Gemeinsam statt einsam

Ehepaar kauft altes Pfarramt und will Senioren-WG einrichten

Prägen das Stadtbild: das alte Pfarramt (links) und das ehemalige Rentamt in Wolfhagen von der Landgrafenstraße aus.
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Prägen das Stadtbild: das alte Pfarramt (links) und das ehemalige Rentamt in Wolfhagen von der Landgrafenstraße aus.

Als Jana und Kay Schröder das erste Mal die Räume im alten Pfarramt und dem einstigen Rentamt in Wolfhagen sahen, dachten sie sofort an eine Wohngemeinschaft. Weil Wolfhagen aber keine Uni-Stadt ist, in ihr jedoch der Anteil der älteren Menschen größer wird, war ihr Plan klar: „Wir machen eine Alten-WG.

Wolfhagen - Im Bieterverfahren haben sie vor wenigen Wochen die beiden miteinander verbundenen Gebäude vom Kirchenkreisamt Hofgeismar/Wolfhagen erworben. Neben dem Preis habe bei den Verkaufsverhandlungen auch das Nutzungskonzept eine Rolle gespielt, sagt Jana Schröder, die ebenso wie ihr Mann aus Erfurt stammt und sich vor einigen Jahren in Wolfhagen niederließ. Generell sei der Bedarf an Wohnungen groß.

Für Menschen ab einem bestimmten Alter, wenn die Kinder flügge sind und das Eigenheim zu groß geworden ist, zeichne sich die Entwicklung noch einmal anders ab. Ältere Menschen möchten ihren Wohnraum oft verkleinern, sie wollen für sich bleiben, aber dennoch auf Gemeinschaft nicht verzichten.

Für Kay und Jana Schröder ist die Lösung eine Senioren-WG. Ihres Wissens ist es die Erste in Wolfhagen. Und so wollen sie im alten Pfarramt an der Burgstraße und damit in zentraler Lage bis zu fünf Wohnungen mit Größen zwischen 30 und 60 Quadratmetern schaffen. Für ältere Menschen sei der Standort ideal, vieles sei zu Fuß erreichbar. „Ich finde es schade, wenn man im Alter nach und nach an den Stadtrand gedrängt wird“, sagt Jana Schröder und betont, dass Gemeinschaft in jedem Lebensalter wichtig sei.

Jede der fünf Wohnungen wird eine Küche und ein eigenes Bad haben und eine für sich autarke Einheit bilden. Dazu wird es einen Gemeinschaftsraum geben, in dem die Mieter zusammen essen, spielen und fernsehen können. Vom Gemeinschaftsraum aus geht es hinaus auf eine Terrasse und in einen kleinen Garten. Zwei der Wohnungen im Erdgeschoss werden barrierefrei sein. Bei Bedarf kann für die Wohnungen in der ersten Etage ein Treppenlift installiert werden.

Noch im April sollen die Arbeiten beginnen. Die Räume im ehemaligen Pfarrhaus werden entsprechend ihrer künftigen Nutzung zugeschnitten. Dazu wird auch der Eingang umgestaltet: Aus derzeit zwei Treppenaufgängen machen die Bauherren einen. Auch behalten sie sich die Option vor, zu einem späteren Zeitpunkt den großzügigen Dachboden auszubauen, um weitere Wohnungen zu schaffen. Die dafür erforderlichen Versorgungsleitungen und Anschlüsse sollen schon jetzt verlegt werden.

Pläne haben die Investoren auch für das ehemalige Rentamt, das Schätzungen zufolge im Jahr 1890 errichtet worden ist. In der ersten Etage wollen sie auf einer Fläche von 100 Quadratmetern Platz schaffen für Büros oder eine Praxis. Derzeit hat der Landkreis Kassel die Räume gemietet, allerdings laufen die Verträge demnächst aus.

Eine Idee haben die neuen Hausbesitzer auch für das Erdgeschoss. Sie haben der Kinder- und Jugendhilfe Calden das Angebot unterbreitet, mit der Krabbelgruppe von der Zehntscheune ins Rentamt zu ziehen. Weil die Zehntscheune demnächst saniert und zu Büros umgebaut wird, muss die Kita spätestens bis Jahresende ihre Räume verlassen haben. „Da warten wir aber noch auf Antwort“, sagt Jana Schröder, die sich auch vorstellen kann, der Krabbelgruppe nicht nur für den Zeitraum eines Übergangs, sondern dauerhaft eine neue Heimat zu geben. „Jung und alt – das passt doch gut zusammen.“ Tatsächlich könnten Mieter und Kinder der Kita über den Garten Kontakt zueinander pflegen.

Den Schröders liegt der Erhalt der alten Bausubstanz am Herzen. Das Pfarramt aus dem Jahr 1792 ist noch 100 Jahre älter als das ehemalige Rentamt. Beide Gebäude seien gut in Schuss, Sanierungsstau und Investitionsbedarf damit überschaubar. Die Bauherren sind davon überzeugt, dass ihr Vorhaben, Wohnungen anzubieten, die speziell auf die Bedürfnisse älterer, fitter Menschen ohne Pflegebedarf zugeschnitten ist, auf Zuspruch stoßen wird. „In unserem Freundeskreis haben wir über das Thema mehrfach gesprochen. Allen war der Aspekt der Gemeinschaft wichtig, und wir haben festgestellt, dass es da eine Lücke gibt“, sagt die 51-Jährige. Mitte kommenden Jahres wollen die Investoren den Umbau beendet haben.

(Antje Thon)

Kay und Jana Schröder haben das alte Pfarramt an der Burgstraße in Wolfhagen gekauft: Sie wollen dort eine Senioren-WG einrichten.

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