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Hans-Staden-Experte Eckhard Kupfer zu Besuch in Wolfhagen

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Von: Antje Thon

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Zu Gast in Wolfhagen: Eckhard Kupfer, ehemaliger Leiter des Martius-Staden-Instituts in Sãao Paulo (2. von links), und seine Frau Selma de Souza besuchen die Hans-Staden-Stadt. Mit Wolfgang Schiffner vom Regionalmuseum (links) und Giselher Dietrich (Hans-Staden-Stiftung) sprach Kupfer auch über den Pfad, der derzeit in Wolfhagen entsteht.
Zu Gast in Wolfhagen: Eckhard Kupfer, ehemaliger Leiter des Martius-Staden-Instituts in Sãao Paulo (2. von links), und seine Frau Selma de Souza besuchen die Hans-Staden-Stadt. Mit Wolfgang Schiffner vom Regionalmuseum (links) und Giselher Dietrich (Hans-Staden-Stiftung) sprach Kupfer auch über den Pfad, der derzeit in Wolfhagen entsteht. © Antje Thon

Abenteurer soll bekannter werden.

Wolfhagen – Im Namen der Stadt ist der hessische Abenteurer inzwischen präsent. Doch die Bemühungen, Hans Staden und sein kulturelles Erbe noch enger mit Wolfhagen zu verknüpfen, gehen weiter. Dafür stehen Wolfhagens früherer Bürgermeister Giselher Dietrich, Museumsmitarbeiter Wolfgang Schiffner sowie Eckhard Kupfer, der bis 2020 das Martius-Staden-Institut in Sãao Paulo leitete und der mit der Geschichte deutscher Einwanderer in Brasilien bestens vertraut ist, im intensiven Austausch. Jetzt hat Kupfer Wolfhagen besucht.

Die Bedeutung Stadens, der in Homberg (Efze) geboren wurde und in Wolfhagen lebte, gründet sich auf dessen niedergeschriebenen Erlebnisse während seiner beiden Brasilienreisen, die er Mitte des 16. Jahrhunderts unternommen hatte. Sein Werk, die Warhaftige Historia (1557), ist das erste Buch über Brasilien. Doch während Hans Staden in dem südamerikanischen Land den meisten Menschen ein Begriff ist, reicht die Strahlkraft des Mannes hierzulande nicht sehr weit. Seine Bekanntheit nimmt außerhalb der Städte Wolfhagen und Homberg bald ab.

In Wolfhagen versucht man seit einigen Jahren gegenzusteuern: So entsteht derzeit ein Pfad, der sich durch die Innenstadt schlängelt und an dessen Stationen Interessierte mehr von den Erlebnissen des Reisenden und dessen Werk erfahren können. Nicht nur in Nordhessen, auch in Portugal, von wo der Landsknecht einst in See stach, und in Brasilien, wo er an Land ging, soll der Pfad die Geschichte Stadens erzählen. Allerdings läuft auch in Brasilien beim Thema Hans Staden nicht alles glatt. „Der Wunsch ist da, die Praxis ist schwierig“, sagt Kupfer, der in Sãao Paulo lebt. Die kommunalen Parlamente würden nach jeder Wahl neu zusammengesetzt. Das führe dazu, dass es Probleme in der Zusammenarbeit der Kommunen gebe und sich Vorhaben verzögerten. „Da ist Wolfhagen weiter“, so der 80-jährige Historiker und Journalist. In Brasilien sind es die Orte Itanhaém, Bertioga und Ubatuba, die nahe Sãao Paulo von Westen nach Osten an der Küste befinden und an denen über Hans Staden informiert werden soll. In Itanhaém war der Nordhesse gestrandet, in Bertioga kommandierte er ein Fort und in Ubatuba geriet er in Gefangenschaft.

Giselher Dietrich, der als Sprecher der aus mehreren Gruppen bestehenden Aktionsgemeinschaft den Wolfhager Pfad und dessen künstlerische Umsetzung vorantreibt, hatte sich in Wiesbaden dafür stark gemacht, Hans Staden in den Lehrplan an Schulen zu integrieren. „Beim Kultusministerium bin ich auf Granit gestoßen“, sagt Dietrich, der zugleich einräumt, dass sich die Lehrer in Wolfhagen dem Thema keinesfalls verschließen würden.

Auch Eckhard Kupfer ist davon überzeugt, dass Hans Staden bestenfalls dann in den Köpfen von Generationen bleibt, wenn er Bestandteil des Unterrichts wäre. Die Staden-Abteilung des Regionalmuseums könne ebenfalls einen wertvollen Beitrag leisten. Und selbstverständlich biete sich dort auch eine kritische Auseinandersetzung im Umgang mit der Geschichte an. Allerdings seien der oftmals vorgeworfene Eurozentrismus und Rassismus Tendenzen, die verstärkt im 19. Jahrhundert aufkamen und nichts, was man Staden anlasten könne – denn der hatte da schon längst die historische Bühne verlassen.

Eckhard Kupfer wolle auch künftig seine Verbindungen nach Wolfhagen halten; er sieht sich als Bindeglied zwischen der Hans-Staden-Stadt und dem Martius-Staden-Institut, das mit Mauritius Reisky von Dubnitz seit Anfang 2021 einen neuen Leiter hat. (Antje Thon)

Hans Staden als Statue auf dem Hospitalsplatz. Archi
Hans Staden als Statue auf dem Hospitalsplatz. Archi © Norbert Müller

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