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Geflüchteter Ukrainer kann nach Operation in der Kreisklinik Wolfhagen laufen

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Von: Bea Ricken

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Den Rollstuhl braucht er bald nicht mehr: Volodimir Schulga (Mitte) wurde in der Wolfhager Kreisklinik unter anderem von Dr. Michael Schacht (links) und Dr. Sebastian Herzberg (rechts) erfolgreich operiert. Hinten Physiotherapeut Martin Vössing.
Den Rollstuhl braucht er bald nicht mehr: Volodimir Schulga (Mitte) wurde in der Wolfhager Kreisklinik unter anderem von Dr. Michael Schacht (links) und Dr. Sebastian Herzberg (rechts) erfolgreich operiert. Hinten Physiotherapeut Martin Vössing. © Bea ricken

Vom Rollstuhl wieder auf die Beine.

Wolfhagen – Für den 66-jährigen Ukrainer Volodimir Schulga ist ein Wunder geschehen: Der Mann kann nach einer Operation in der Wolfhager Kreisklinik wieder laufen, nachdem er zehn Jahre lang im Rollstuhl gesessen hatte. Eine Chance wieder auf die Beine zu kommen gab es in seinem Heimatland nicht. Der gehörlose Mann lebte seit zehn Jahren allein und fast ohne fremde Hilfe in der Stadt Iwano-Frankiwsk (Westukraine).

Dann hatte Schulga Glück im Unglück: Als der Krieg begann, konnte er mit Unterstützung einer privaten Hilfsorganisation in den Landkreis Kassel flüchten. „Da der Mann pflegebedürftig war, haben wir für ihn einen Platz in der Bergparkresidenz in Burghasungen gefunden“, so Kreissprecher Harald Kühlborn. Der Ukrainer litt unter starken Schmerzen des Hüftgelenks und wurde deshalb bald in der Wolfhager Klinik vorgestellt.

Mit Übersetzer und Hilfe durch eine Ukrainerin erfuhr Dr. Michael Schacht, stellvertretender Chefarzt der Chirurgie, etwas über die Geschichte seines Patienten. Der Mann musste während seines Arbeitslebens in einem Lager hart arbeiten und regelmäßig schwere Lasten tragen. Dies habe zu massivem Gelenkverschleiß geführt. Nachdem der Mann sich bei einem Arbeitsunfall beide Beine brach, wurde er zum Pflegefall. „Schulga bewegte sich nur noch zwischen Bett und Couch, er konnte die Wohnung nicht mehr verlassen“, berichtet Schacht.

Das gesamte Team der Chirurgie entschloss sich, dem Ukrainer zu helfen, was aufgrund der Sprachbarriere und seiner Gehörlosigkeit nicht einfach ist. „Wir haben ihm vor zwei Wochen in einer sechsstündigen Operation beide Hüftgelenke ersetzt“, berichtet Michael Schacht. Kurz danach begann der Leiter der Physiotherapie, Martin Vössing, mit der Therapie. „Am Anfang hatte er schlimme Schmerzen, und es ging nur langsam“, berichtet er. Doch der Mann sei ein Kämpfer und hoch motiviert. Jeden Tag klappe es besser und inzwischen könne er mit Hilfestellung über den Krankenhausflur laufen. Aus Sicht der Ärzte und des Physiotherapeuten hat Volodimir Schulga gute Chancen, wieder richtig laufen zu lernen und annähernd selbstständig leben zu können.

In den Smartphone-Übersetzer tippt Schulga ein, wie dankbar er dem Krankenhaus für seine neue Lebensperspektive ist. Er wisse, dass vor ihm noch ein langer Weg liege. Zunächst einmal steht für den Ukrainer eine Reha an, wo er unter anderem die zurückgebildeten Muskeln in seinem Bein wieder aufbauen muss.

Schulga hofft, später in die Nähe seiner Tochter ziehen zu können, die ebenfalls die Ukraine verlassen hat und nach Deutschland geflohen ist. Sein Traum ist die Rückkehr in sein Heimatland, irgendwann, wenn der Krieg vorbei ist. Da möchte er dann nicht im Rollstuhl ankommen, sondern zu Fuß. (Bea Ricken)

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