Hessen Forst gibt Zuständigkeit ab

Stadt Wolfhagen betreut Wald selbst – Holzverkauf und Bewirtschaftung werden neu geregelt

Ein Herr mittleren Alters hockt vor kleinen frisch eingepflanzten Eichenbäumchen.
+
Der Stadtwald soll künftig in Eigenregie betreut werden: Aus Sicht von Lars Eskuche, Abteilungsleiter Umwelt und Tiefbau bei der Stadt Wolfhagen, ist dies die beste Variante, sich den Herausforderungen der nächsten Jahre zu stellen. Der Aufbau eines klimaresistenten Waldes, in dem es auch mehr Eichen (Foto) geben wird, wird bestimmend sein.

Der Holzverkauf und die Bewirtschaftung des Wolfhager Stadtwaldes wird demnächst neu geregelt. Die Stadt wird diese Aufgaben wieder in Eigenregie übernehmen.

Wolfhagen – Spätestens zum 1. April kommenden Jahres soll die Umstellung erfolgt sein. Den Plänen hat das Stadtparlament jetzt geschlossen zugestimmt.

Hessen Forst wird künftig also nichts mehr mit dem Stadtwald zu tun haben. Ein Grund für die Neustrukturierung sind kartellrechtliche Vorgaben.

So ist es nicht mehr erlaubt, die Vermarktung von Holz aus kommunalen Wäldern mit mehr als 100 Hektar bewirtschaftetem Waldbesitz von den Forstämtern vornehmen zu lassen.

In diesem Jahr war der Holzverkauf bereits von einem Förster im Ruhestand abgewickelt worden. Hessen Forst war lediglich noch für Bewirtschaftung und Holzernte zuständig. Doch auch diese beiden Aufgaben wird das Forstamt in wenigen Monaten abgeben.

Der Wald wandelt sich vom Erntebetrieb zum Aufbaubetrieb.

Lars Eskuche, Stadt Wolfhagen

Neben den kartellrechtlichen Zwängen spielten bei der Neuorganisation aber auch jene tiefgreifenden Veränderungen eine Rolle, die man den Wäldern ansieht, sagt Lars Eskuche, Leiter der Abteilung Umwelt und Tiefbau bei der Stadt Wolfhagen.

Stürme, Borkenkäfer, Pilze und Trockenheit hätten dem Wald binnen weniger Jahre stark zugesetzt und Wunden hinterlassen. Bei der Fichte habe es dramatische Einbußen gegeben.

Die Zeit, in der der Stadtwald Gewinne abwarf, ist vorbei

Was die Stürme nicht zu Fall brachten, übernahmen später die Maschinen, die das Käferholz ernteten. Mit dem Überangebot an Fichte fiel der Preis.

„Mittlerweile liegt das Holz im Wald und fault vor sich hin. Oder es wird als Brennholz verschenkt“, sagt Eskuche, der in Göttingen Forstwirtschaft studiert hat. Halten die Klimaveränderungen an, und davon geht er aus, würden verstärkt auch Buche und Kiefer Probleme bekommen.

Die Zeit, in der der Stadtwald satte Gewinne abwarf, ist vorbei. Die Gewinne hatten in den fünf Jahren bis 2018 bei über 200 000 Euro gelegen, davor waren es zwischen 110 000 und 140 000 Euro.

„Der Wald wandelt sich vom Erntebetrieb zum Aufbaubetrieb“, beschreibt Eskuche eine Entwicklung, die vor allem mit hohen Kosten verbunden sein wird. Dieser Aufwand wird nicht mehr mit Gewinnen aus dem Holzverkauf auszugleichen sein.

Die Stadtwald-Fläche beträgt 1788 Hektar

Die Kosten also so gering wie möglich zu halten, sei das Ziel für die kommenden Jahre und der Grund, weshalb die Stadt ihren Wald wieder komplett selbst verwalten wird. Dafür muss ein Förster eingestellt werden.

