Corona-Strategie: Gesundheitsamt und Firmen nutzen App

Luca-App zur digitalen Kontaktverfolgung ist im Landkreis Kassel angekommen

Die Luca-App zur digitalen Kontaktverfolgung ist auch im Landkreis Kassel angekommen. Während sie in Baunatal im Rahmen der Modellregion schon aktiv genutzt wird, ist sie in Wolfhagen in einigen Betrieben zumindest in Vorbereitung.
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Die Luca-App zur digitalen Kontaktverfolgung ist auch im Landkreis Kassel angekommen. Während sie in Baunatal im Rahmen der Modellregion schon aktiv genutzt wird, ist sie in Wolfhagen in einigen Betrieben zumindest in Vorbereitung.

Sie gilt als große Hoffnung auf dem Weg raus aus der Pandemie: Die App Luca, die als digitale, verschlüsselte Kontaktpersonen-Nachverfolgung via Smartphone seit dieser Woche auch vom Gesundheitsamt Region Kassel genutzt wird.

Auch für Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle und Vizelandrat Andreas Siebert ist die digitale Kontaktverfolgung neben Impfen und Testen „ein wichtiger Baustein in der Corona-Strategie“.

Viele Geschäftsleute in der Region sehen das ähnlich und haben Luca bereits für sich entdeckt, vor allem in Baunatal, wo die App Teil des Modellregion-Konzepts ist. „Die Menschen scheinen gut klar zu kommen, und auch die Geschäfte hatten bei der Anmeldung keine Probleme“, sagt Dirk Wuschko, Geschäftsführer vom Baunataler Stadtmarketing nach den ersten Tagen mit Luca.

Seit dem gestrigen Donnerstag ist die App auch im Cineplex-Kino aktiv, wo Betreiber Wolfgang Schäfer sie in Ergänzung zum bereits vorhandenen Sitzplatz-Erfassungssystem als „ersten Schritt in eine digitale, einfach zu kontrollierende Erfassung“ seiner Gäste sieht.

So weit ist sein Kollege Kai Mellinghoff vom Wolfhager Cinema noch nicht, denn sein Kino muss noch geschlossen bleiben. Luca steht bei ihm aber in den Startlöchern, denn er will gerüstet sein. „Luca wird extrem wichtig sein für eine baldige Wiedereröffnung“, ist sich Mellinghoff einig mit Catherine Frimmel, die in Zierenberg ein großes Schulungszentrum für Nageldesignerinnen betreibt. „Bislang haben wir wegen der hohen Infektionszahlen die Wiederaufnahme des Schulungsbetriebes noch gescheut, Luca wird uns diesen Schritt aber sicher erleichtern, allein der durch sie wegfallende Papierkrieg bei der Kontaktverfolgung ist ein riesiger Gewinn.“

Dass nun Kritik an der Sicherheit von Luca aufkommt, nimmt Frimmel gelassen: „Wir werden auf dem Weg raus aus der Pandemie derartige Lösungen brauchen, und egal welche da noch kommen mögen, irgendwer wird immer irgendwelche Sicherheitslücken oder vermeintliche Fehler finden.“

Für Gäste und Betreiber öffentlicher Einrichtungen ist Luca kostenlos. (Sascha Hoffmann)

Fragen und Antworten

Endlich wieder einen ungezwungenen Abend beim Lieblings-Italiener um die Ecke genießen, ausgelassen ein Livekonzert besuchen oder die neue Ausstellung eines Museums bestaunen: All das könnte die neue Luca-App schon bald wieder ermöglichen, zumindest setzen immer mehr Gesundheitsämter auf die digitale Kontaktnachverfolgung von Fanta-4-Rapper Smudo und dem Berliner Start-up neXenio - auch das Gesundheitsamt Region Kassel.

Wie kommt Luca aufs Telefon?

Die Installation und Einrichtung der App ist denkbar einfach. Einmal aus dem App Store für iPhones oder dem Google Play Store für Smartphones anderer Marken heruntergeladen, müssen nur noch wenige persönlichen Daten eingegeben werden: Vor- und Nachname, Telefonnummer, Mail-Adresse (optional) und Anschrift. Damit das Konzept der Datenverfolgung funktionieren kann, ist es wichtig, hier korrekte Daten einzugeben. Die eingegebene Mobilfunknummer des dem Account zugeordneten Telefons wird direkt nach Eingabe per SMS-Verfahren verifiziert.

