Spaziergänger will Täter gesehen haben

Grabschändungen: Jugendliche im Verdacht - Polizei bestätigt noch nicht

Randaliert: Bislang unbekannte Täter zerstörten in den letzten Monaten Objekte auf Friedhöfen, hier Oelshausen. Archivfoto: Heinz

Wolfhager Land. Zerstörte Grabsteine, beschmierte Friedhofshalle. Auf drei Friedhöfen wurde randaliert. Ein Spaziergänger will Jugendliche gesehen haben, die Polizei verneint.

„Als ich von den Grabschändungen hörte, war ich geschockt“, erinnert sich Torsten Fiege, Kreisjugendreferent vom Amt für Evangelische Jugendarbeit Kirchenkreis Wolfhagen. Als Mensch sei er betroffen gewesen, aus Pädagogensicht habe er versucht, die Jugendlichen - falls sie es tatsächlich gewesen sein sollten - zu verstehen.

„Eine Möglichkeit könnte sein, dass Jugendliche vor allem während der Pubertät positive Anerkennung suchen. Wenn sie diese nicht bekommen, wollen sie anders auffallen.“ Und dieses Auffallen sei viel schwieriger als früher: „Damals war man von meinen langen Haaren geschockt, heute dürfen Jugendliche viel mehr ohne einen Tabubruch.“

Deshalb hätten die Täter wahrscheinlich auch den Friedhof gewählt. Nicht wegen des Ortes an sich, sondern weil „Schäden der Allgemeinheit dort eher auffallen.“

Frank Mahlich von der Stadtjugendarbeit Wolfhagen habe nach der Randale am Bründersener Friedhof mit den jungen Erwachsenen im Jugendraum vor Ort gesprochen. „Die Jugendlichen waren bestürzt, hatten von der Grabschändung nur von ihren Eltern gehört.“ Außerdem seien weder sie noch ihnen bekannte Personen die Täter.

Nach diesem Gespräch habe Mahlich die Diskussion über die Taten auf den Friedhöfen aber auch beendet: „Wenn man eigentlich nichts mit der Randale zu tun hat, beschäftigt einen das Thema auch nicht weiter.“

Trotzdem möchte Mahlich die Schändungen nicht verharmlosen: „Das ist nicht einfach nur wie Laternen auf dem Heimweg austreten.“

Genau wie Torsten Fiege kennt er durch seinen Beruf einige der Jugendlichen aus dem Wolfhager Land. „Man kann über die Täter nur spekulieren, aber nicht per se Jugendliche verdächtigen.“ So möchte keiner von beiden die Teenager als Sündenbock für die noch nicht aufgeklärten Straftaten machen.

Die Polizei Wolfhagen habe nur im Oelshausener Fall Verdächtige ermittelt, möchte diese aber noch nicht verfrüht nennen.

Bei den Anzeigen wegen Störung der Totenruhe am Friedhof in Wolfhagen und Bründersen, die in den letzten Monaten aufgegeben wurden, gebe es keine neuen Erkenntnisse zu den Tätern, heißt es weiter. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.

Von Johanna Daher 

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