„Du bist nicht allein“

Hospizdienst im Wolfhager Land bietet Telefonkontakt an

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Hospizdienst Wolfhager Land: Sie kümmern sich um Sterbende und Trauernde, Norma Koch, Inge-Ruth Kordack, Nadia Abu-Tamam, Britta Müller, Elena Bergmann und Koordinatorin Petra Moser (von links).

Sie lassen niemanden im Stich: Der Hospizdienst im Wolfhager Land steht Sterbenden und Trauernden nun telefonisch zur Seite. 

„Wir lassen keinen im Stich“, sagt Petra Moser, Koordinatorin des Hospizdienstes Wolfhager Land. Trotz Coronavirus möchte der Hospizdienst sterbenden und trauernden Menschen das Gefühl vermitteln, dass sie nicht allein sind. Obwohl Trauercafé und Trauerbegleitung im Seniorenzentrum in der Karlsstraße in Wolfhagen zurzeit nicht möglich sind, bietet der Hospizdienst seine Unterstützung im privaten Bereich telefonisch an.

Bedingt durch das Coronavirus sind die älteren Mitarbeiterinnen von der Arbeit befreit. Das betrifft auch einige der fünf Frauen, die erst kürzlich ihre kostenfreie Ausbildung zum Hospizdienst oder Trauerbegleitung gemacht haben. Trotzdem bereuen Elena Bergmann (Wettesingen), Britta Müller und Inger-Ruth Kordack (Zierenberg), Norma Koch (Wolfhagen) und Nadia Abu-Tamam (Holzhausen) diese Entscheidung nicht. Während der Ausbildung zur Hospizdienstbegleiterin vom April bis Dezember 2019 absolvierten die Frauen einen Grund- und Aufbaukurs und ein Praktikum im ambulanten Bereich.

Hospizdienst: Das motiviert die ehrenamtlichen Frauen

Doch was motiviert Frauen zu diesem Ehrenamt? Elena Bergmann war durch den Tod eines Familienmitgliedes persönlich betroffen und wollte daraufhin selber aktiv werden. „Ich habe gelernt, dass das Leben endlich ist und kann nun damit bewusster und gelassener umgehen“, sagt sie. Norma Koch hat durch die Ausbildung eine andere, respektvollere Einstellung zum Tod und den Menschen bekommen. Inge-Ruth Kordack betreut sehr intensiv eine Nachbarin. Sie findet es gut, dass der Hospizdienst und die Trauerbegleitung kostenfrei sind, ihn jeder in Anspruch nehmen kann und damit auch die Angehörigen entlastet werden.

Ausbildung zum Trauerbegleitung ist sehr zeitintensiv

Die Ausbildung zur Trauerbegleitung ist mit 220 Ausbildungsstunden noch länger und umfangreicher. Obwohl die Trauerbegleiterinnen auch zu Einzelterminen nach Hause kommen, findet ihre Haupttätigkeit im Trauercafé statt. Dort haben die Betroffenen Raum und Zeit für Trauerarbeit. „Alles darf sein, nichts wird bewertet oder kommentiert und nichts dringt nach außen“, beschreibt Britta Müller die Arbeit im Trauercafé.

Es gibt bestimmte Rituale, wie das Zünden einer Kerze für den Verstorbenen, und Impulse vonseiten der Trauerbegleiter, wie Düfte oder Bilder. Die Trauerbegleiter erleben oft, dass die Trauernden in diesem geschützten Raum eher und intensiver trauern können als zuhause. Die Mitarbeiterinnen opfern sehr viel ihrer privaten Zeit und Arbeit, um sich ehrenamtlich um Sterbenden und Trauernde zu kümmern. Deshalb sei es auch wichtig, sich um ihr Wohl zu kümmern, meint Petra Moser.

In Supervisionen und bei regelmäßigen Treffen im Büro des Hospizdienstes in Wolfhagen werden alle Fragen und Probleme angesprochen. Und natürlich kann auch eine Hospizdienst- oder Trauerbegleiterin sagen, hier ist meine persönliche Grenze erreicht.

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