Franz Hannig aus Ehlen stellt Engel und Rentiere mit Laubsäge her

Bereitet Freude: Franz Hannig bastelt Jahr für Jahr weihnachtliche Holzfiguren für die Jungen und Mädchen des Ehlener Kindergartens Kunterbunt. Foto: Hoffmann

Ehlen. Manchmal bekommt Gisela Hannig ihren Mann Franz stundenlang nicht zu Gesicht. Suchen muss sie nicht nach ihm, denn es gibt nur einen Ort, an dem sich der frühere Gärtner und Waldarbeiter fast noch wohler fühlt als im gemütlichen Wohnzimmer: im alten Schweinestall hinterm Haus.

Sauen gibt es hier schon lange nicht mehr, es sei denn, sie sind aus Sperrholz. In der ehemaligen Schweineküche an der Königsberger Straße nämlich hat der 74-Jährige seine Holzwerkstatt eingerichtet, und in der kann er ewig ausharren, wenn das Radio munter vor sich hin trällert und der alte Holzofen den kleinen Raum in eine wohlige Wärme taucht. Geduldig malt Hannig dann mit Schablonen filigrane Bildchen auf die vier Millimeter dicken Holzplatten, um sie anschließend mit viel Liebe auszusägen. Gekonnt führt er die Laubsäge durchs weiche Holz: rauf, runter - ganz sachte, damit bloß nichts bricht.

Über die Jahre hat sich der Hobbybastler ein beachtliches Wissen angeeignet: „Frisch geschnittenes Haselnussholz kann man nicht sofort verarbeiten, aufgetragene Farbe würde sich schon nach kurzer Zeit deutlich verändern.“ Er weiß eben genau, worauf er achten muss. „Je weicher das Sägeblatt, desto sauberer der Schnitt“, sagt er und drückt den frisch zugesägten Weihnachtsmann aus dem Holz. Die Kanten noch einmal kurz abgefeilt, fertig ist sein neuestes Werk. Naja, fast, ein wenig Farbe fehlt noch. Die verpasst er dem kleinen Mann drüben im Wohnzimmer, wo er die Bastelmaterialien fein säuberlich hinter einem alten Teewagen in der Ecke aufbewahrt und nur herauskramt, wenn sich der Esstisch in ein kunterbuntes Atelier verwandeln soll.

Alle haben sie hier schon farbenfrohe Kleider angezogen bekommen: Engel, Weihnachtsmänner, Rentiere. Die Weihnachtsboten haben es Franz Hannig besonders angetan. Mit ihnen erfreut er nicht nur Freunde und Bekannte, sondern vor allem die Jungen und Mädchen im Kindergarten Kunterbunt.

Alle Jahre wieder beschenkt er die Kleinen mit neuen Holzarbeiten, seit zehn Jahren schon. Je bunter, desto besser. Die Kinder kennen ihren Bastelopa gut, warten jedes Jahr zur Weihnachtszeit erneut auf ihn und überlegen sich schon auch mal eine Überraschung für ihn. „Einmal haben sie mich im Sommer zuhause im Garten besucht und mir ein Ständchen gesungen“, sagt Hannig gerührt. „Da hatte ich schon Tränen in den Augen, als ich auf meiner Bank vor der Werkstatt saß und in die strahlenden Kinderaugen blickte.“ Dann weiß er, warum er Jahr für Jahr hunderte Holzfiguren bastelt, denn Besuche wie diese sind der Lohn für viele Stunden Arbeit. Das sieht auch Ehefrau Gisela so, die dafür gern in Kauf nimmt, ihren Mann manchmal stundenlang nicht zu Gesicht zu bekommen.

Von Sascha Hoffmann

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