Fußballverein rechnet mit Kosten von 800 000 Euro

FSV Wolfhagen möchte Kunstrasenplatz bauen

Seit sechs Jahren kämpft der FSV Wolfhagen um einen Kunstrasenplatz. Nun ist der Fußballverein mit seinen Planungen ein gutes Stück vorangekommen. Für ihn steht fest: Nicht die Stadt soll den Platz bauen, sondern der Verein selbst.

Wolfhagen - Ende August wollen FSV-Vorsitzender Harms Böttger und sein Stellvertreter Andreas Geselle die Planungen für den Kunstrasenplatz mit Flutlichtanlage abgeschlossen haben. Errichtet werden soll er auf dem ehemaligen Tennisgelände an der B 450. Das, so Böttger, befinde sich im Eigentum der Kommune und könnte den Fußballern über einen Erbpachtvertrag zur Verfügung gestellt werden.

Bis zum Herbst soll die Finanzierung für das Mammutprojekt stehen, das inklusive Hallenabriss und Planum um die 800 000 Euro kosten dürfte, sagt Geselle. Der Verein setzt dabei auf Fördermittel, die beim Hessischen Fußballbund, dem Landessportbund, dem Land und beim Landkreis Kassel beantragt werden könnten. Das Gute aus Sicht Böttgers: Tritt der Verein als Bauherr auf, erzielt er höhere Förderquoten, als es einer Kommune möglich ist. Doch ganz ohne finanzielle Unterstützung der Stadt Wolfhagen werde die Investition auch für den 490 Mitglieder zählenden Verein nicht zu stemmen sein, sagt er.

Seit zweieinhalb Jahren stünden sie mit der Stadt und deren Gremien im intensiven Kontakt. Mehrere Standorte hätten sie genauer betrachtet, sagt Andreas Geselle, der als Bau-Ingenieur die Planungen maßgeblich vorantreibt. Darunter befanden sich der Hartplatz, die Wiese gegenüber dem Freibad, eine Fläche hinter der weißen Schulsporthalle und Ortsrandlagen in Richtung Elmarshausen und Ippinghausen. Nahezu überall habe es Probleme und Ausschlusskriterien gegeben. Am Ende stellte sich das Tennisgelände als am geeignetsten heraus.

Das Gelände wird derzeit vorübergehend von einem Wolfhager Unternehmer genutzt, der darauf wartet, dass die Feuerwehr in ihren neuen Stützpunkt wechselt und er mit seinem Betrieb auf das Grundstück des alten Stützpunkts ziehen kann. Der FSV würde den Kunstrasenplatz gerne Mitte 2023 einweihen.

Schon seit Langem hat der FSV ein Kapazitätsproblem. Immer wieder müssen die Fußballer vom Liemeckestadion auf andere Plätze ausweichen. Im Sommer nutzen sie den Platz der Pommernanlage, vergangenen Winter durften sie in Bründersen gastieren. Der Naturrasenplatz und zuweilen auch der Hartplatz auf der Liemecke reichten nicht aus, um allen Mannschaften Übungsstunden anbieten zu können, sagt FSV-Chef Harms Böttger.

Spätestens im Oktober sei das Grün im Liemeckestadion fertig und könne nicht mehr bespielt werden. Dann liege der Platz bis zum März brach und werde aufgepäppelt. Ab dem Frühjahr werde der Rasen dann wieder strapaziert. Und „strapaziert“ ist aus Sicht von FSV-Vize Andreas Geselle noch eine freundliche Umschreibung. Vor Corona wurde der Rasen an 49 Stunden pro Woche frequentiert. In 36 Wochen pro Jahr, rechnet er vor, seien das 1764 Stunden. Ausgelegt sei er in Abhängigkeit von der Witterung aber nur für eine Nutzungsintensität von 180 bis 250 Stunden jährlich.

Ein Kunstrasenplatz, wie ihn der FSV nun auf dem Gelände bauen möchte, auf dem sich Tennishalle und Tennisplätze befinden, würde das Kapazitätsproblem lösen. „Der Kunstrasen kann bis zu zehn Mal häufiger genutzt werden als ein Rasenplatz“, sagt Geselle. Und das ist nach Einschätzung der beiden FSV-Chefs auch wichtig. Denn seit sie vor acht Jahren mit einem neuen Jugendkonzept an den Start gegangen sind und massiv in die Ausbildung des eigenen Nachwuchses investieren, macht sich dies auch im Spielbetrieb bemerkbar. Seither kümmern sich ausgebildete Linzenztrainer um die Jugend, sie bilden die jungen Fußballer nach den Richtlinien des DFB aus. Die B-Junioren sind erst vor kurzem in die Verbandsliga aufgestiegen und damit in die zweithöchste Liga in Hessen. Dort sind die A-Junioren seit drei Jahren vertreten. Mit dem hochklassigen Spielbetrieb verbunden ist auch ein Verbot, auf Hartplätzen zu spielen. Das gehe klar aus den Durchführungsbestimmungen des Verbandes hervor, sagt Geselle.

Der Kunstrasenplatz, der aus umweltverträglichen Material angelegt werden soll, soll mit Flutlicht ausgestattet werden und Wettkampfgröße besitzen. Inklusive Bande wären das 70 mal 110 Meter. Dafür müsste die Halle, in der schon lange keine Tennisbälle mehr übers Netz geschlagen werden und die derzeit zweckentfremdet beansprucht wird, abgerissen werden. Von den insgesamt fünf Außenplätzen sollen die beiden zwischen Liemeckebach und Sudentenstraße nicht angetastet werden, sie werden derzeit als Pferdeweide genutzt. Zwei der oberen Tennisplätze wurden bereits zu einem Trainingsterrain für Fußballer umfunktioniert. Sie und den einzigen noch im engeren Sinne als Spielstätte für Tennisspieler erkennbaren Platz will der FSV Rot-Weiß Wolfhagen nun abreißen.

Die bautechnischen Voraussetzungen am Standort seien gut. So gebe es dort im Gelände nur geringe Höhenunterschiede, die sich aber ausgleichen ließen, sagt Geselle. Anwohner seien weit genug entfernt und sollten, anders als bei der zunächst in Erwägung gezogenen Fläche an der weißen Turnhalle, keinen Grund zur Klage haben. Das gesamte Areal sei im Flächennutzungsplan der Stadt bereits als Gebiet für Sport und Freizeit ausgewiesen und würde sich in Nachbarschaft zu anderen Sportstätten befinden.

Zunächst möchte der FSV den Platz als Trainingsstätte nutzen, dank des Flutlichts dann auch im Winter. Eine Tribüne, über die das Liemeckestadion verfügt, ist vorerst nicht vorgesehen.

15 Mannschaften im Trainings- und Spielbetrieb

Der FSV ist ein reiner Fußballverein. Derzeit sind etwa 225 Mitglieder im Trainings- und Spielbetrieb, sie teilen sich auf 15 Mannschaften auf, drei Senioren-, zwei Damen- und zehn Jugendmannschaften. Diese Mannschaften spielen und trainieren derzeit unter anderem auf dem Naturrasenplatz im Liemeckestadion. Das Stadion wird aber auch vom VFL, der Schule und als DFB-Stützpunkt genutzt.

(Antje Thon)

Wunschstandort des FSV für einen Kunstrasenplatz: Das Tennisgelände an Wolfhagens Stadtrand. Die Halle links dient als Lager, zwei der Plätze werden bereits von den Fußballern genutzt und der Sandplatz hinten liegt brach. Am rechten oberen Bildrand ist das Erlebnisbad zu erkennen.

Rubriklistenbild: © Norbert Müller

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