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Landesprogramm hilft bei Vorhaben in Wolfhagen

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Von: Antje Thon

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Der Uslarplatz in Wolfhagen.
Der Uslarplatz in Wolfhagen: Sein Gesicht wird sich verändern. Unter anderem soll der Hans-Staden-Pfad, der die Innenstadt durchzieht, dort mit einer Bronze seinen Abschluss finden. © Antje Thon

Über das Programm „Zukunft Innenstadt“ erwartet die Stadt Wolfhagen für dieses und das kommende Jahr 250 000 Euro vom Land Hessen.

Wolfhagen - 27 000 Euro will die Kommune selbst beisteuern. Das sei selbst in der finanziell schwierigen Situation der vorläufigen Haushaltsführung kein Problem, wie Erster Stadtrat Karl-Heinz Löber nun sagte. Denn das Programm knüpfe an andere Stadtentwicklungsprojekte an, was eine Freigabe der Mittel durch die Kommunalaufsicht des Landkreises Kassel ermögliche.

Vier Projekte sollen mithilfe der Finanzspritze aus Wiesbaden angepackt werden. Dabei handelt es sich um die Vervollständigung des Hans-Staden-Pfades, die Gestaltung der Freifläche vor der Zehntscheune (Uslarplatz), die Erstellung eines touristischen Entwicklungskonzeptes und die Konzeptionierung eines Bürgerbussystems. Ziel des Programmes ist eine Belebung der Innenstädte. Insgesamt 41 Kommunen in Hessen werden darin unterstützt, nachhaltige Lösungsansätze zu entwickeln, um ihre Innenstädte neu zu denken und zu gestalten.

Drei der sieben Stationen des Pfades, der die Geschichte des Brasilienreisenden Hans Staden in Wolfhagens Innenstadt bebildern soll, sind bereits fertig. Zwischen Mittel- und Torstraße ist eine Bronze des Landsknechts, der um 1525 in Homberg geboren wurde und vermutlich in Wolfhagen starb, in seinem Schiff zu sehen. Sein Aufbruch in die Neue Welt ist auf dem Relief am Amtsgericht dargestellt, und die Tafel an der Mittelstraße/Triangelstraße zeigt seine Gefangennahme durch die Tupinambá.

Bis Mitte kommenden Jahres sollen die restlichen Stationen umgesetzt sein, kündigt Giselher Dietrich an. Er ist Sprecher der Aktionsgemeinschaft aus Stadt, Hans-Staden-Stiftung, Regionalmuseum, Heimat- und Geschichtsverein sowie Lions-club, die hinter dem Projekt steht. Drei weitere Bronzereliefs sollen bei der Telefonzelle an der Schützeberger Straße (Ankunft in Brasilien), am alten Rathaus (Leben mit den Tupinambá) und im Bereich der Kirche an der Burgstraße (Glaubensstandhaftigkeit) aufgestellt werden. Die letzte Station wird sich vor der Zehntscheune (Uslarplatz) befinden. Sie soll in ihrer Ausführung etwas komplexer sein und unter anderem die Aspekte Rückkehr und Verfassen der Warhaftigen Historia, das noch heute ein bedeutendes Werk für die Brasilien-Forschung ist, berücksichtigen. Wie schon die ersten Stationen, so wird die Künstlerin Karin Bohrmann-Roth aus Grebenstein auch die ausstehenden Arbeiten übernehmen. Ende September, so Dietrich, sollen die Skizzen vorliegen.

Aus dem Landesprogramm gibt es dafür 80 000 Euro. Ob die Summe ausreicht, wird sich zeigen. „Wir wollen auf jeden Fall schnell fertig werden“, sagt Dietrich mit Blick auf die steigenden Kosten. Die ersten drei Elemente des Pfades waren überwiegend über Spenden finanziert worden.

Am Uslarplatz endet der Hans-Staden-Pfad. Gleichzeitig wird das Gelände während der aktuellen Arbeiten in der Zehntscheune von Baufahrzeugen genutzt. Das mache eine Neugestaltung erforderlich, über deren Art sich die Stadt aber noch mit dem Landkreis Kassel abstimmen müsse, sagt Michael Joost von der Abteilung Energie und Stadtentwicklung. Die eine Hälfte des Platzes könne begrünt werden und das Kunstwerk aufnehmen, der andere Teil befestigt werden.

Die Stadt will ein Büro mit der Erarbeitung eines touristischen Entwicklungskonzeptes beauftragen. Das Geld dafür kommt ebenfalls aus der Schatulle des Landes. Angestoßen werde ein ergebnisoffener Prozess, bei dem Experten all das berücksichtigen, was Wolfhagen aus Sicht von Touristikern attraktiv und vielleicht auch einzigartig macht. „Dabei soll kein Papier entstehen, das hinterher im Schrank verschwindet“, sagt Joost, der sich einen globaleren Ansatz wünscht. Bürgerschaft, Gewerbetreibende, Stärken und Schwächen, aber auch die Energie, die es braucht, um touristische Ziele umzusetzen, sollen eingehend betrachtet werden.

„Die Mobilität im ländlichen Raum kann immer verbessert werden“, sagt Joost mit voller Überzeugung, selbst dann, wenn der NVV wie zuletzt sein Netz ausgebaut habe. Deshalb soll nun in einer Studie geklärt werden, wie und ob sich ein Bürgerbussystem, das es auch in anderen Kommunen gibt, in Wolfhagen umsetzen ließe. Was Joost aber schon jetzt weiß, „es funktioniert nur, wenn es die Bürgerschaft will und wenn es genügend Menschen gibt, die es tragen“. Es brauche eine ganze Reihe an Fahrern, und allen müsse klar sein, dass es sich bei dem Angebot um keine kommunale Aufgabe handele, sondern um ein Projekt, das die Menschen selbst in die Hand nehmen, weil sie von dessen Nutzen für die Gemeinschaft überzeugt seien.

Die Vorteile eines Bürgerbusses liegen für ihn auf der Hand: Der Bus könne zu festen Zeiten fahren, aber auch flexibel und auf Abruf eingesetzt werden. Weder der ÖPNV, noch ein Taxi oder ein Anrufsammeltaxi könnten einen Bürgerbus ersetzen. „Der Bedarf nach einem feingliedrigen, bezahlbaren System wird in den nächsten Jahren wachsen.“ Die Zeiten, in denen jede Familie drei Fahrzeuge vor der Tür stehen hat, würden allein aus finanziellen Gründen vergehen. (Antje Thon)

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