Mit einer Fläche von 1788 Hektar habe der Wald aus Sicht Eskuches die richtige Größe, um ihn von einem Förster betreuen zu lassen. Ihm wird weiterhin das Personal zur Seite stehen, das schon jetzt bei der Stadt beschäftigt ist und sich um den Wald kümmert.

Der Schwerpunkt wird in Zukunft darauf liegen, die baumlosen Lücken wieder zu schließen. Dabei wird es nicht reichen, nur auf die natürliche Vermehrung von Bäumen zu hoffen. Freiflächen müssen neu bepflanzt werden. Sind die Bäumchen im Boden, brauchen sie Pflege und das für mehrere Jahre.

Weitere Varianten hat das Stadtparlament verworfen

Für die Neuorganisation des Holzverkaufs hätte es noch zwei weitere Varianten gegeben, die das Parlament aber beide verworfen hat. So hätte die Stadt dem Beispiel Naumburgs folgend einen privaten Holzverkaufsunternehmer beauftragen können. Allerdings erwartet sie hierbei pro verkauften Festmeter Holz höhere Kosten als dies bei Hessen Forst der Fall war.

Die im Vergleich zur Organisation im Eigenbetrieb höheren Kosten sind auch ein Grund, weshalb die Kommune die Gründung einer Holzvermarktungsorganisation (HVO), an der mehrere Waldbesitzer beteiligt wären, ausgeschlossen hat und sich auch nicht von den Fördermitteln des Landes Hessen hat locken lassen.

Die HVO Nord-Osthessen wird ein Gebiet von 120 Mal 100 Kilometern umfassen. Aufgrund des mit 2,50 Euro pro Festmeter festgelegten Holzverkaufspreis und der Annahme, dass die HVO wirtschaftlich arbeitet, erwartet Eskuche einen möglichst geringen personellen Aufwand beim Verkauf.

Absprachen zwischen den vier Beteiligten wären umständlich

Kleine Mengen, etwa im Bereich der Verkehrssicherung, die künftig vermehrt anfallen würden, ließen sich von der HVO schlecht vermarkten. Dafür komme auch niemand rausgefahren in Wolfhagens Stadtwald.

Auch seien Zusammenarbeit und Absprachen zwischen den dann vier Beteiligten, nämlich der Stadt als Eigentümerin, dem Forstamt Wolfhagen, der Revierförsterei und der HVO, umständlich und ressourcenraubend.

Das sagt Forstamtsleiter Uwe Zindel

Er sei zwar nicht offiziell über die Prüfung des Betriebs in Eigenregie informiert worden, respektiere aber die Entscheidung, sagt der Leiter des Forstamtes Wolfhagen, Uwe Zindel. Forstamt, Förster und die Stadt Wolfhagen hätten viele Jahre prima zusammengearbeitet.

Uwe Zindel, Leiter des Forstamts der Stadt Wolfhagen

Die Erfahrung von Friedrich Vollbracht, der seit 33 Jahren als Revierleiter im Stadtwald tätig sei und der dort, so Zindels Hoffnung, auch weiter eine Zukunft haben werde, sei im Austausch mit allen Förstern im Forstamt eine gute Basis für den Aufbau klimastabiler Wälder.

Zindel machte darauf aufmerksam, dass bei einem Eigenbetrieb die gesamte Systemleistung, die derzeit im Hintergrund laufe (Plandaten, Vollzugsdaten, Kontrolldaten, Geographisches Informationssystem und die Auswertungen und Anwendungen für die Förster) neu aufgebaut, selbst betrieben und gepflegt werden müsse. Zudem werde die Fördermittel-Gewinnung künftig für Waldbesitzer ein wesentlicher und personalintensiver Faktor sein.

Die System- und Personalkosten stellten bei geringer werdenden Holzmengen eine ordentliche Größe dar. „Die Betriebsgröße von knapp 1800 Hektar halte ich allerdings als knapp bemessen für einen rentablen Eigenbetrieb, wenn man bedenkt, dass die bisher hohen Fichten-Vorräte künftig wegfallen.“ (Antje Thon)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.