Fragen und Antworten zu Kosten bei den verschiedenen Szenarien für den Standort 

GNH will 3,2 Millionen Euro für die Wolfhager Klinik

Wie es hier weitergeht, soll sich in den kommenden Wochen entscheiden: Landrat Uwe Schmidt will in der Kreistagssitzung Anfang April über seine Pläne für die Wolfhager Klinik abstimmen lassen. Foto: Monika Wüllner

Anfang April will Landrat Uwe Schmidt seine Pläne für die Zukunft des Wolfhager Krankenhauses vorstellen. Thema war die Klinik aber auch schon jetzt in der Kreistagssitzung.

Die Linken-Fraktion hatte für diese einen Berichtsantrag eingereicht, der sich mit den Kosten verschiedener Szenarien beschäftigt. Beantwortet wurden die Fragen teils auf Basis von Informationen, die die (GNH zur Verfügung gestellt hat. Fragen und Antworten dazu:

Wie hoch wären die Kosten im Falle einer Schließung der Klinik Wolfhagen für den Landkreis, für die Stadt und für die GNH?

Grundsätzlich entstehen laut Landrat Uwe Schmidt weder für den Landkreis noch für die Stadt Kassel Folgekosten. Was die notwendigen Investitionen im kreiseigenen Gebäude der Klinik angehe, richteten sich diese nach dessen künftiger Nutzung. Daneben könnten Bewachungskosten anfallen. Für die GNH könnten durch die Schließung Kosten entstehen, wenn für die Beschäftigten der Kreisklinik keine freien Arbeitsplätze im GNH-Konzern vermittelt werden könnten.

Wie hoch wären der Kaufpreis und die Defizite pro Jahr, wenn der Landkreis das Wolfhager Krankenhaus übernimmt?

Laut Landrat Schmidt hat Oberbürgermeister Christian Geselle in einem Gespräch mitgeteilt, dass die GNH bei einer Übernahme mit einem Kaufpreis von 3,2 Millionen Euro in die Verhandlungen gehen würde. Das Angebot von einem Euro, das Geselle im HNA-Gespräch gemacht hatte, scheint also nicht mehr aktuell zu sein.

Die 3,2 Millionen Euro sind ein Drittel des Kaufpreises, den die GNH für die Kreiskliniken Kassel im Jahr 2005 bezahlt hatte. Die Defizite der Kreisklinik Wolfhagen kalkuliere die GNH mit 14,3 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, im Mittelwert also 2,86 Millionen Euro pro Jahr. Zusätzlich würden Kosten für brandschutztechnische Sanierungen bei einem stationären Weiterbetrieb der Klinik anfallen. Ob bei Baumaßnahmen weitere Kosten anfallen, lasse sich aktuell nicht sagen, so Schmidt.

Und wie hoch wären der Kaufpreis und die Defizite pro Jahr, wenn der Kreis die Klinik in Hofgeismar übernimmt?

Für den Standort Hofgeismar werde seitens der GNH ebenfalls ein Kaufpreis von 3,2 Millionen Euro aufgerufen, so Schmidt. Für Betriebskosten und notwendige Instandhaltungsarbeiten kalkuliert die GNH für die nächsten fünf Jahre mit einer Summe von 18,2 Millionen Euro. Die Kosten des Neubaus sind darin nicht enthalten. Bei einem Neubau der Klinik würden sich die betrieblichen Defizite und die Kosten für Instandhaltungsarbeiten erheblich verringern.

Eine Prognose der Verluste an beiden Standorten hänge stark von einem tragfähigen medizinischen Konzept ab.

Sollte es in Wolfhagen keinen Notfallstandort mehr geben, wie hoch wären die Folgekosten – einschließlich Personalkosten – für die GNH in Kassel und Hofgeismar?

Träger des Rettungsdienstes für Stadt und Landkreis Kassel ist die Stadt Kassel. Sie legt in Abstimmung mit dem Kreis die Vorhaltungen fest. Für die Notarztkosten gibt es eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen. Folge- und Zusatzkosten für den Notarzt seien daher laut Landrat nicht zu erwarten. Bei der stationären Notfallversorgung rechnet die GNH ebenfalls nicht mit Folgekosten für die Standorte in Kassel und Hofgeismar.

Welche direkten Kosten werden der Klinik Wolfhagen derzeit im GNH-Verbund berechnet?

Diese Frage kam von der AfD-Fraktion. Die Leistungen der GNH für Dienstleistungen würden laut GNH pro Fachabteilung separat ermittelt und per Umlage berechnet, so Schmidt. Personalnahe Abteilungen würden pro Kopf, der Einkauf pro Bestellung, die IT pro Anwendung, finanznahe Bereiche nach Umsatz und jeweils ohne Aufschlag berechnet.

Insgesamt seien dem Standort Wolfhagen für Dienstleistungen im Jahr 2019 645 000 Euro berechnet worden. Hinzu kämen Personalkosten für GNH-Beschäftigte im Bereich Bau und Technik, die in Wolfhagen eingesetzt wurden, in Höhe von 398 000 Euro.

Hintergrund: Anzahl von Notfalleinsätzen

Mit Notfall- und Rettungseinsätzen beschäftigte sich ein weiterer Berichtantrag der CDU-Fraktion. Informationen von Landrat Uwe Schmidt dazu: 

  • Zwischen 1035 und 1200 Notarzteinsätze gab es in den Jahren 2015 bis 2019 in Wolfhagen. Eine Klinikschließung hätte allerdings keine Auswirkungen auf den Notarztstandort Wolfhagen, da dieser nicht zwingend an das Krankenhaus gebunden ist. Ein anderer Standort innerhalb der Kernstadt wäre möglich. 
  • Für den Rettungsdienst würden nach einer möglichen Schließung die Transportwege länger werden. Damit seien die RTWs länger gebunden, was laut Schmidt eine Anpassung der Rettungsmittelvorhaltung notwendig mache. Allerdings lasse sich der Umfang nicht absehen, da in den meisten Fällen der Patient entscheidet, in welche Klinik er wolle. Als Alternativen für die Grund- und Regelversorgung stünden die Kliniken in Bad Arolsen, Fritzlar, Kassel und Warburg zur Verfügung. Mögliche zusätzliche Kosten seien in dem Zusammenhang abhängig von der Art und Anzahl benötigter Fahrzeuge.

Wegen Brandschutzmängel wurde die stationäre Behandlung im Krankenhaus Wolfhagen am Freitag (21.02.2020) ausgesetzt - die Patienten werden verlegt. Die ambulante Behandlung soll aber weitergehen.

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