Aufbruch am Arbeitsmarkt

Gute Entwicklung trotz Pandemie: Arbeitslosenquote im Kreis Kassel jetzt bei 3,9 Prozent

Auf dem Bau brummt das Geschäft: Fachkräfte finden sofort Arbeit. Mitarbeiter von Elektrotechnik Richard aus Bad Zwesten arbeiten in einem Mehrfamilienwohnhaus in Ehlen. Markus Hanneman, Marcel Zöller und Marvin Reimannn (von links).
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Auf dem Bau brummt das Geschäft: Fachkräfte finden sofort Arbeit. Mitarbeiter von Elektrotechnik Richard aus Bad Zwesten arbeiten in einem Mehrfamilienwohnhaus in Ehlen. Markus Hanneman, Marcel Zöller und Marvin Reimannn (von links).

Eine Aufbruchstimmung am Arbeitsmarkt trotz der Corona-Pandemie erkennt Agenturchef Detlef Hesse. Im Kreis Kassel beträgt die Arbeitslosenquote aktuell 3,9 Prozent.

Wolfhager Land – Im Vormonat waren 4,2 Prozent ohne Job. Im Wolfhager Land liegt die Quote sogar nur bei 3,7 Prozent. Arbeitslos sind dort demnach 799 Menschen.

Schwierig bleibe hingegen die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Rückläufig sei sowohl die Zahl der Bewerber als auch die der Ausbildungsstellen. Dahinter stünden auch coronabedingte Einschränkungen, so fehle es an Angeboten für Schülerpraktika, Ausbildungsmessen fänden bestenfalls virtuell statt und an den Schulen gebe es keine durchgängige Berufsberatung. Bewerbungsprozesse liefen oftmals digital ab. Generell sei ein Zögern seitens der Ausbildungsbetriebe und Unsicherheit bei Schulabgängern festzustellen. Hesse appelliert: „Jetzt einen freien Ausbildungsplatz anbieten oder sich als Bewerber bei der Agentur zu melden, hilft nicht nur einer ganzen Generation, sondern auch gegen den Fachkräftemangel von morgen.“

Rückläufig seien neben den Arbeitslosenzahlen auch Anzeigen auf Kurzarbeitergeld im Mai. „Wir registrierten im Mai 82 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für 1318 Beschäftigte“, berichtet Detlef Hesse und betont: „Damit ist die Nachfrage nach dieser Unterstützung weiter rückläufig.“

Detlef Hesse: Agenturchef

„Die sehr guten Mai-Werte lassen sich nicht allein mit der saisonüblichen Frühjahrsbelebung erklären“, ist sich Hesse sicher. „Vielmehr scheint sich eine Aufbruchsstimmung zum mutmaßlichen, vorläufigen Pandemieende auszubreiten und in den Zahlen widerzuspiegeln.“

Denn die Statistik melde äußerst positive Entwicklungen auf mehreren Ebenen. So gebe es einen Rückgang der Arbeitslosigkeit in ausnahmslos allen Personengruppen sowohl im Monats- wie Jahresvergleich – Letzteres erstmals seit Krisenbeginn mit einem aktuell erfreulichen Minus. „Auch scheint der Trend zur Langzeitarbeitslosigkeit zu brechen“, so Hesse, denn „gegenüber April sind die Zahlen rückläufig und gegenüber Mai 2020 nicht mehr ganz so exorbitant hoch“.

Mehr Männer betroffen

Im Wolfhager Land liegt die Arbeitslosenquote bei 3,7 Prozent. Das sind 799 Menschen, davon 456 Männer und 343 Frauen. 89 Menschen sind zwischen 15 und 25 Jahre. 259 Menschen sind 50 Jahre und älter (32,4 Prozent). 182 der Arbeitslosen sind 55 Jahre und älter (22,8 Prozent). 311 sind langzeitarbeitslos gemeldet (38,9 Prozent), 73 arbeitslos gemeldete Menschen haben eine schwere Behinderung (9,1 Prozent) und 169 sind Ausländer (21,2 Prozent). 

Positive Zahlen und Sorge um Ausbildung

Trotz der Corona-Pandemie ist am Arbeitsmarkt ein Aufwärtstrend zu spüren. Die Arbeitslosigkeit im Wolfhager Land hat sich von April auf Mai um 66 auf 799 Personen verringert. Das waren 153 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im Mai 3,7 Prozent; vor einem Jahr lag sie noch bei 4,4 Prozent. Dabei meldeten sich 122 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, 26 weniger als vor einem Jahr und gleichzeitig beendeten 187 Personen ihre Arbeitslosigkeit (+59).

Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 817 Arbeitslosmeldungen, das ist ein Minus von 221 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; dem gegenüber stehen 915 Abmeldungen von Arbeitslosen (+65). Der Bestand an Arbeitsstellen ist im Mai um 14 Stellen auf 227 gestiegen; im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 103 Arbeitsstellen mehr. Arbeitgeber meldeten im Mai 60 neue Arbeitsstellen, 23 mehr als vor einem Jahr. Seit Januar gingen 319 Arbeitsstellen ein, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 72.

Arbeitsmarkt im April.

Agenturchef Detlef Hesse machte in seiner Pressemitteilung aber auch deutlich, dass es trotz der erfreulichen Quote am Arbeitsmarkt und der geringer werdenden Zahl Langzeitarbeitsloser am Ausbildungsmarkt weniger gut aussehe. Bedingt durch die Pandemie seien auch viel weniger Praktikumsplätze vermittelt worden. Hesse appellierte deshalb eindringlich an Arbeitgeber und gleichzeitig auch an eventuell verunsicherte Schüler, sich dem Thema jetzt wieder verstärkt anzunehmen. Nur durch die Ausbildung könnte dem Fachkräftemangel vorgebeugt werden.

Im gesamten Landkreis Kassel sind 5042 Personen arbeitslos gemeldet, 271 weniger als im April (- 5,1 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr gab es einen Rückgang von 773 Jobsuchenden (-13,3 Prozent). Die Arbeitslosenquote beträgt 3,9 Prozent (Vormonat: 4,2 Prozent; Vorjahr: 4,6 Prozent). Der Bestand offener Stellen liegt mit 1120 Angeboten über dem Wert des Vormonats (+ 38 Stellen oder + 3,5 Prozent) und dem des Vorjahres (+ 399 Stellen oder + 55,3 Prozent). Insgesamt 2859 Menschen sind im Werra-Meißner-Kreis arbeitslos gemeldet. Das sind 102 Personen weniger als im April. (Monika Wüllner)

Arbeitsmarkt in Zahlen

Deutschland: Mai 2021: 2,687 Mio. Arbeitslose, minus 84 000 gegenüber April 2021. Quoten: 5,9 % gegenüber 6,0 % im April 2021 und 6,1 % im Mai 2020.

Hessen: Mai 2021: 181 982 Arbeitslose, minus 6126 gegenüber April 2021. Quoten: 5,3 % gegenüber 5,5 % im April 2021 und 5,6 % im Mai 2020.

Niedersachsen: Mai 2021: 249 606 Arbeitslose, minus 7573 gegenüber April 2021. Quoten: 5,7 % gegenüber 5,9 % im April 2021 und 6,0 % im Mai 2020. (gda)

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