Häufung von Giardien-Fällen

Tierärzte schlagen Alarm: Hunde-Parasit auch Gefahr für Menschen

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Hatten sich mit Giardien infiziert: Tajo (links) und der ältere Leo. Die Wolfhager Hundebesitzerin Doreen Kronier ist froh, dass sie die Parasiten jetzt im Griff hat.

Wolfhager Land. Tierärzte schlagen Alarm: Vor allem im westlichen Teil des Landkreises und der Stadt Kassel gibt es eine Häufung von Giardien-Fällen bei Hunden.

Diese einzelligen Darmparasiten, nicht zu verwechseln mit Würmern, sind hochansteckend und können auch auf den Menschen übertragen werden.

„Gefährdet sind vor allem Kleinkinder von ein bis vier Jahren und die Altersgruppe der 20- bis 49-Jährigen“, erklärt Tierärztin Dr. Kerstin Augsburg aus Wolfhagen besorgt. Ihr Wartezimmer ist derzeit voll mit Hundebesitzern, die wegen einer Durchfallerkrankung in die Praxis kommen und bei deren Hunden sich nach einer Kotuntersuchung der Giardienverdacht bestätigt. Auch Kollegin Dr. Claudia Schlich aus Naumburg behandelt derzeit sehr viele Hunde mit Durchfallerkrankungen. Dasselbe Bild bei Gabriele Runte, die eine Kleintierpraxis in Kassel-Niederzwehren betreibt. Auch bei ihr gebe es vermehrt Giardien-Fälle. Die Tierärzte sprechen von einer höheren Dunkelziffer von nicht untersuchten Hunden und auch Katzen.

Dem Robert-Koch-Institut werden jährlich rund 4000 Fälle von Giardienerkrankungen beim Menschen übermittelt. Die Giardiasis ist in Deutschland meldepflichtig. Nach Auskunft des Veterinäramtes und des Gesundheitsamtes des Landkreises Kassel treten die häufigsten Infektionen beim Menschen in Zusammenhang mit Reisen in tropische Länder auf. „In unserer Region liegen keine Daten über Erkrankungen von Menschen durch Übertragung vor“, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn.

Ausgeschieden würden die Giardienzysten über den Kot und könnten über Schmierinfektionen übertragen werden. Hundebesitzer sollten unabhängig von einer Erkrankung ihrer Tiere den direkten Kontakt mit Hundekot vermeiden, raten die Fachstellen.

„Tajo hat stark abgenommen“

Die beiden Leonberger der Wolfhagerin Doreen Kronier mussten wegen Giardien-Befall behandelt werden

Stutzig wurde die Mitarbeiterin der Hundeschule Hach, Doreen Kronier, als sich immer mehr Hundebesitzer wegen eines Giardien-Befalls ihrer Vierbeiner vorübergehend abmeldeten. „Meine eigenen Hunde litten in letzter Zeit immer wieder unter Durchfällen“, sagt Kronier. Die Tierheilpraktikerin und Hundetrainerin schickte daraufhin den Kot ihrer Hunde ein. Das Ergebnis: Sowohl der ältere Leo als auch der Junghund Tajo waren positiv.

„Damit hatte ich auch die Erklärung, warum Tajo in den vergangenen Wochen so stark abgenommen hat“, erklärt die Wolfhagerin. Eine langwierige Behandlung mit Medikamenten folgte. Außerdem habe man im Haus penibel auf Hygiene geachtet. „Wir haben sogar mit einem Dampfstrahler mehrfach das Haus desinfiziert.“ Auch draußen achtet Kronier besonders darauf, dass ihre Leonberger nicht am Kot anderer Hunde schnüffeln. Darmsanierung nötig Inzwischen sind Tajo und Leo über den Berg. Sie erhalten von ihrer Besitzerin eine Darmsanierung, um die Darmflora wieder aufzubauen. Doreen Kronier hofft nun, dass die Hunde dauerhaft die lästigen Parasiten los sind.

Hintergrund

Hygiene ist das A und O bei Giardien-Infektion: Fressnäpfe mit heißem Wasser reinigen

Hygiene sei das A und O bei der Giardien-Infektion, erklärt die Wolfhager Tierärztin Dr. Kerstin Augsburg. Sie nennt folgende Regeln, die auch gegen eine Selbstinfektion des Hundebesitzers schützen sollen:

• Ist ein Tier befallen, müssen alle Hunde und Katzen im Haushalt behandelt werden

• Kot täglich einsammeln und unschädlich beseitigen

• Fress- und Wassernapf täglich mit kochend heißem Wasser reinigen

• Den Tieren immer wieder frisches Trinkwasser anbieten

• Hundeplätze regelmäßig reinigen beziehungsweise Hundedecken so heiß wie möglich waschen

• Nach Berührung des Tieres gründlich die Hände waschen

• Analregion der betroffenen Tiere täglich abwaschen. Diese Handhabung sei wichtig, weil die besonders hartnäckigen Parasiten sehr umweltresistent seien und damit über mehrere Monate überleben könnten, warnt die Tierärztin. (ewa)

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