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Gespenstiges Phänomen am Wegesrand im Wolfhager Land

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Von: Bea Ricken

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Wie mit Spinnennetzen eingehüllt wirken derzeit Feldgehölze, die von der Gespinstmotte befallen sind. Die schlüpfenden Raupen fressen die Büsche kahl.
Wie mit Spinnennetzen eingehüllt wirken derzeit Feldgehölze, die von der Gespinstmotte befallen sind. Die schlüpfenden Raupen fressen die Büsche kahl. © Bea Ricken

Gespenstig sieht es aus: Kahle Zweige der Weißdornhecken rechts und links der Feldwege, scheinbar eingesponnen in Spinnweben.

Und auch viele Obstbäume tragen aktuell an vielen Stellen im Wolfhager Land den silbrigen Schleier. Hinter dem Phänomen stecken echte Verpackungskünstler, die Gespinstmotten. Wer genau hinschaut, sieht ihre ausgeschlüpften Kinder, kleine gelbliche Raupen mit schwarzen Punkten, in den Netzen krabbeln.

„Im Gegensatz zu den Gespinsten des Eichenprozessionsspinners, dessen Härchen heftige allergische Reaktionen auslösen, sind die Gespinste der Gespinst- oder Knochenmotte mit ungefährlichen Raupen besetzt“, erklärt Biologe Volker Schäfer aus Burghasungen. Die Gespinstmotten würden auf diese Weise ihren Nachwuchs vor möglichen Beutegreifern wie Vögeln und Regenschauern schützen.

Die jungen Raupen haben großen Hunger. Sie sitzen massenweise in den schützenden Gespinsten und fressen die befallenen Bäume und Büsche teils komplett kahl. Aus den Gerippen der Büsche bauen die Raupen eine Behausung, in der sie sich schließlich verpuppen. Beobachten könne man dieses Naturschauspiel seit einigen Jahren regelmäßig, erklärt Karl-Heinz Jelinek, Schmetterlingsexperte beim Naturschutzbund (Nabu). Laut Pflanzenschutzdienst Bonn fördere insbesondere der Klimawandel dieses alljährliche massenhafte Auftreten der Gespinstmotten. Erfahrungsgemäß könne diese Entwicklung bei ungestörtem Verlauf bis zu zehn Jahre andauern. Die Gehölze würden die gefräßigen Gäste in der Regel verkraften können.

Davon, die Tiere mit Gift zu vernichten, rät Karl-Heinz Jelinek ab. „Das ist meistens ebenso sinnlos wie gefährlich für die Umwelt, da von Insektengiften auch die natürlichen Feinde der Gespinstmotten betroffen sind.“

Sei das Gespinst erst einmal ausgebildet, wären die Raupen kaum noch zu bekämpfen. „Bei befallenen Obstbäumen sollte man daher rechtzeitig mit dem Absammeln der Tiere beginnen“, empfiehlt der Nabu-Experte.

Wer die Ausbreitung der Gespinstmotten eindämmen möchte, sollte einen naturnahen Garten schaffen, in dem sich Gartenvögel zu Hause fühlen. Sie sind die natürlichen Feinde der gefräßigen Motten. (Bea Ricken)

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