Wie funktioniert Luca?

Die App hat laut Hersteller drei zentrale Schnittstellen: den Gastgeber, den Gast/Nutzer und die Gesundheitsämter. Luca generiert einen sich minütlich ändernden QR-Code, der dem jeweiligen Endgerät zugeordnet ist und mit dem man sich in teilnehmenden Einrichtungen wie etwa Geschäften oder Restaurants einchecken kann.

Was passiert im Infektionsfall?

Im Infektionsfall können die Betroffenen ihre Kontakt-Historie aus der Luca-App freiwillig mit dem Gesundheitsamt teilen. Dieses informiert dann beispielsweise den Friseurbetrieb und bittet um die Freigabe der relevanten Check-Ins im Luca-System. Erfolgt die Freigabe, kann nur das zuständige Gesundheitsamt die QR-Codes entschlüsseln und Kontaktpersonen informieren. Die App meldet konkrete Zeitfenster, sodass die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ganz gezielt die Daten anfordern und nutzen können.

Was geschieht mit den generierten Daten?

Die Daten teilen sich ebenfalls auf die drei Schnittstellen Gast, Gastgeber und Gesundheitsamt auf. Müssen die Daten durch ein Gesundheitsamt entschlüsselt werden, muss dies laut Luca-Website mindestens einmal freigegeben werden – entweder durch die Gäste oder durch einen Gastgeber. Bei Scans entstehende Datensätze, etwa beim Friseurbesuch, werden nach Angaben des Landkreises Kassel zweifach verschlüsselt auf einem sicheren Server gespeichert und spätestens nach 30 Tagen gelöscht. Der Betrieb selbst kann die Daten seiner Gäste nicht auslesen.

Ist die Luca-App sicher?

Während viele Fachleute und der Hersteller selbst der Luca-App eine hohe Sicherheit attestieren und anfängliche Probleme in den ersten Monaten nach ihrer Entwicklung als nicht unüblich einstufen, sehen das andere kritischer.

So sorgt unter anderem ein Bericht des Chaos Computer Clubs (CCC) aktuell für reichlich Zündstoff. Die in Computerkreisen hohes Ansehen genießenden Experten sprechen in einer Pressemitteilung vom Dienstag von „eklatanten Mängeln in Spezifikation, Implementierung und korrekter Lizenzierung“ und einer „nicht abreißenden Serie von Sicherheitsproblemen“.

Was sagen der Landkreis Kassel und das Land zu den Meldungen rund um Sicherheitslücken von Luca?

Pressesprecher Harald Kühlborn weist darauf hin, dass das Gesundheitsamt Region Kassel nicht nur mit der Luca-App, sondern auch mit anderen Apps wie E-Guestarbeitet, von denen derzeit keine Sicherheitslücken bekannt seien. „Letztlich ist es die Entscheidung des Betreibers einer Einrichtung, welche App er nutzt und die Entscheidung des Nutzers, ob er sich auf diese Nutzung einlässt. Aus Sicht des Landkreises ist es nur wichtig, dass die Kontaktverfolgung via App durch das Gesundheitsamt erleichtert wird.“

Nach den vorliegenden Stellungnahmen der hessischen und auch der überwiegenden Zahl anderer Landesdatenschutzbehörden erfüllt die Luca-App grundsätzlich die Anforderungen der DSGVO, heißt es von der Hessischen Staatskanzlei.

Können auch Kinder und Jugendliche die App nutzen?

Grundsätzlich ist Luca für Jugendliche ab 16 Jahren über die App-Stores verfügbar. Laut App-Entwickler können Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren Luca nutzen, allerdings erst nach Absprache und mit Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten.

Wer bezahlt die Luca-App?

Für Gäste und Betreiber öffentlicher Einrichtungen ist Luca kostenlos, entsprechend werden zum Download und der Registrierungen zu keiner Zeit Daten zu Bankkonten oder Kreditkarten abgefragt. Der Anschluss der App an die Gesundheitsämter wird aus Mitteln des Bundes und der Länder fi

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