Gedeckter Tisch für Wildbienen

Wolfhager Artenschützer fordern mehr Dauerblühflächen

Blütenreichtum am Molkenborn bei Ippinghausen: Horst Broger (links) und Manfred Seydel sind begeistert von den vielen Blumen, die bei sonnigem Wetter Tausenden von Wildbienen, Hummeln und Faltern Nahrung bieten.
+
Blütenreichtum am Molkenborn bei Ippinghausen: Horst Broger (links) und Manfred Seydel sind begeistert von den vielen Blumen, die bei sonnigem Wetter Tausenden von Wildbienen, Hummeln und Faltern Nahrung bieten.

Den Wildbienen geht es nicht gut. Ihnen fehlen geeignete Lebensräume. Wer für ihren Erhalt etwas tun möchte, sollte artenreiche Dauerblühflächen anlegen. Nur dort finden die Hautflügler sowohl Nahrung, als auch Brut- und Überwinterungsquartiere.

Ippinghauen - An einem sonnigen Tag im August würden Wildbienen und Hummeln zu Tausenden auf der bunten Wiese von Blüte zu Blüte fliegen. Doch der Himmel ist bedeckt, Regen fällt auf die Blumen am Molkenborn nahe Ippinghausen. Kein Wetter für Hautflügler. Und so sind es an diesem Augusttag nur vereinzelte Hummeln und Gehörnte Mauerbienen, die auf Nahrungssuche sind.

„Noch vor wenigen Tagen war hier richtig was los“, sagt Horst Broger, der sich zusammen mit Manfred Seydel für mehr Artenschutz und attraktive Lebensräume für Insekten einsetzt. Vor einem Jahr haben sie die Dauerblühfläche am Molkenborn und noch eine weitere bei der Jugendbaude am Schwickenberg angelegt. Und die, so Seydels Urteil, stehen im zweiten Jahr richtig gut da. 30 bis 40 Pflanzenarten bieten verschiedenen Insekten von März bis Ende Oktober Nahrung.

Gegenüber den einjährigen Blühstreifen an Wegrändern und Feldsäumen haben die Dauerblühflächen einige Vorteile. „Die Wildbienen sind darauf angewiesen, dass ihr Habitat erhalten bleibt“, sagt Seydel. Die solitär lebenden Insekten überwintern als Königin oder als Ei beziehungsweise Larven. Dafür nutzen sie den Boden und abgestorbenes Pflanzenmaterial. Für ihre Brut benötigen sie trockene Stängel, die mindestens zwei Jahre stehen bleiben. Auch seien mehrjährige Blühflächen artenreicher als einjährige Blühstreifen, die oft von Sonnenblumen und Phacelien dominiert werden. Grundsätzlich sei es zwar positiv, dass in den Dörfern und an Wegen saisonale Blühflächen angelegt werden, wertvoller allerdings seien Dauerblühflächen, sagt Broger, der auch als Imker tätig ist. „Für einjährige Blühflächen gibt es eine Zwei minus, für dauerhafte Wiesen eine Eins mit Sternchen“, so der Ippinghäuser, der hofft, dass mehr Menschen die Notwendigkeit erkennen, etwas für die Artenvielfalt zu tun und dafür ihre Gärten nutzen.

Denn noch lässt aus Sicht der beiden Mitglieder der Freien Arbeitsgruppe Umwelt- und Naturschutz Ippinghausen (Fauni) die Zahl der Flächen im Wolfhager Land, auf denen sich Jahr für Jahr eine Blütenpracht entfalten darf, zu wünschen übrig. Neben den natürlichen Lebensräumen auf den Kalkmagerrasen an Festberg und Bärenberg sind in Naumburg zwei wertvolle Wiesen entstanden, auf denen sich nun schon seit vier Jahren Hummeln, Wildbienen, Wespen und Falter tummeln.

Bereits im zweiten Jahr ihres Bestehens hat Manfred Seydel auf der Wiese am Molkenborn um die 16 Wildbienenarten gezählt, „ein Experte würde vielleicht noch mehr finden“. In Deutschland gibt es etwa 550 Wildbienenarten, zu ihnen zählen auch die Hummeln. Die verschiedenen wild lebenden Bienen hätten alle sehr unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum, insofern sind sie Spezialisten. Daher sei es so wichtig, ihnen artenreiche Wiesen anzubieten.

Am Schwickenberg und am Molkenborn scheint das Konzept aufzugehen. Auf den Wiesen herrscht eine unglaubliche Dynamik, die den Artenreichtum fördert. Blumenarten wie Wilde Möhre, Wegwarte, Steinklee, Inkarnatklee, Wilde Karde, Glockenblume, Wicke und Flockenblume locken viele Hautflüglerarten an. Diese wiederum ziehen Vögel, Blindschleichen und Eidechsen nach sich. Der Lebensraum sei nicht starr, sondern immer wieder im Wandel, sagt Seydel. Am Molkenborn kämen noch einige begünstigende Einflüsse hinzu. Der dortige Basaltverwitterungsboden sei so ziemlich das Beste, was Ippinghausen an Böden zu bieten habe. Ringsum breite sich eine intakte Heckenlandschaft aus, eine üppige Auswahl an Obstbäumen sorge im Frühjahr mit Nektar und Pollen für ein reiches Nahrungsangebot.

Der Pflegeaufwand für die Dauerblühflächen sei überschaubar. Im späten Herbst würden auf der Wiese ganz grob trockene Stängel zusammengetragen und am Rand deponiert. Dort bieten sie Insekten und anderen Tieren Unterschlupf. Und nach dem Winter, im März, erwacht auf den Wiesen an Molkenborn und Schwickenberg wieder neues Leben.

Gärten können wichtige Lebensräume sein

Der heimische Garten kann für Wildbienen, aber auch für Honigbienen, ein wichtiger Lebensraum sein. Dafür müssen Blumen mit ungefüllten Blüten angebaut werden. Gefüllte Blüten bieten keinen Pollen und wenn, dann nur wenig Nektar. Geeignete Pflanzen, die unter Bienen begehrt sind und zudem im Garten eine Figur machen, sind: Katzenminze, Männertreu, Salbei, Sonnenblumen, Sonnenhut, Mädchenauge und Astern. Obstbäume und Beerenobststräucher bieten eine gute Nektar- und Pollentracht. Ohne die Bestäubungsleistung der Insekten würde die Obsternte wohl in so manchem Garten sparsamer ausfallen.

Trockenmauern anbieten

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas zum Erhalt einer artenreichen Bienenfauna beizutragen. Flächen können abschnittsweise gemäht und Teilbereiche einfach stehen gelassen werden. Bienenfreundliche Mahdtechniken sollte der Vorzug gegeben werden. Ungenutzte Ödlandflächen können sich selbst überlassen werden. Stehendes und liegendes Totholz an Ort und Stelle belassen, sie sind Nistplätze. Trockenmauern und Lesesteinhaufen anbieten. Insektenhotels im Garten einrichten. Auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln so gut es geht verzichten. Landwirte können mehrjährige Blühflächen anbauen.

(Antje Thon)

Hummel sammelt Pollen auf Flockenblume: Auf den Dauerblühflächen gedeihen unter anderem auch Johanniskraut, Glockenblumen, Wilde Möhre und Wilde Karde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.