Das Holz im Hotel "Zum Schiffchen" erzählt von der See

Zeigt auf ein Gemälde im Restaurant „Zum Schiffchen“: Inhaber Jörg Waßmuth. Der angeheiratete Schwager seinen Großvaters, Matthias Franck, hat Bilder während der Nachkriegszeit auf Holz gemalt. Dieses stellt Hans Staden auf seiner Rückkehr dar. Fotos: Daher

Wolfhagen. Es war die Zeit nach dem Krieg, die Matthias Franck dazu veranlasste, bleibende Spuren in Wolfhagen zu hinterlassen.

Aus Geldnot zeichnete der eigentliche Kirchenmaler im Jahr 1947 Bilder auf Holz, die bis heute seine damalige Unterkunft, „Zum Schiffchen“, schmücken.

„Hier hat er Hans Staden gemalt, wie er mit einem Modellschiff unter dem Arm von seiner Reise nach Brasilien wiederkommt“, sagt Jörg Waßmuth und zeigt auf eines der Gemälde. Seit 1987 ist er der Inhaber des Hotels und Restaurants „Zum Schiffchen“. Seine Eltern haben ihm von Franck erzählt. Jörg Waßmuth ist sogar mit ihm verwandt: „Er war der angeheiratete Schwager meines Großvaters“.

Franck habe sich Hans Staden für seine Bilder vorgestellt. Waßmuths Schwager stand dafür Modell, erinnert sich Waßmuth schmunzelnd. Neben der Schifffahrtsbilder, die den einen Raum des Restaurants schmücken, habe Franck auch Personen in Hessentracht gemalt, erzählt Waßmuth und deutet auf den Nachbarraum. „Wir geben die Bilder nicht weg“, fügt er bestimmt hinzu. Wegen Umbauarbeiten hätten sie mal ihren Platz im Raum wechseln müssen, doch sie seien Bestandteil des Inventars. Waßmuth: „Ich bin hier groß geworden. Dann hängt man auch daran.“

Die Pflege der Gemälde sei ziemlich schwierig, da Matthias Franck die Farbe auf das Holz aufgetragen, aber das Kunstwerk nicht mit einer Lackschicht überzogen habe. „Restaurieren geht nicht. Mit Möbelpolitur kann man sie nur vorsichtig behandeln.“

Die Gemälde von Matthias Franck passen nicht nur aus verwandtschaftlichen Gründen in das Wolfhager Restaurant, sondern unterstreichen die Herkunft des Namens: „Zum Schiffchen“. „Nach einer Sage soll Herr Staden hier verweilt haben. Deshalb hat man die Gaststätte so genannt. Bestätigen kann man das nicht“, erklärt Jörg Waßmuth. Seine Restaurant-Gäste bekommen die Erklärung täglich serviert: In der Speisekarte ist die Sage zu lesen.

So erfährt auch Rebecca, Waßmuths zehnjährige Tochter, wie es zum Namen ihres Wohnortes kam. Während ihr Vater von Matthias Franck erzählt, hört sie genau zu. Immerhin ist der Künstler auch ein Stück ihrer Geschichte, die sie jeden Tag aufs Neue betrachten kann.

Von Johanna Daher

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