Zeitumstellung birgt größeres Unfall-Risiko

Mehr Wildunfälle jetzt in der Winterzeit – Gesamt-Unfallzahlen im Landkreis seit Corona aber gesunken

Ein totes Reh liegt neben einer Straße, auf der zwei Autos fahren.
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Zu spät: Wer einen Wildunfall nicht verhindern konnte, sollte zuerst die Unfallstelle absichern und dann die Polizei informieren. (Symbolbild)

295 000 Wildunfälle gab es laut Automobil-Club Verkehr (ACV) im Jahr 2019 auf deutschen Straßen – 27 000 mehr als noch in 2018. Im Schnitt macht das ungefähr 800 pro Tag.

Wolfhager Land – Im Altkreis Wolfhagen bewege sich die Zahl Stand Ende August auf dem Niveau der Vorjahre, wie Ulrike Schaake vom Polizeipräsidium Nordhessen für Stadt und Landkreis Kassel sagt. Im Jahr 2019 seien insgesamt 307 erfasst worden, 2018 gab es 312. Für Autofahrer tödlich verlaufen sei in den Vorjahren im Landkreis Kassel kein Wildunfall, in diesem Jahr gab es im März einen Toten.

Tendenziell rückläufig sei dafür die Gesamtzahl an Unfällen in Stadt und Landkreis Kassel, die solche mit und ohne Wild-Beteiligung umfasst. Das hänge laut Schaake mit der Corona-Pandemie zusammen. „Insbesondere während des Lockdowns konnten wir einen deutlichen Rückgang des Verkehrs auf den Straßen feststellen“, sagt sie.

Ab dem kommenden Wochenende wird die Wildunfall-Gefahr jedoch vermutlich wieder merklich steigen. Dann werden die Uhren auf Winterzeit gestellt und es wird eine Stunde früher hell und dunkel. Die Hauptverkehrszeiten fallen dann also mit den Dämmerungszeiten zusammen, in denen Wildtiere besonders aktiv, weil auf Nahrungssuche, sind.

„Schon jetzt treten Wildunfälle wieder vermehrt auf“, sagt Karsten Turski, Sprecher der Polizeistation Wolfhagen. Hauptsächlich beteiligt daran seien Waschbären, Rehe und Wildschweine.

Viele Wildunfälle vor allem an bestimmten Stellen im Wolfhager Land

Ulrike Schaake nennt vor allem Waldgebiete und Straßen bei Feldern als besonders anfällig für Wildunfälle. Laut Karsten Turski treten sie im Altkreis Wolfhagen daher besonders häufig vor allem auf der Landesstraße 3220 zwischen Breitenbach und Sand, bei Waldgebieten bei Naumburg und Merxhausen, Feldern zwischen Breitenbach und Habichtswald und auf der Bundesstraße 450 zwischen Wolfhagen und Istha auf.

Um aufzuzeigen, wie Wildunfälle am effektivsten verhindert werden können und was bei einem Zusammenstoß zu beachten ist, präsentiert der Landesjagdverband Hessen nun ein kurzes Informationsvideo auf seiner Webseite. Grundsätzlich gilt laut Pressesprecher Markus Stifter, an heiklen Stellen und bei wechselhaftem Wetter das Tempo von 100 Kilometern pro Stunde auf 80 zu reduzieren. So werde der Bremsweg bereits um 25 Meter verkürzt. Besonders gefährlich seien neue Straßen durch Waldgebiete, denn die Tiere behalten laut Stifter ihre gewohnten Laufwege bei und kreuzen daher auch neue Straßen.

Neben der Morgen- und Abenddämmerung drohe das größte Risiko bei Nacht und Nebel, wie Stifter sagt. Wenn ein Tier am Straßenrand steht, sollten Fahrer kontrolliert bremsen, abblenden und hupen. Mit weiteren Tieren sei stets zu rechnen.

Falls eine Kollision unvermeidbar ist, sollten Autofahrer laut des Pressesprechers nicht ausweichen, denn dadurch erhöhe sich das Risiko von Frontalunfällen mit dem Gegenverkehr. Die Unfallstelle sei unverzüglich abzusichern und die Polizei über den Unfall zu informieren – selbst, wenn das Tier geflüchtet ist. Tiere sollten niemals angefasst, sondern Abstand zu ihnen gehalten werden.

Infovideo als Hilfe

Neben alltäglichen Hinweisen für Wldunfälle werden in dem dreiminütigen Ratgebervideo des Landesjagdverbands Hessen auch solche gegeben, die im Alltag seltener zu hören sind – zum Beispiel, dass die Fluchtstelle eines Tieres am besten von der Straße aus sichtbar markiert werden sollte, entweder mit einem Taschentuch an einem Baum oder einem Einweghandschuh auf einem Leitpfosten. Angesehen und kostenlos heruntergeladen werden kann das Video unter ljv-hessen.de/wildunfall-film. (Jan Trieselmann)

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