Auch aus dem Ausland

Gülletourismus nimmt zu: Immer mehr Mastbetriebe bringen Fäkalien nach Nordhessen

Die Gülle aus viehstarken Regionen wird zunehmend nach Nordhessen gebracht.
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Die Gülle aus viehstarken Regionen wird zunehmend nach Nordhessen gebracht.

Wolfhagen – Immer mehr große Tiermastbetriebe aus Niedersachen, Nordrhein-Westfalen und sogar aus den Niederlanden bringen ihre Gülle auf Nordhessens Felder, weil sie selbst nicht mehr wissen, wohin damit.

Dies bestätigt das Regierungspräsidium Kassel (RP) als Kontrollbehörde für die Düngerverbringungsverordnung. „Die Gülletransporte nach Hessen und aufgrund der räumlichen Nähe besonders nach Nordhessen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, so RP-Sprecherin Carolin Hohmeister.

Für das Jahr 2018 wurden zum Beispiel Importmengen errechnet, die landesweit etwa 2,5 Prozent des in Hessen anfallenden Gülleaufkommens entsprechen. Rund 80 Prozent der Importe gehen nach Nordhessen. Deshalb liegt die Importquote hier höher als im Landesdurchschnitt. „Exakte Zahlen pro Landkreis lassen sich nicht errechnen, da das jeweilige lokale Gülleaufkommen nicht exakt bestimmbar ist“, sagt Hohmeister.

In der Kritik ist die Gülle deshalb, weil sie Nitrat enthält, das ins Trinkwasser gelangen kann und als gesundheitsschädlich gilt. Deutschland steht unter dem Druck der EU, weil zu viel Nitrat im Grundwasser gefunden wurde. Daher trat in diesem Jahr die neue Düngemittelverordnung in Kraft.

Die Betriebe aus den Nachbarbundesländern und den Niederlanden wissen nicht wohin mit den riesigen Mengen Gülle, weil dort weniger Fläche zur Verfügung steht und eine übermäßige Aufbringung strafbar ist. In Nordhessen werden diese Importe mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Wir haben hier viele viehlose Betriebe, denen die Gülle in Maßen als Dünger auf ihren Feldern gelegen kommt“, so Reinhard Schulte-Ebbert vom Kreisbauernverband. Die Gülle erhöhe den Humusgehalt im Boden und sei eine gute und günstige Alternative zum Kunstdünger.

Andererseits ist vielen Landwirten in der Region, der Gülletourismus ein Dorn im Auge. Leiden sie doch selbst unter den Regeln und dürfen in sogenannten Roten Gebieten nur unter strengen Vorgaben ihre Gülle ausbringen. (Bea Ricken)

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