannung. „Die Wassermassen im Juli haben nichts gebracht“, so Zindel. Der Niederschlag werde nicht gespeichert, der Boden sei knochentrocken, der Regen fließe oberflächlich ab. „Was wir brauchen, ist ein Landregen, der lange Zeit anhält.“

Buchensterben 1976 

Inwieweit ältere Buchen ebenfalls von der Trockenheit in Mitleidenschaft gezogen werden, lasse sich noch nicht sagen. Schäden zeigten sich erst in ein bis zwei Jahren. Buchen würden dann möglicherweise zu viel Schleim produzieren und anfällig werden für Pilze. Zuletzt hatte es im Jahr 1976 Ausfälle gegeben. Forstleuten ist es in besonderer Erinnerung geblieben, weil es verbunden ist mit extremer Trockenheit. Die Buche ist im Wolfhager Land die am stärksten vertretene Baumart.

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