Baumaterial wird ins Ausland exportiert

Handwerkern im Wolfhager Land fehlt Holz

Auch er spürt den Holzmangel und die steigenden Preise im Wolfhager Land: Johannes Schwarz, Inhaber der Firma Holzbau Schwarz in Oelshausen.
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Auch er spürt den Holzmangel und die steigenden Preise im Wolfhager Land: Johannes Schwarz, Inhaber der Firma Holzbau Schwarz in Oelshausen.

In vielen Betrieben im Wolfhager Land fehlt Holz als Baumaterial, weil es vermehrt ins Ausland exportiert wird. Zusätzlich steigen die Holzpreise.

Wolfhager Land – Vielen Handwerkern im Wolfhager Land, wie Zimmermännern und Tischlern, fehlt es an Bauholz. Das Material ist Mangelware in der Region. Grund dafür ist unter anderem, dass sehr viel Holz ins Ausland exportiert wird, sagt Rainer Kramer, Lehrlingswart der Tischlerei-Innung Hofgeismar-Wolfhagen und Inhaber der Tischlerei Rainer Kramer in Naumburg. „Die kaufen uns den Markt leer“, sagt er, denn hauptsächlich werde das Holz nach China und in die USA verschifft.

Das Problem kennt auch Reiner Arend, stellvertretender Obermeister der Zimmerer-Innung Kassel und Inhaber der Zimmerei Reiner Arend in Altenstädt. Da in Amerika bessere Preise gezahlt werden, werde viel dorthin verschifft.

Durch den Mangel an Fichtenholz schnellen die Holzpreise in die Höhe. Es werde teurer, da in den vergangenen Jahren viel zu viel Fichte durch Trockenheit und Borkenkäfer verloren gegangen ist, wie Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, sagt. Die Mengen an Schadholz waren nicht nur mit Forstarbeitern zu stemmen, auch aus Sicherheitsaspekten mussten viele teure Maschinen eingesetzt werden.

Rainer Kramer: Tischlermeister Naumburg

„Die Preise sind heftig“, sagt Kramer. Die hätten sich seit dem vergangenen Herbst fast verdoppelt. „Steigerungen der Rohstoffpreise sind gegenwärtig offenbar flächendeckend im Handwerk gegeben und stellen die Betriebe, gerade in den Bau- und Ausbaugewerken, vor erhebliche Kalkulationsprobleme“, erklärt Bernd Blumenstein, Leiter der Betriebsberatung der Handwerkskammer Kassel. Da die Auftragsbücher trotz Corona voll sind, kann Kramer beispielsweise durch die gestiegenen Preise oft nur kurzfristige Angebote machen. „Ich muss die Holzpreise tagesaktuell prüfen“, sagt er, und immer schauen, wie sich die Preise entwickeln. Das bedeute, dass er zum Teil das Material direkt kaufen müsse, sobald der Auftrag eingeht. Denn er wisse nicht, wie teuer das Holz beispielsweise in einem Vierteljahr ist, wenn der Auftrag eigentlich ausgeführt wird. Somit müsse er das Material erst mal für eine Zeit bei sich lagern.

Preise von Rohstoffen steigen stark

Handwerker im Wolfhager Land beklagen sich über den Mangel an Bauholz in der Region. Zusätzlich steigen die Preise für Rohstoffe stark an, wie die Handwerkskammer Kassel mitteilt. Vor allem Zimmerer- und Dachdeckerbetriebe sowie Bau-Unternehmen werden zusätzlich mit erheblichen Lieferverzögerungen konfrontiert. Das führe bei den Betrieben zu einer geringeren Planungssicherheit und zu Verzögerungen auf den Baustellen.

Michael Aufenanger, Bundestagskandidat im Wahlkreis Kassel und Kreisvorsitzender der CDU Kassel-Land, hat sich selbst ein Bild von der Situation bei dem Dachdeckermeisterbetrieb Bärwald und Zinn in Ahnatal gemacht. Die Lage am Holz- und Dämmstoffmarkt sehe er als dramatisch an. Laut dem Bundestagskandidaten müsse über handelsrechtliche Schritte nachgedacht werden, um den Markt in Deutschland zu stabilisieren. „Es gilt jetzt die Holzversorgung sicherzustellen, um unseren Handwerksbetrieben das Arbeiten zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu sichern“, sagt Aufenanger.

