Heinrich Stolzenbach aus Wolfhagen

34 Jahre Totengräber: "Habe Hunderte unter die Erde geschaufelt"

Der Friedhof bestimmte sein Leben: Heinrich Stolzenbach musste hunderte Gräber ausheben und zuschütten. In seiner Zeit als Totengräber kannte den heute 89-Jährigen jeder in Wolfhagen. Foto: Lawatzki

Wolfhagen. „1,80 Meter tief und breit und 2,10 lang". Die Maße für ein Grab weiß Heinrich Stolzenbach noch auf Anhieb. Grabstätten waren 34 Jahre lang seine tägliche Arbeit. „Ich habe Hunderte unter die Erde geschaufelt", sagt der 89-Jährige.

Auf dem Wolfhager Friedhof hat er sein Geld als Totengräber und Friedhofswärter verdient. Heute wohnt er im Seniorenzentrum am Teichberg. Um Heinrich Stolzenbach ist im vergangenen Jahrhundert eigentlich kaum jemand herum gekommen - ob er das nun wollte oder nicht. „Wer Stolzenbach nicht kennt, kennt Wolfhagen nicht“, habe neulich noch eine Dame zu ihm gesagt, sagt Stolzenbach zufrieden. Der Friedhof war der Ort, der seine Handschrift trug: „Ich hatte alle Freiheiten. Der Friedhof war mein Garten Eden.“ Vom Hecke schneiden über Fegen bis hin zum Ausgraben und Zuschütten der Gräber lag jede anfallende Arbeit in der Hand von Heinrich Stolzenbach.

1954 hat er die Arbeit von seinem Vater übernommen, der zuvor mehr als 30 Jahre als Friedhofswärter gearbeitet hatte. „Mit zwölf Jahren habe ich mein erstes Grab ausgehoben“, erinnert sich Stolzenbach. So wirklich eingeführt in die Arbeit wurde er von seinem Vater dennoch nicht: „Am Anfang musste ich mir alles selbst erarbeiten“, sagt er.

In den ersten Jahren sei ihm der Umgang mit Leichen noch schwer gefallen. „Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Das war nun einmal meine Aufgabe“, sagt Stolzenbach. „Nur wenn ich Menschen unter die Erde gebuddelt habe, die ich gut kannte, war das nicht so einfach für mich.“

Heute ist der 89-Jährige immer noch fit und gut auf den Beinen. Zweimal am Tag geht er mit seinem Rollator eine Runde um das Seniorenzentrum und macht das meiste im Haushalt noch ohne Hilfe.

Schon sein ganzes Leben war Stolzenbach sehr aktiv, denn Totengräber ist eine Arbeit, für die man viel Kraft braucht. „Ich habe alles mit den Händen gemacht - mit Sparten und Kreuzhacke“, sagt Stolzenbach. Erst nachdem er aus dem Job ausgeschieden war, sei ein Bagger angeschafft worden. Vor allem, wenn im Boden viele dicke Steine waren oder es gefroren hatte, sei die Arbeit mühsam gewesen. „Dann hat es einen Tag gedauert, bis ich das Grab ausgehoben hatte.“

Wenn er gebraucht wurde, war Stolzenbach zur Stelle. In der Anfangszeit waren viele Beerdigungen noch sonntags, bis er durchsetzen konnte, dass dieser Tag für ihn frei bleibt. Dennoch: „Eine 48 Stunden Woche hatte ich nicht, ich habe immer viel mehr gearbeitet.“ Auch Urlaub habe er nie machen können. Trotzdem hat ihm die Arbeit als Friedhofswärter immer gefallen: „Ich war den ganzen Tag draußen und konnte viel mit Menschen sprechen“, sagt Stolzenbach sichtlich zufrieden. „Es war eine gute Arbeit.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.