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Heiko Weiershäuser bietet wieder Sport für geflüchtete Frauen an

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Von: Antje Thon

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Frauen in der Flüchtlingsunterkunft in Gasterfeld sitzen auf Matten und machen Yoga.
Mit Yoga zu mehr Beweglichkeit: Frauen in der Flüchtlingsunterkunft in Gasterfeld nutzen nach dem Abklingen der Corona-Pandemie wieder das Sportangebot von Sportcoach Heiko Weiershäuser. Die Übungseinheiten übernimmt Angelina Tangel, eine aus der Ukraine geflüchtete junge Frau. © Antje Thon

Nach drei Jahren können Frauen und Mädchen nun wieder an dem Sportangebot in der Flüchtlingsunterkunft teilnehmen.

Gasterfeld – Drei Jahre mussten die Frauen und Mädchen auf das Sportangebot verzichten. Zunächst hatte es Ende 2019 eine Fluktuation gegeben, weil zahlreiche geflüchtete Familien ihre Unterkunft in der Pommernanlage in Gasterfeld verlassen hatten und in Wohnungen gezogen waren. Ab März 2020 brachte dann Corona das Fitnessangebot von Wolfhagens Sportcoach Heiko Weiershäuser zum Erliegen. Mit Beginn des neuen Jahres und dem Abklingen der Pandemie können die Frauen nun wieder sporteln.

Mit im Boot sind der TSV Wenigenhasungen und der VfL Wolfhagen, die Damengymnastik und einfaches Yoga anbieten. In dem kleinen Fitnessraum in der Flüchtlingsunterkunft stehen einige Crosstrainer und Ergometer zur Verfügung, ein Boxsack hängt im Raum, zudem gibt es Bälle, Springseile und Hula-Hoop-Reifen.

Weiershäuser muss teils Überzeugungsarbeit leisten

Für einige der Frauen sind die Sportkurse neu. Weiershäuser findet es spannend, wie die Frauen auf das Angebot reagieren. Viele seien zunächst zögerlich, aber durchaus interessiert. In ihren heimatlichen Kulturen sei es unüblich, dass Frauen aktiv Sport machten. In muslimischen Ländern hätten Männer das Sagen, sie entscheiden über ihre Frauen.

Heiko Weiershäuser Sportcoach
Heiko Weiershäuser, Sportcoach © Marie Klement

Eine Variante, dass Männer und Frauen gemeinsam Sport machten, existiere nicht. Mit viel Überzeugungsarbeit sei es ihm gelungen, die Frauen in die Kurse zu lotsen. „Die Männer vertrauen mir“, sagt Weiershäuser, der vor einigen Jahren im Wolfhager Freibad sogar Schwimmkurse für geflüchtete Frauen angeboten hat und hessenweit der einzige Mann war, dem das gelungen war.

Unterstützt wird Weiershäuser von den Hausleitern der Unterkünfte. Zu ihnen zählt Katharina Öhl. Sie hatte sich zuvor in dem von ihr betreuten Haus 13 nach dem Bedarf erkundigt. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Von den 63 Bewohnern sind 40 an Bewegung und Sport interessiert, die Hälfte davon sind Frauen.

„Mit jedem Mal werden es mehr“

Zum dritten Kurstag sind etwa zehn Frauen erschienen. Die meisten tragen ihre traditionellen langen Kleider, die Haare sind verborgen unter einem Tuch. Die jüngeren sind mit Leggins und Sweatshirt bekleidet. „Mit jedem Mal werden es mehr“, sagt Weihershäuser.

In den Unterkünften wurden mehrsprachige Flyer verteilt. Die Frauen tauschen sich aus. Einige beobachten neugierig die Aktivitäten von einer höheren Etage durch Fenster. Maximal 20 Sportlerinnen hätten in dem Raum Platz. Sollten es mehr werden, wird es weitere Termine geben.

Frauen sitzen auf einem Ergometer.
Spaß auf dem Ergometer haben mehrere geflüchtete Frauen. Zum Sport haben sie auch ihre Kinder mitgebracht. Mit dabei auch die hochschwangere Hanane Elbouchikhi (vorne) aus Marokko. © Antje Thon

Bei aller Bewegung, die Weiershäuser sobald es wieder wärmer wird, auch raus in die Natur verlagern möchte, bringt das Angebot noch weitere Effekte mit sich. So lernten die Teilnehmerinnen Alltagsdeutsch, sagt Vizelandrätin Silke Engler, die sich am Donnerstagnachmittag von den Vorzügen der Kurse überzeugte. Die Frauen würden selbstbewusster und knüpften untereinander Netzwerke.

Grundstein für Sportvereine

Heiko Weiershäuser möchte Nachfrage und Attraktivität der Trainingseinheiten so weit steigern, dass die Frauen Zugang zu den Sportvereinen finden. Wenn sie dieses Ziel erreichten, sei das eine gute Portion Integration. „In der Pommernanlage legen wir den Grundstein, damit sie später in die Vereine gehen“, so der engagierte Sportcoach. Auch deshalb würden sich der VfL Wolfhagen und der TSV Wenigenhasungen an dem Projekt beteiligen, das vom Land Hessen gefördert wird.

Derzeit leben in der Pommernanlage in Gasterfeld etwa 600 Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern. Demnächst soll auch das Nähzimmer, das es ebenfalls vor der Pandemie gab, wiederbelebt werden. (Antje Thon)

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