Adventsserie "Wir öffnen Türen"

Hier werden Salben angerührt: Das ist Rezeptur in der Apotheke

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Sie kennt sich aus: Die Pharmazeutisch-Technische Angestellte Christina Krause ist eine Mitarbeiterin der Wolfhager Sonnen-Apotheke, die hinter der „Tür zur Rezeptur“ Arzneimittel herstellt. 

Den im Volksmund salopp verwendeten Begriff „Tür zum Giftschrank“ will Hanna Schubert von der Sonnen-Apotheke an der Kurfürstenstraße in Wolfhagen auf keinen Fall hören.

„Diese Bezeichnung weckt Assoziationen an den bedauerlichen Todesfall in Köln“, sagt die 30-Jährige. Dort waren eine schwangere Frau und ihr Baby nach der Einnahme eines in einer Apotheke hergestellten Glukosemittels gestorben.

Richtig, so Schubert, muss es „Tür zur Rezeptur“ heißen. Wobei die zukünftige Firmenchefin den Begriff „Tür zur Rezeptur“ auch gleichbedeutend als „Raum zur Rezeptur“ verstanden wissen will. „Sie ist für jeden Kunden, jeden Fremden eine absolute No-go-Area, eine Sperrgebietszone“, sagt die Apothekerin, die nach ihrer Ausbildung als Pharmazeutisch-Technische Angestellte und einem Doppelstudium Pharmazie und Master of Management im Januar das seit über 40 Jahre bestehende Familienunternehmen mit 20 Mitarbeitern von ihrer Mutter übernimmt.

In dem Raum lagern in verschlossenen Schränken und Schubladen nicht nur hochkonzentrierte und gefährliche Substanzen, aus denen die Apotheker beziehungsweise Pharmazeutisch-Technischen Angestellten täglich individuelle Salben, Cremes, Pasten, Gels, Suspensionen, Lösungen, Kapseln, Pulvermischungen und Globuli herstellen. Der Raum für die Rezeptur beherbergt auch Opiate und Betäubungsmittel, die zusätzlich in einem ebenfalls gesicherten Tresor aufbewahrt werden. „Selbst unsere Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten haben nur in begründeten Ausnahmefällen und in Anwesenheit des Fachpersonals Zutritt zu diesem Raum“, sagt Hanna Schubert. Arzneimittel herzustellen ist eine ureigene Tätigkeit in einer Apotheke, ein Handwerk sozusagen. Es erfordert Genauigkeit, Konzentration und Fachkenntnisse. Heute, so Hanna Schubert weiter, wird in der Rezeptur Tradition mit Moderne verknüpft. Manche Salben müssen zum Beispiel per Hand, andere mit einem automatischen Salbenrührsystem hergestellt werden. Dabei wird für jede Rezeptur akribisch geprüft, ob die Verordnung vom Arzt plausibel ist. Vertragen sich die verwendeten Stoffe miteinander oder gibt es chemische Reaktionen? Sind die Stoffe ausreichend dosiert? Und in welcher Reihenfolge und bei welchen Temperaturen müssen Stoffe eingearbeitet werden? Um diese und weitere Fragen beantworten zu können, ist eine fundierte Ausbildung notwendig.

Qualität wird dabei großgeschrieben. Jede Herstellung wird protokolliert, die Protokolle werden fünf Jahre lang aufbewahrt. Damit sichergestellt ist, dass die Qualität den hohen Ansprüchen genügt, werden regelmäßig Proben zur Kontrolle an das Zentrallaboratorium deutscher Apotheken geschickt. „Gerade in dieser Woche kam von dort wieder eine Bestätigung, dass alle Qualitätsanforderungen für die Sonnen-Apotheke erfüllt wurden“, sagt Schubert.

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