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Wolfhagen kündigt Fußballvereinen die Verträge

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Von: Antje Thon

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Sportplatz in Ippinghausen: Die Spielstätte nutzen der TSV Ippinghausen und die Vereine, die mit dem TSV die Spielgemeinschaft Weidelsburg bilden.
Sportplatz in Ippinghausen: Die Spielstätte nutzen der TSV Ippinghausen und die Vereine, die mit dem TSV die Spielgemeinschaft Weidelsburg bilden. Nun wurde der Nutzungsvertrag zum Jahresende gekündigt. © Antje Thon

Die Stadt Wolfhagen hat vier Fußballvereinen zum Jahresende die Verträge gekündigt, über die die Nutzung der kommunalen Fußballplätze geregelt ist. Entsprechende Schreiben seien den Vereinen in diesen Tagen zugesandt worden, sagte Bürgermeister Reinhard Schaake.

Wolfhagen - Betroffen seien die SF Altenhasungen, der TSV Bründersen, der TSV Ippinghausen und der TSV Istha. Grund für diesen auf den ersten Blick drastischen Schritt seien Kapazitätsprobleme auf den Übungsstätten. Immer wieder habe es in der Vergangenheit mit den Vereinen Gespräche gegeben, um den vielen Mannschaften des stark wachsenden FSV Wolfhagen auch außerhalb der Kernstadt Trainingsmöglichkeiten anbieten zu können. In diesen Runden, so Schaake, hätten sich die bestehenden Nutzungsverträge als hinderlich erwiesen. Versuche, Zeitfenster für den FSV zu finden, seien als Eingriff in den Trainingsbetrieb der Fußballvereine in den Stadtteilen gewertet worden. Und derartige Eingriffe seien laut den alten Verträgen für die Kommune auch nicht zulässig.

„Wir benötigen mehr Flexibilität“, begründete Schaake die Entscheidung und sagte, dass dem Kündigungsschreiben an die vier Vereine ein neuer Vertrag beigelegt worden sei, der sich an einem Muster des Städte- und Gemeindebundes orientiere.
Auch wenn der Trainingsbetrieb der Fußballer derzeit relativ entspannt sei, die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Stadt als Eigentümerin der Plätze die Möglichkeit haben müsse, steuernd einzugreifen. Mit der Anschaffung einer mobilen Flutlichtanlage durch die Stadtwerke habe Druck aus der Situation genommen werden können. So stehe seit Herbst vergangenen Jahres der Fußballplatz in Gasterfeld als weitere Trainingsstätte auch im Winter zur Verfügung. Weitere Entspannung erhofft sich Schaake mit der Anlage eines Kunstrasenplatzes. An diesem Projekt arbeite der FSV derzeit mit viel Herzblut.

Die Vereine, die nun die Kündigung des Vertrages erhalten haben, sind mehr oder weniger überrascht vom Vorstoß Schaakes. „Das da etwas kommen würde, war mir klar“, sagt Wolfgang Fülling vom TSV Ippinghausen und spielt auf die Auseinandersetzungen und die sich in den vergangenen Jahren wiederholenden Gespräche mit der Stadt Wolfhagen an. Er und auch sein Kollege vom TSV Istha, Andreas Hensel, wollen sich nun mit ihren Vorständen beraten, bevor sie reagieren.

„Wir haben uns niemals dagegen gewehrt, dass der FSV Wolfhagen bei uns spielen kann“, sagt Hensel. Freie Zeiten, in denen der Platz habe genutzt werden können, habe der Verein angeboten. Gleichzeitig räumt er ein, dass es sehr wohl ein Problem gegeben habe. „Der FSV wollte den Platz komplett.“ Das allerdings habe dem TSV Istha nicht behagt und man habe dies mit Verweis auf die eigenen Trainings- und Spielbedürfnisse abgelehnt.

Die Kündigung der Verträge durch die Stadt Wolfhagen geht genau auf dieses Problem zurück. Das Liemeckestadion, der Heimplatz des FSV mit seinen zahlreichen Mannschaften, sei stark frequentiert und überstrapaziert, sagt Bürgermeister Reinhard Schaake. Der Platz sei bereits im Oktober hinüber und nicht mehr bespielbar. Dazu tragen neben den Fußballern auch andere Gruppen bei – so die Klassen der Walter-Lübcke-Schule und der VfL Wolfhagen. Hinzukommen die Übungsstunden des DFB-Stützpunktes.

Für Entspannung sollten der Sportplatz in Gasterfeld sorgen und der Kunstrasenplatz, der vom FSV auf dem Gelände der Tennisplätze entstehen soll. Zumindest bei Kunstrasenplatz wird sich der erhoffte Effekt noch verzögern, das Vorhaben steckt noch in der Projektierung und Planung. Deshalb will sich die Stadt nun den Zugriff auf die Sportplätze in den Stadtteilen sichern und hat die Verträge gekündigt. „Mir wäre es lieber, wenn es die Vereine unter sich regeln könnten“, sagt Reinhard Schaake.

Andreas Hensel vom TSV Istha hält die Forderungen des FSV für überzogen. Über die Spielgemeinschaft (SG) würden auch in Istha mehr als 100 Kinder und Jugendliche betreut. Die Anregungen, für die Spiele der SG auch die Plätze etwa in Oelshausen zu nutzen, kann er nicht nachvollziehen. Bei zwei Trainingseinheiten und einem Punktspiel pro Woche käme für die ehrenamtlichen Betreuer eine ordentliche Stange Geld für den verfahrenen Sprit zusammen, für die diese dann womöglich noch selbst herhalten sollen.

Attraktiv sei der Platz für den FSV auch deshalb, weil er ähnlich wie die Plätze in Ippinghausen und Bründersen über eine Flutlichtanlage verfüge. Doch die habe der TSV aus der Vereinsschatulle bezahlt, sagt Hensel. Damit habe die Stadt nichts zu tun, und ohne das Flutlicht wäre die Spielstätte für den FSV auch nicht so attraktiv.

FSV-Vorsitzender Harms Böttger bestätigt, dass es in der Vergangenheit mit der Belegung der Plätze Probleme gegeben habe. Doch die Vereine in den Stadtteilen seien in Spielgemeinschaften aktiv und hätten über die Mitgliedsvereine Zugriff auch auf Spielstätten in anderen Kommunen. Er sehe eine Schieflage im Verhältnis Zahl der Mannschaften und Zahl der Plätze. Bei FSV seien es drei Seniorenmannschaften, zehn Jugend-Mannschaften und drei Plätze mit eingeschränkter Nutzung. Das Liemeckestadion falle an drei Tagen pro Woche aus, der Hartplatz habe ebenfalls seine Grenzen, und in Gasterfeld gebe es nun zwar tolles Licht, aber wegen der Umkleiden und Duschen könne der Platz nicht für Punktspiele genutzt werden, sagt Böttger, der sich dennoch über den Kündigungsbrief der Stadt Wolfhagen an die betroffenen Vereine überrascht zeigte. (Antje Thon)

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