Lkw ja – Motorrad nein

Fast alle Fahrschulen haben zurzeit geschlossen - Branchenverband geht von vielen Schließungen aus

Ingo Gutbier, Fahrschule, ohne Maske
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In Hessen dürfen Fahrschulen weiterhin Lkw-Fahrschüler ausbilden. Alle anderen Fahrstunden fallen zurzeit aus - Selbst die auf dem Motorrad.

Wolfhager Land –Lkw-Fahrschulen in Hessen haben Glück: Sie dürfen seit dem Beschluss des Landes vom 21. März wieder Theorie- und Praxisunterricht geben. Gordon Güde, Lkw-Fahrlehrer in Wolfhagen, konnte so die Lage gut abfedern, denn seine Fahrschule blieb nur für zwei Wochen geschlossen. 

Trotzdem habe er mit 50 Prozent Umsatzeinbußen zu kämpfen, denn Weiterbildungen dürfe er nicht machen. „Alle Bundesländer sollten das so machen“, findet Güde. Nicht nur in Hessen, sondern auch bundesweit mangele es an ausgebildeten Lastkraftfahrern.

Unverständnis über Verbot von Motorrad-Fahrstunden

Dass die anderen Fahrschulen keinen praktischen Unterricht von Motorradfahrschülern machen dürfen, versteht Güde genauso wenig wie Ingo Gutbier, Inhaber der Fahrschule Gutbier in Naumburg und Bad Emstal, der von dem Verbot betroffen ist. 

In einer Motorrad-Fahrstunde hat er nur über Funk Kontakt mit seinem Fahrschüler, der auf dem Motorrad vor ihm fährt. Eine Abstandsregelung kann also ohne Weiteres umgesetzt werden.

Gutbier bezweifelt auch, dass es eine richtige Entscheidung war, dass Lkw-Schüler weiter Fahrunterricht bekommen, schließlich kommen sich Schüler und Lehrer hier recht nahe, und eine Pause von sechs Wochen würde den Lkw-Fahrer-Mangel seiner Meinung nach nicht stark verschlimmern.

Deutschlandweit werden laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Moving 10 000 Lkw-Fahrschüler ihre Ausbildung zurzeit nicht abschließen können, obwohl sie in systemrelevanten Berufen wie der Logistik, Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk dringend gebraucht werden. Dazu kämen rund 190 000 Pkw-Fahrschüler.

Fahrschulen hoffen, dass es bald Lockerungen für sie gibt

Gutbier hofft, dass im heutigen Gespräch von Angela Merkel und den Ministern, das Problem der Fahrschulen aufgegriffen wird. Man merke, dass in der aktuellen Situation der Föderalismus an seine Grenzen stoße.

Der theoretische Unterricht darf in Hessen auch nicht online abgehalten werden, da vom Gesetzgeber ein Präsenzunterricht vorgegeben ist. Gutbier kann deswegen zurzeit nur warten und hoffen. Noch zu erledigende Büroarbeit hat er schon in den ersten beiden Wochen des Lockdowns abgearbeitet. Der Fahrlehrer hat die staatliche Hilfe bereits beantragt und inzwischen auch erhalten. 

Die Krise wird Gutbier überstehen, zwei bis drei Monate sollte eine etablierte Fahrschule schon aushalten können, ohne zugrunde zu gehen, sagt er. Laut dem Branchenverband werde ein Drittel der rund 10 000 Fahrschulen in Deutschland durch die Corona-Beschränkungen schließen müssen, wenn der Shutdown das Geschäft noch länger stillstehen lässt.

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