Hochwasserschutz

Hochwasser droht auch im Wolfhager Land

Land unter: In Ippinghausen stand im Juni 1987 das gesamte Dorf unter Wasser. Ein Mensch starb. Archiv
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Land unter: In Ippinghausen stand im Juni 1987 das gesamte Dorf unter Wasser. Ein Mensch starb. Archiv

Flutkatastrophen häufen sich. Auch wenn es in der Region noch nie zu schlimmen Katastrophen gekommen ist, gibt es auch in Stadt und Kreis immer wieder Hochwasser.

Wolfhager Land – Auch in diesem Jahr wurden bereits mehrere Kommunen von Starkregenereignissen heimgesucht.

Grundsätzlich hängt die Hochwassergefahr von der Größe des Einzugsgebietes der Gewässer und der Topografie ab, erklärt Martin Marburger, Dezernatsleiter Oberirdische Gewässer und Hochwasserschutz beim Regierungspräsidium Kassel.

Aus seiner Sicht sind daher Hochwasserschäden im Bereich der Fulda, die ein großes Einzugsgebiet und weite Überschwemmungsflächen hat, weniger wahrscheinlich als im Bereich der kleineren Flüsse im Landkreis. Zudem seien die Vorwarnzeiten an der Fulda in der Regel länger als bei kleineren Gewässern.

Kommunen können Fließpfadkarten beantragen

Kommunen können seit Kurzem beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie sogenannte Fließpfadkarten beantragen. Diese Karten zeigen, wo sich in Hochwassersituationen Wasser ausbreiten könnte.

In Fällen, in denen diese Karte zur lokalen Beurteilung der Gefährdung nicht ausreiche, beispielsweise bei sehr flachen Gebieten ohne klare Fließwege, könne zusätzlich eine Starkregen-Gefahrenkarte bei Ingenieurbüros in Auftrag gegeben werden, heißt es vom Landesamt.

Im Landkreis haben bereits vier Kommunen eine Fließpfadkarte in Auftrag gegeben: Lohfelden, Habichtswald, Immenhausen, Grebenstein und Trendelburg. Die Stadt Kassel hat noch keine Karte beantragt.

Grundstücke für Rückhaltelösungen gesucht

Neben den Hochwasserschutz-Projekten der einzelnen Kommunen kümmert sich etwa auch der Hessische Wasserverband Diemel um Hochwasserschutz in Teilbereichen des Landkreises Kassel und Waldeck Frankenbergs.

„Wir suchen ständig Grundstücke, auf denen Rückhaltelösungen umgesetzt werden können“, so Verbandsgeschäftsführerin Nicole Lipphardt. Aktuell seien Flächen bei Habichtswald, Bad Karlshafen und Trendelburg im Gespräch. Die Rückhalteflächen dienten gleichzeitig dem Artenschutz.

„Auch Renaturierung ist Hochwasserschutz“, so Lipphardt. Mithilfe von Flurkarten versuche man die alten Verläufe der nach dem Krieg begradigten Gewässer wiederherzustellen. Hintergrund der Begradigung war damals unter anderem ein Flächengewinn für den Anbau von Nahrungsmitteln.

Nur Habichtswald hat im Altkreis Wolfhagen eine Fließpfadkarte beantragt

Im Altkreis Wolfhagen hat nur die Gemeinde Habichtswald eine Fließpfadkarte beantragt, die zeigen kann, wo sich in Hochwassersituationen Wasser ausbreiten könnte. „Nun sind wir in Habichtswald nicht so stark gefährdet, da alle Gewässerläufe nah am Quellursprung liegen“, erklärt Bürgermeister Dr. Daniel Faßhauer.

Dennoch wolle man anhand der Karte überprüfen, wo gegebenenfalls noch Handlungsbedarf bestehe, um die Risiken von Überschwemmungen zu minimieren.

Vorsorge sei besser als Menschenleben zu gefährden oder mit überschwemmten und zerstörten Häusern zu kämpfen. Faßhauer hat sich jetzt diesbezüglich mit dem ehemaligen Bürgermeister von Ahrtal ausgetauscht.

Den Hochwasserschutz wieder verstärkt in den Fokus rücken

Das Katastrophenhochwasser sei ein Weckruf an alle, den Hochwasserschutz wieder verstärkt in den Fokus zu rücken. Eine bevorstehende Maßnahme in Habichtswald sei der Bau des Rückhaltebeckens in Dörnberg.

Unter anderem ist die Stadt Zierenberg aktuell aktiv in Sachen Hochwasserschutz: „Wir bauen Fischteiche zurück, kaufen ein Wiesengrundstück für Schutzmaßnahmen und wollen einen Nebenarm der Warme mit einem naturnahen Wall abfangen“, erklärt Bürgermeister Rüdiger Germeroth die Pläne.

Hochwasser ist auch in anderen Bereichen des Altkreises Wolfhagen immer wieder ein Thema gewesen. Als die ersten Bilder aus den überfluteten Gebieten im Westen Deutschlands Mitte Juli auftauchten, erinnerten sich viele Altkreisbewohner an die Flutwelle, die am 30. Juni 1987 die im Tal der Elbe gelegenen Ortschaften im südlichen Altkreis überrollte.

Naumburg und Ippinghausen waren 1987 am stärksten betroffen

Am stärksten betroffen waren Ippinghausen und Naumburg. In Ippinghausen ertrank ein gehbehinderter 74-jähriger im Keller seines Hauses. Der damals allein in Ippinghausen entstandene materielle Schaden wurde auf über sieben Millionen Mark geschätzt. Was war geschehen?

Über dem Wolfhager und Waldecker Land braute sich an diesem 30. Juni ein Gewitter zusammen. Mit der daraus entstehenden Katastrophe hatte niemand gerechnet. Die Ereignisse überschlugen sich. Der mehrstündige, sintflutartige Regen ließ den durch den Ort fließenden Elbebach zu einem reißenden Strom anwachsen.

Eine nie da gewesene Flutwelle überrollte das Dorf, riss mit, was sich ihr in den Weg stellte und strömte weiter nach Naumburg.

„Land unter“ auch in Oelshausen

In Sekundenschnelle stieg der Wasserspiegel in Wohnungen und Stallungen bis zur Zimmerdecke. Über 500 Einsatzkräfte aus der gesamten Region sowie aus der Stadt Kassel, Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Polizei und Deutsches Rotes Kreuz, waren mit vielen freiwilligen Helfern pausenlos im Einsatz, sie versuchten zu retten, was noch zu retten war.

„Land unter“ meldeten auch die Oelshäuser in den früheren Jahren immer wieder. Durch ergiebige Regenfälle kam es mehrfach zu Überflutungen im Dorf.

Nach den Ereignissen in Ippinghausen und Oelshausen wurden diverse Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt, ebenso wie in vielen Bereichen des gesamten Altkreises. (Bea Ricken)

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