Betreuungseinrichtung soll 2023 öffnen

Firma Korian baut in Wolfhagen an der Kurfürstenstraße ein neues Wohnpflegeheim

Am Rande der Streuobstwiese entsteht ein Pflegeheim: Die Korian-Gruppe hat sich unter anderem für Wolfhagen entschieden, weil sie hier bereits das Seniorenheim „Haus Phönix am Teichberg“ betreibt und die Infrastruktur nutzen kann.
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Am Rande der Streuobstwiese entsteht ein Pflegeheim: Die Korian-Gruppe hat sich unter anderem für Wolfhagen entschieden, weil sie hier bereits das Seniorenheim „Haus Phönix am Teichberg“ betreibt und die Infrastruktur nutzen kann.

Für Menschen, die an einer seelischen Behinderung und zugleich an einer schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit leiden, gibt es in Deutschland bislang nur sehr wenige Betreuungseinrichtungen, die auf diese speziellen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Wolfhagen – In Wolfhagen soll nun ein Heim errichtet werden, das die Anforderung erfüllt. Korian Deutschland ist sich jetzt mit der Stadt Wolfhagen einig geworden und wird Anfang kommenden Jahres mit dem Bau des Wohnpflegeheimes im Baugebiet an der Kurfürstenstraße beginnen. Die Fertigstellung sei für das dritte Quartal 2023 vorgesehen, sagt Tanja Kurz, Sprecherin des Unternehmens mit Sitz in München, das in Wolfhagen bereits das Pflegeheim „Haus Phönix am Teichberg“ betreibt. Geschaffen werden 36 Plätze in Einzelzimmern für Personen mittleren Alters. 40 Arbeitsplätze sollen zunächst entstehen. Zur Höhe der Investition macht der Anbieter keine Angaben.

Hessen ist das einzige Bundesland, das auf die Comorbidität – also das Zusammentreffen psychischer Störungen und Pflegebedarf (Pflegegrad 3) – reagiert und ein Rahmenkonzept erstellt hat. Darauf basierend werden seit wenigen Jahren Menschen in speziellen Häusern betreut, ohne dass zwischen Psychiatrie und Seniorenpflegeheim entschieden werden muss.

Korian betreibt in Hessen vier solcher Heime. Die Nachfrage sei enorm, auch aus anderen Bundesländern, da es dort keine vergleichbaren Angebote gibt. In Wolfhagen wolle man zunächst mit wenigen Bewohnern starten, sagt Kurz. Denn die Betreuungskapazität orientiere sich am Personal, das zunächst rekrutiert werden müsse und was besser funktioniere, je bekannter das Heim sei.

Bürgermeister Reinhard Schaake ist froh, dass sich Korian für seine Stadt entschieden hat. Die Einrichtung leiste einen Beitrag zur Integration benachteiligter Menschen. Korian hatte vor mehr als einem Jahr Interesse am Standort bekundet. Dabei, so Kurz, habe auch eine Rolle gespielt, dass Korian in der ehemaligen Kreisstadt bereits ein vollstationäres Haus betreibe. „Durch die bestehende Infrastruktur und Ortskenntnis haben wir uns für Wolfhagen als weiteren Standort für den Ausbau unseres Como-Netzwerkes entschieden.“

Im Frühjahr werde die Erschließungsplanung für das Baugebiet an der Kurfürstenstraße fertig sein, dann, so Schaake, würden die Arbeiten ausgeschrieben und vergeben.

Bislang vier Heime in Hessen 

Korian Deutschland betreibt in Hessen aktuell vier Como-Einrichtungen, wie das Unternehmen seine Wohnpflegehäuser bezeichnet, in denen psychisch erkrankte Personen mit Pflegebedarf untergebracht sind. Zwei Einrichtungen befinden sich in Oberursel, zwei weitere in Immenhausen und Hirschhorn. Zwei weitere Heime in Bad Hersfeld und Idstein befinden sich aktuell im Bau. Weitere mögliche Standorte werden derzeit geprüft. 

Zwei Aufgaben unter einem Dach

Wer kümmert sich hierzulande um jüngere, erwachsene Menschen, die beispielsweise an einer Schizophrenie erkrankt sind und zugleich in ihrem Verhalten so unselbstständig sind, dass ihnen der Pflegegrad 3 zugesprochen wird? In vielen Bundesländern gibt es für diesen Personenkreis keinen richtigen Platz. In der Psychiatrie werden sie nicht gepflegt, fürs Seniorenpflegeheim sind sie zu jung.

In Hessen hat man dieses Problem schon vor mehr als 15 Jahren erkannt. Ein Konzept zur vollstationären Versorgung von pflegebedürftigen Menschen mit psychischer Erkrankung und/oder seelischer Behinderung und/oder Abhängigkeitserkrankung in Verbindung mit Comorbidität wurde im Jahr 2005 erstellt. Die darin noch enthalten Schwachstellen wurden überarbeitet, seit 2016 gibt es eine aktualisierte Version des Konzepts.

An der Kurfürstenstraße in Wolfhagen wird voraussichtlich bis spätestens Herbst 2023 eine Pflegeeinrichtung entstehen, die beide Aufgaben erfüllen kann – das Bedürfnis nach Pflege und das nach Eingliederungshilfe in die Gesellschaft. Gebaut wird das Heim von Korian Deutschland, die Gruppe betreibt in der Bundesrepublik mehr als 250 Einrichtungen und insgesamt 48 ambulante Dienste.

An der Kurfürstenstraße in Wolfhagen wird voraussichtlich bis spätestens Herbst 2023 ein Wohnpflegeheim entstehen. Gebaut wird das Heim von Korian Deutschland

Menschen mit Depressionen, Suchterkrankungen, Zwangs- oder kognitiven Störungen sowie affektiven Störungen, denen zudem mindestens der Pflegegrad 3 attestiert wurde, sollen in Wolfhagen eine neue Bleibe finden. „Sie sind viel stärker als andere auf feste Strukturen angewiesen, tun sich extrem schwer mit Veränderung und sind auf Hilfsmittel angewiesen“, sagt Lena Brockbals-Schuster, die als Leiterin der Tagesgestaltung im Ursulahof in Oberursel tätig ist, wo Korian ein Pflegeheim mit 36 Plätzen betreibt, so wie es nun in Wolfhagen gebaut wird.

Der Betreuungsbedarf in der Einrichtung an der Kurfürstenstraße wird gegenüber gewöhnlichen Pflegeheimen größer sein. Die Bewohner erfordern mehr Aufmerksamkeit. Es geht viel ums Kümmern und Kommunizieren, ums Eingehen auf individuelle Befindlichkeiten, aber auch um Marotten und ums Schlichten bei Streitereien untereinander, von denen es – das zeigt der Alltag am Ursulahof – nicht wenige gibt. Angesichts dessen ist von Seiten des betreuenden Personals viel Besonnenheit und Struktur gefragt.

Ergotherapeuten, Sozialpädagogen und speziell geschulte Betreuungs-Kräfte werden für das Como-Pflegeheim benötigt. Das Prinzip Struktur mit möglichst viel Räumen zur Selbstständigkeit sei kennzeichnend für den Korian-Stil, sagt Unternehmenssprecherin Tanja Kurz. Wo es möglich ist, besteht Freiheit, da wo nötig, Kontrolle. (Antje Thon)

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