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Heimbrods späte Tour nach Elberberg

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Von: Norbert Müller

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Vorsichtig wird das gut eine Tonne wiegende Teilstück des Epitaphs von Steinmetzmeister Uwe Bächt per Flaschenzug aufgerichtet, um es dann neben den platzierten zweiten Bildstein an die Wand zu manövrieren.
Vorsichtig wird das gut eine Tonne wiegende Teilstück des Epitaphs von Steinmetzmeister Uwe Bächt per Flaschenzug aufgerichtet, um es dann neben den platzierten zweiten Bildstein an die Wand zu manövrieren. Rechts Paul Bächt, in der Mitte Garvin Gauer. © Norbert Müller

Kunstvoll gearbeitet und tonnenschwer: Alte Grabmale der Familie von Buttlar vom früheren Stammsitz bei Witzenhausen haben nach Jahrhunderten in Elbenberg ein neues Zuhause gefunden.

Elbenberg – Wenn der Landadel rund ums Elbetal seinerzeit nicht so streitsüchtig gewesen wäre, müsste sich Steinmetzmeister Uwe Bächt heute wohl nicht mit dieser tonnenschweren Last rumplagen.

So aber schwitzen der Meister und seine Mitarbeiter im alten Turm hinterm klassizistischen Herrenhaus im Naumburger Stadtteil Elbenberg beim Montieren eines Epitaphs, eines aufwendig gestalteten Grabmals aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Dass der Gedenkstein für den 1609 im Alter von 74 Jahren gestorbenen Heimbrod von Buttlar überhaupt an der wuchtigen Wand seinen finalen Platz findet, hat mit einigen Zufällen zu tun.

Genug von den ständigen Pöbeleien der Nachbarn

Am Anfang steht dabei, dass Curt von Elben die Nase voll hatte von den ständigen Pöbeleien der Nachbarn von der Weidelsburg oder auch von der nahen Naumburg.

Als sich mal wieder eine Keilerei abzeichnete, so wird es in der Familie von Buttlar erzählt, deren Stammsitz heute Schloss Elberberg ist, rief Ritter Curt Freunde zu Hilfe.

Darunter auch Heimbrod von Boyneburgk, der bei diesem Abstecher nach Elberberg eine von Curts Schwestern, Margarethe, kennenlernte und später auch heiratete.

Die Elberberger Anteile kommen durch Kauf, Erbe und auch durch Rechtsprechung zu Stande

Um es abzukürzen: Sie ist die Großmutter Heimbrod von Buttlars, der über die Boyneburgk´sche Oma einen Teil des Erbes jenes Curt von Elben erhält, mit dem 1535 das Geschlecht derer von Elben im Mannesstamm ausstirbt.

Die übrigen Elberberger Anteile kommen bis 1559 durch Kauf, Erbe und auch Rechtsprechung ebenfalls in den Besitz Heimbrod von Buttlars.

Auch wenn dieser sich überwiegend am alten Wohnsitz der Familie in Ermschwerd bei Witzenhausen aufhielt, gilt er doch als Stammvater der Linie Buttlar-Elberberg.

Seine letzte Ruhe fand Heimbrod in Ermschwerd

Auch seine letzte Ruhe fand Heimbrod in Ermschwerd. Für sein in der dortigen Kirche aufgestelltes Epitaph gilt das nicht.

Als im späten 19. Jahrhundert die Kirche umgebaut wurde, musste der Stein raus und mit ihm weitere historische Grabmale, für die man seitens des Kirchenvorstands keinen Platz mehr sah oder sie für nicht mehr zeitgemäß hielt.

Rudolf von Buttlar bekam Wind von der Aktion und machte sich daran, die Epitaphe, insgesamt sechs in unterschiedlich gutem Zustand, zu sichern und zum Stammsitz nach Elberberg zu überführen.

Ganze 22 Jahre sollten noch vergehen, bist die Steine auf Elberberg eintrafen

Ganze 22 Jahre mit vielen Briefwechseln, Angeboten und finanziellen Zuwendungen sollten aber noch vergehen, bis die Ermschwerder die Steine rausrückten und diese dann tatsächlich 1894 auf einem Pferdefuhrwerk auf Elberberg eintrafen.

Dort wurden sie in der alten Burg deponiert und dämmerten mehr als 100 Jahre vor sich hin, ehe in der Familie erneut das Interesse an den Epitaphen erwachte. Und da kam dann auch der im Ort ansässige Steinmetzmeister Uwe Bächt ins Spiel. (Norbert Müller)

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