Wieviel Sprengkraft ist noch verborgen?

Übungsplatz bei Gasterfeld: Explosive Vergangenheit im Wald

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Schilder weisen auf Gefahren im Wald hin: Weil kurz vor Kriegsende die ehemalige Munitionsanstalt im Gasterfelder Holz unkontrolliert gesprengt wurde, könnte sich in dem 260 Hektar großen Bundesforst noch scharfe Munition befinden. Waldwege dürfen nicht verlasen werden.

Gasterfeld. Das 260 Hektar große Waldgebiet auf dem ehemaligen Standortübungsplatz bei Gasterfeld wird unter die Lupe genommen. Man will Klarheit über das Ausmaß der Rüstungsaltlasten.

Ein Blick in die Vergangenheit des Geländes genügt, um einen Eindruck zu bekommen von der Sprengkraft, die noch heute im Waldboden verborgen sein dürfte. Während des Zweiten Weltkrieges waren in der Muna Wolfhagen millionenfach Geschosse hergestellt und in den Bunkern oberirdisch gelagert worden.

Uwe Nord

Um die Besonderheiten des Waldes um Gasterfeld weiß auch Bundesförster Uwe Nord. „Jeder Baum, der älter als 70 Jahre ist und den wir verkaufen wollen, wird von uns mit einer Sonde auf Munitionssplitter überprüft.“ Und dass der Förster und seine Mitarbeiter in den vergangenen Jahren immer wieder Metallreste im Holz fand, war eher die Regel als die Ausnahme. Auf ihrem Rückzug hatten die Nazis kurz vor Kriegsende die Muna in die Luft gejagt. Die Geschosse schlugen in einem Umkreis von mehreren hundert Metern ein.

Nachweise fehlen 

Derzeit allerdings kommt das Splittersuchgerät nicht zum Einsatz. Denn seit Frühjahr vergangenen Jahres ruht die Forstarbeit auf dem Gelände völlig. Bevor die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) keinen Nachweis über den Umfang der Rüstungsaltlasten hat, sollen alle Aktivitäten unterbunden werden, die eine Detonation von Blindgängern auslösen könnten.

Auswertung von Luftbildern 

Bereits Ende der 1950er Jahre, also kurz bevor die Bundeswehr in die Pommernkaserne einzog, war das Gelände entmunitioniert worden. Allerdings fehlten darüber die Nachweise, sagt Nord. Auch über die Säuberung der Sandheide bis in eine Tiefe von bis zu sieben Meter existierten keine Belege. Daher wird für das komplette 260 Hektar große Waldgebiet nun ein Gutachten erstellt. Hierfür werden historische Quellen angezapft und Luftbilder ausgewertet. Erst wenn das Ergebnis der historischen Rekonstruktion vorliegt, könne über die künftige Behandlung des Waldes nachgedacht werden.

Ob das Gelände also eingezäunt und sich selbst überlassen werde, ob man einzelne Abschnitte oder den ganzen Wald entmunitioniere, könne er nicht sagen. Allerdings hält er die letzte Variante für die unwahrscheinlichste - „das wäre der Supergau“ und der Eingriff ins Landschaftsbild enorm.

Auch für Dominique Meyer, Servicebereichsleiter des Bundesforstbetriebes Schwarzenborn, ist diese Option wenig realistisch - schon allein aus Kostengründen.

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