Nach 100 Jahren ist nun Schluss: Wirt übergibt Gasthaus "Zum Chattenturm"

Alter und neuer Besitzer: Vor dem namensgebenden Kattenturm übergibt Hans-Jürgen Zuschlag (rechts) symbolisch den Kochlöffel an den neue Küchenchef Jasvir Lotz, der die Gaststätte „Zum Chattenturm“ ab November mit seiner Frau führen wird. Foto:  Bülau

Wolfhagen. „Es kam schon vor, dass eine Person bei uns zunächst Konfirmation, dann Hochzeit und sogar Silberhochzeit gefeiert hat", erzählt Hans-Jürgen Zuschlag. Seine Frau Barbara ergänzt: „Ich erinnere mich, dass Kinder im Taufkleid bei uns waren und 25 Jahre später stehen sie dann im Brautkleid hier."

Seit 1984 führt das Ehepaar das Gasthaus „Zum Chattenturm“. Seit 100 Jahren ist es sogar im Familienbesitz. Ende Oktober ist nun Schluss für die Familie Zuschlag. Das Ehepaar geht in Rente und gibt das traditionsreiche Familienunternehmen ab.

1914 kauften die Großeltern von Hans-Jürgen die Gastwirtschaft. Damals noch unter dem Namen „Zum Bahnhof“. 1950 übernahmen dann die Eltern und der Name wurde in „Zum Kattenturm“ geändert. 1982 gab es dann die letzte Namensänderung „Zum Chattenturm“, die bis heute Bestand hat. „Der Kattenturm ist der jüngste der elf Wolfhager Türme. Über die Schreibweise gibt es keine eindeutige Einigung“, erklärt Hans-Jürgen Zuschlag.

Die neuen Besitzer des Hotelrestaurants heißen Jasvir Lotz und seine Frau Gurpreet Kaur-Lotz. Die beiden haben indische Wurzeln, Jasvir wuchs allerdings in Wolfhagen auf. Der 34-Jährige kehrt nach Stationen in Küchen in Darmstadt, wo er gelernt hat, Hattenheim, der ersten Stelle als Küchenchef in Schwarzenstein, Kalifornien, Shanghai, Barcelona, Indien, Frankfurt, Wiesbaden, „Zum Steinernen Schweinchen“ und einem griechischen Restaurant in Kassel nun zurück in die alte Heimat. Für einen Koch sei es sehr wichtig viele Zeugnisse zu haben und viele Einflüsse zu kennen, erklärt Lotz.

Für die beiden ist die Gaststätte „Zum Chattenturm“ nun der erste eigene Betrieb. Dabei wollen sie nicht alles umwerfen. Viel mehr sollen Tradition und Werte erhalten bleiben und nur durch ihre neuen Ideen ergänzt werden. So bleibt der Name bestehen und auch die Innenausstattung wird nicht umgebaut. „Es wird eine bodenständige deutsche Küche geben“, so Lotz. Durch seine Erfahrungen aus anderen Ländern sei es aber natürlich auch möglich, internationale Speisen bei ihm zu bestellen. Ab dem nächsten Jahr biete das Gasthaus dann auch Ausbildungsplätze in der Küche an.

Den Zuschlags war es nach der langen Zeit, die die Gaststätte im eigenen Besitz war, wichtig, dass jemand kommt, der nicht ganz fremd ist. „Wir kennen die beiden schon länger und sind nun durch Freunde darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie etwas suchen“, so Barbara Zuschlag.

Schön sei es auch, dass das Gaststättensterben an dieser Stelle verhindert werden konnte. Viele würden keine neuen Unternehmer finden, wenn sie in Rente gehen. Und auch die langjährigen Mitarbeiter werden hier übernommen.

Von Maximilian Bülau

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