Sorge vor der Konkurrenz

Förderverein gegen Flächenverkauf an Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land

Fühlt sich in ihren Praxisräumen an der Mittelstraße in Wolfhagen beengt: Die Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land. Deshalb will sie im künftigen Baugebiet an der Kurfürstenstraße neu bauen.
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Fühlt sich in ihren Praxisräumen an der Mittelstraße in Wolfhagen beengt: Die Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land. Deshalb will sie im künftigen Baugebiet an der Kurfürstenstraße neu bauen.

Haupt- und Finanzausschuss erteilt vorerst keine Empfehlung für den Flächenverkauf an Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land.

Wolfhagen – Ganz so glatt scheint der von der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land beabsichtigte Kauf eines 2000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Kurfürstenstraße in Wolfhagen nicht über die Bühne zu gehen. Der Haupt- und Finanzausschuss hat dem Parlament, das sich am 1. Juli mit der Frage befassen sollte, vorerst keine Empfehlung zum Verkauf erteilt. Wie dessen Vorsitzender Jens Kühle sagte, werde das Thema solange vertagt, bis offene Fragen geklärt seien.

Vor allem der Vorstand des Fördervereins Kreisklinik meldete während der Ausschusssitzung ärgste Bedenken an. Der Verkauf der Fläche werde Folgen für die Kreisklinik haben, ein Teil der Beschäftigten dort sei sehr beunruhigt, sagte Dieter Schrader, einer der Vereinsvorsitzenden. Nur wenige Tage, nachdem die Klinik im Februar 2020 geschlossen worden war, sei es die Hausarztgemeinschaft gewesen, die sich an die Seite der GNH gestellt habe, um ein Medizinisches Versorgungszentrum aufzubauen. Der Verein befürchtet, dass in der Praxis an der Kurfürstenstraße ambulante Operationen angeboten werden und die Klinik Konkurrenz bekomme.

Die Sorge des Vereins speist sich unter anderem aus der Größe der Fläche, die ihnen für die derzeit 1,5 Arztsitze mehr als üppig erscheint, zumal dort sicher kein eingeschossiger Flachbau geplant sei. Das Konsortium, wie Schrader die Hausarztgemeinschaft bezeichnete, könnte in Wolfhagen Operationen vornehmen und sich dabei am Ärztepool ihrer weiteren bald acht Standorte in Nordhessen bedienen.

Dieter Schrader: Förderverein Kreisklinik

Gegenüber der HNA hatte Jörg Feldmann, Geschäftsführer der Hausarztgemeinschaft, den Umzug der Praxis von Wolfhagens Mitte an den Stadtrand mit der Schaffung eines modernen Umfeldes für Hausärzte und Patienten begründet. Die Aufnahme weiterer Ärzte schloss er zumindest nicht aus.

Der Haupt- und Finanzausschuss fühlte sich nach den Einlassungen des Fördervereins nicht genug informiert. Daher, so Kühle, soll es vor einer Verkaufsempfehlung Gespräche mit Investor, Landkreis und Verein geben.

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses mussten sich Dienstagabend so fühlen, als stünden sie zwischen Baum und Borke. Der Vorstand des Fördervereins Kreisklinik Wolfhagen hatte sie mit seiner Sorge überrollt.

Einerseits wollten sie etwas für die Verbesserung der ärztlichen Versorgung in Wolfhagen tun und hätten gern die Empfehlung zum Verkauf des Grundstücks an der Kurfürstenstraße erteilt, damit sich die Hausarztgemeinschaft um Dr. Wittwer vergrößern kann. Andererseits stimmten sie die von den Vorstandsmitgliedern des Fördervereins vorgetragenen Bedenken nachdenklich.

Daher wollen die Mitglieder des Gremiums nun mit allen beteiligten Seiten noch einmal reden. Mit dem Landkreis Kassel als Träger der Kreisklinik, um zu erfahren, wie der den Umzug der Praxis und eine etwaige Konkurrenzsituation bewertet. Mit der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land, um mehr von den Ambitionen und Plänen des Investors kennenzulernen. Und mit dem Förderverein, der vehement für den Erhalt der stationären Versorgung eintritt, diese aber in Gefahr sieht. „Wenn das die Entscheidung um ein paar Wochen verzögert, dann ist das halt so“, sagt Ausschussvorsitzender Jens Kühle.

Bis eine halbe Stunde vor Mitternacht hatte sich der Vorstand des Fördervereins am Dienstag im Dorfgemeinschaftshaus in Istha geduldet, bevor ihm im Vorfeld der sich anschließenden nichtöffentlichen Behandlung des Themas das Wort erteilt worden war. Vorstandsmitglied Heiko Weiershäuser machte darauf aufmerksam, dass sich einige Ärzte in Wolfhagen eine Vergrößerung ihrer Räume wünschten und regte an, die Stadt möge in ein Gebäude investieren und dieses dann an Ärzte vermieten. Sei die Fläche an der Kurfürstenstraße erst einmal an den Investor verkauft, lasse sich dessen unternehmerisches Handeln kaum einschränken. Das wäre „der erste Sargnagel für die Klinik“ zitierte er einen der Beschäftigten des Wolfhager Krankenhauses.

„Was sollen wird denn nun tun?“, fragte Ausschussmitglied Helmut Flörke und blickte in die Gesichter des Vereinsvorstandes. Einerseits würde an der ärztlichen Versorgung auf dem Lang herumgenörgelt. Wenn sich dann aber die Chance auftue, etwas zu verbessern, sei es auch nicht recht. „Es ist die Aufgabe des Parlaments abzuwägen“, sagte Vereinsvorsitzender Wolfgang Hanske.

In einem Schreiben an Bürgermeister Schaake, das auch der HNA vorliegt, untermauert Jörg Feldmann, Geschäftsführer der Hausarztgemeinschaft, sein Interesse an einer umfassenden, hausärztlichen Betreuung der etwa 1700 Patienten am Standort Wolfhagen. Die Gemeinschaft sei nie als Konkurrent aufgetreten. „Wir werden uns auch künftig nicht im Wettbewerb zum Krankenhaus sehen“, so Feldmann. Die Übernahme weiterer Hausarztpraxen in den vergangenen Monaten zeige sehr deutlich, dass es ihm um eine Etablierung von hausärztlichen Strukturen gehe.

Feldmann äußert sich in dem Brief auch zur Zahl der Einweisungen in die Wolfhager Klinik, die allerdings die alleinige Entscheidung des jeweiligen Arztes sei. Jedoch habe er aus Sicht der Geschäftsführung und mit Unterstützung der kompletten Gesellschafterversammlung einen positiven Impuls gesetzt. Im vergangenen Jahr seien 152 Klinikeinweisungen in Wolfhagen ausgestellt worden, davon seien 53 Patienten in externe Krankenhäuser überführt worden. (Antje Thon)

Landkreis Kassel mischt sich nicht ein

Der Landkreis Kassel arbeitet mit jedem Dienstleister aus dem Bereich des Gesundheitswesens zusammen, sagt Silvan Uick, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Kliniken. Er hoffe, dass dieses Kooperationsangebot auf Gegenseitigkeit beruhe. Wenn die Stadt Wolfhagen das Grundstück an die Hausarztgemeinschaft verkaufen wolle, „dann werden wir das akzeptieren und respektieren. Das ist eine Angelegenheit der Stadt, in die wir uns nicht einmischen werden“, so Uick abschließend.

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