Regionales trotzt der Krise

Hofläden boomen - Direktvermarkter aus dem Wolfhager Land verkaufen jetzt mehr Produkte

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Werden in der Coronakrise zur begehrten Ware: Produkte von Direktvermarktern. Auf dem Kastanienhof von Landwirt Gerhard Hüppe (Mitte) in Nothfelden gibt es neben frischen Eiern unter anderem Kartoffeln, Wurst und Honig. Sein Hof ist registriert auf der Homepage regional-optimal. de. Jann Hellmuth (links) betreut die Seite, Jürgen Depenbrock vom Naturpark Habichtswald unterstützt die Vermarktung regionaler Erzeugnisse. 

In der Coronakrise kaufen mehr Menschen regionale Produkte vom Bauer nebenan. Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen ist aber nicht so optimistisch wie Landwirt.

Wolfhager Land – Regionale Produkte sind derzeit so gefragt wie kaum zuvor. Die Betreiber der Internet-Plattform regional-optimal.de, die in Kreis und Stadt Kassel sowie im Schwalm-Eder-Kreis Hofläden, Erzeuger und Veredler von Lebensmitteln sowie Konsumenten zusammenbringen, registrieren mit Beginn der Coronakrise mehr Zugriffe. 

Die Hofläden boomen, sagt Jann Hellmuth, der das Portal für den BUND Kassel, den Naturpark Habichtswald und den Verein der Direktvermarkter „Kulinarisches vom Bauernhof Nordhessen“ betreut.

„Die Menschen erleben, dass regionale Produkte krisensicher sind“, sagt Hellmuth. Die Wurst vom Metzger im Nachbarort und der Käse vom Milchbauern um die Ecke müssen eben nicht auf Schiffen und mit Lastwagen transportiert werden. Sie sind auch verfügbar, wenn die Corona-Pandemie das öffentliche Leben lahmlegt, wirtschaftliche Verbindungen kappt und der globale Austausch von Gütern stockt.

Landwirt sieht bei der Vergrößerung des Marktanteils heimischer Produkte noch Luft nach oben

Auch die Tür von Gerhard Hüppes Hofladen in Nothfelden geht derzeit häufiger auf und zu. Der Hühnerbauer verkauft auf dem Kastanienhof Eier, Hähnchen, Wurst, Kartoffeln und Spirituosen. Mit Produkten anderer Erzeuger erweitert er das Sortiment des mit dem Bioland-Siegel zertifizierten Betriebes. 

Hüppe ist davon überzeugt, dass die große Transparenz bei der Erzeugung regionaler Lebensmittel ebenfalls ein Grund für die gestiegene Nachfrage ist. Bei ihr liege auch der Schlüssel für eine weitere Vergrößerung des Marktanteils heimischer Produkte. Dass da noch Luft nach oben ist, davon sind Hüppe und Hellmuth überzeugt. Die Plattform regional-optimal.de hat derzeit um die 160 Einträge.

Die Frische der Produkte, die regionale Wertschöpfung, die Sicherung von Arbeitsplätzen vor der Haustür – das alles seien Argumente, die zunehmend mehr Kunden überzeugten. Gleichzeitig nehme der Anteil des Einkommens, den Menschen für Lebensmittel ausgeben, immer weiter ab. 

Landwirt regt Idee an, drastische Bilder beim Einkauf beim Discounter zu zeigen - Ähnlich wie beim Zigarettenkauf

„Jeder muss für sich beantworten: Wie wichtig ist mir Essen? Wie viel bin ich mir selbst wert? “, so Hüppe. Seiner Meinung nach würden drastische Fotos, ähnlich den Bildern auf den Zigarettenpackungen, ein Umdenken beschleunigen. Warum nicht beim Scannen des Bar-Codes von Lebensmitteln an der Kasse Kunden auf einem Bildschirm Fotos von den Herstellungsbedingungen zeigen, regt der Bio-Bauer an „Für 1,19 Euro kann ich keine zehn Eier herstellen – selbst dann nicht, wenn ich Hühner und Stall geschenkt bekomme.“

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) mit Sitz in Kassel sieht die Entwicklung hin zum vermehrten Einkauf beim Direktvermarkter nicht ganz so ausgeprägt. Bedingt durch die Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen werde in vielen Haushalten wieder selbst gekocht. Konsumenten steuerten zwar bewusst die regionalen Erzeuger an, auch um die landwirtschaftlichen Betriebe zu unterstützen. 

Für den LLH sei dies aber kein grundsätzlicher Trend. Profitieren würden verkehrsgünstig gelegene Betriebe, die zugleich noch über Medien und Internet sowie Kundenempfehlung auf sich aufmerksam machten. Ob dieser „Impuls“ über die Corona-Pandemie hinaus anhalte, bleibe abzuwarten.

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