Marianne Gauer engagiert sich im Diakonie-Besuchskreis

Gute Seele lindert die Einsamkeit im Wolfhager Land

Ein Akt der gelebten Nächstenliebe ist für Marianne Gauer die ehrenamtliche Arbeit . Sie überbringt den ältesten Dörnbergern Geburtstagsgrüße im Namen der Kirchengemeinde.
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Ein Akt der gelebten Nächstenliebe ist für Marianne Gauer die ehrenamtliche Arbeit . Sie überbringt den ältesten Dörnbergern Geburtstagsgrüße im Namen der Kirchengemeinde.

Sie kümmern sich uneigennützig um ihre Mitmenschen. Selbstloses Engagement eint die Alltagsengel unserer Serie. Heute: Marianne Gauer vom Dörnberger Diakoniekreis, stellvertretend für alle, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren.

Dörnberg – Marianne Gauer lächelt, wenn sie von ihrem Ehrenamt berichtet. Es ist das gleiche Lächeln, mit dem sie regelmäßig vor den Türen der ältesten Dörnberger steht, wenn die ihre Geburtstage feiern. „Ich arbeite im Besuchsdienst des Diakoniekreises“, sagt sie und ist stolz, seit vielen Jahren schon die Glückwünsche der Kirchengemeinde an die Jubilare zu überbringen.

Seit 2008 ist sie dafür im Habichtswalder Ortsteil unterwegs, und das macht sie mit großer Freude – mittlerweile zumindest, denn wie so oft sei auch hier aller Anfang schwer gewesen. „Ich weiß noch genau, wie mir beim ersten Besuch die Knie gezittert haben und mich beinahe aller Mut verlassen hätte, als ich vor der Haustür stand und den Klingelknopf drückte“, erinnert sich die Dörnbergerin. „Ich fragte nach dem Geburtstagskind, wurde freundlich ins Haus gebeten, überbrachte meine Glückwünsche im Namen von Pfarrer und Kirchengemeinde und stellte erfreut fest, dass ich mit meinen guten Wünschen willkommen war.“ Schnell fühlte sie sich im Besuchsdienst angekommen, der Senioren zu ihren Wiegenfesten aufsucht und dabei mit einem persönlichen Gruß versehene Broschüren mit Gebeten, Psalmen, Liedern und Geschichten überbringt.

Die Arbeit brachte ihr schnell Freude, darin konnten auch erste negative Erfahrungen nichts ändern. „Die gehören einfach dazu“, weiß die gute Seele heute und berichtet von Türen, die ihr grundsätzlich verschlossen blieben oder ihr nach einem unfreundlichen Gruß unmittelbar wieder vor der Nase zugeschlagen würden. „Der überwiegende Teil der Besuche findet glücklicherweise in freundlicher und heiterer Atmosphäre statt und jeder ist immer irgendwie anders.“ Musste Gauer das eine Mal erst den Wachhund im Treppenhaus mit ihrer Freundlichkeit bezirzen, bis der ihr später als Freundschaftsbekundung sein Spielzeug in die Handtasche steckt, wurde sie in der nächsten Stube schon von der ganzen Familie mit offenen Armen, frischgebrühtem Kaffee und manchmal sogar einem Gläschen Sekt empfangen.

Zumindest vor Corona sei das so gewesen, nun habe sich auch hier vieles verändert. „Jetzt finden die Gespräche per Telefon statt, und die Geburtstagsgrüße werden mit Briefen und Karten überbracht“, sagt die 77-Jährige und betont: „Es ist gerade jetzt wichtig zu hören, wie es den Mitbewohnern im Ort geht, wie sie unter der Pandemie und Einsamkeit leiden.“

Für sie sei die ehrenamtliche Arbeit Teil ihres christlichen Glaubens, ein Akt der gelebten Nächstenliebe, sagt die zweifache Mutter und dreifache Oma und denkt zurück an die Zeit, als persönliche Besuche im Altenheim noch möglich waren. „Einmal besuchte ich eine Dame, die ihr Bett nicht mehr verlassen konnte, sie freute sich sehr über einen kleinen Holzengel, den ich mitgebracht hatte, einen Handschmeichler.“ Das Leuchten in ihren Augen habe sie bis heute nicht vergessen. „Sie nahm den kleinen Engel in die Hand, drückte ihn fest an sich und legte ihn während der gesamten Besuchszeit nicht mehr aus der Hand, streichelte und drückte ihn an sich“, erinnert sich Gauer an diesen Moment – einer von vielen, die ihr immer wieder die Besonderheit ihres Ehrenamtes aufzeigen und ihr ein vielsagendes Lächeln ins Gesicht zaubern. (Sascha Hoffmann)

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