Auch die Bedeutung des Holzes für den Klimaschutz sei wichtig. „Wir fördern als Bundesrepublik Deutschland das Bauen mit Holz im Rahmen der Klimaschutzinitiative, dann müssen wir auch dafür Sorge tragen, dass die Holzversorgung gewährleistet ist“, ergänzt Aufenanger.

Mit dem Export nehme das Holz weite Wege in Kauf, wie Johannes Schwarz, Inhaber der Firma Holzbau Schwarz in Oelshausen sowie stellvertretender Kreishandwerksmeister und Mitglied im Vorstand der Handwerkskammer Kassel, berichtet. Das sei dann nicht mehr nachhaltig und ökologisch, wenn das Holz über die Weltmeere verschifft wird.

„Das Holz ist Mangelware geworden“, sagt Schwarz. Verschärft habe sich die Situation Anfang des Jahres. Am meisten würden die Nadelhölzer, wie Tanne und Fichte, fehlen.

Für die derzeitige Lage gebe es mehrere Faktoren. „Es gibt eine erhöhte Nachfrage an dem Baumaterial Holz“, sagt Schwarz. Grund dafür sei, dass die Holzhausbau-Nachfrage gestiegen ist. Zum anderen ist der Rohstoff sehr nachhaltig, ein Kubikmeter Holz könne eine Tonne Co2 binden.

Da die vergangenen Jahre sehr trocken waren, musste viel Holz gefällt werden. Außerdem wurden auch die Bäume, die vom Borkenkäfer befallen waren, geschlagen. Das Holz wurde allerdings schlecht vermarktet und billig ins Ausland verkauft, so der Zimmermeister. Dieses Frühjahr sei dann kein neues Holz geschlagen worden. China und die USA zahlen enorm hohe Preise, weshalb das Holz, das noch zur Verfügung steht, vermehrt in den Export gehe. Der Preis von Dachlatten hätte sich zum Beispiel verdreifacht. Zudem tauche ein weiteres Problem durch die erhöhten Preise auf: Jetzt müssen Betriebe teuer einkaufen, für Verträge aus dem vergangenen Jahr. Deshalb müssten teilweise auch neue Verträge mit den Kunden abgeschlossen werden. Die Kunden müssen dann letztendlich die Aufträge nachfinanzieren. „Das sind unangenehme Gespräche, die wir jetzt führen“, entgegnet Schwarz.

Auch die Lieferzeiten hätten sich extrem erhöht. Statt normalerweise acht Tage warten die Betriebe zum Teil bis zu zwei Monate auf die Produkte.

Holzwerkstoffplatten als Dämmstoffplatten sind derzeit zum Beispiel nicht verfügbar. Die nächsten Lieferungen wären erst in ein paar Monaten. Die Preise müssen dann wohl oder übel akzeptiert werden, manchmal bekomme Schwarz sogar erst die Preise genannt, wenn er beliefert wird.

Trotz der derzeit dramatischen Lage am Holzmarkt, blickt Schwarz positiv in die Zukunft: „Ich gehe davon aus, dass sich die Situation in den nächsten zwei bis drei Monaten wieder erholt.“ (Samira Müller)

Viele renovieren während Corona ihr Haus

Der große Trend zum nachhaltigen und ökologischen Holz- und Fertighausbau in ganz Europa habe zu einer sprunghaft gestiegenen Nachfrage von Holz geführt, wie die Handwerkskammer Kassel berichtet. Aber auch coronabedingt habe sich die Nachfrage erhöht, weil viele Kunden ihr Haus renovieren würden, statt in den Urlaub zu fahren. „Die Leute sind zuhause, haben Zeit und stecken ihr Geld ins Haus“, sagt Rainer Kramer, Tischlermeister in Naumburg.

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