Langer Weg zum Aufenthalt 

Im Juni drohte die Ausweisung: Oleksandra Levytska hat jetzt ein Visum

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Glücklich: Oleksandra Levytska und ihr Mann Arthur Grezki mit der Aufenthaltsgenehmigung und dem Visum im Pass.

Weil sie verpasst hatte, vor ihrer Heirat ein Visum zu beantragen, musste Oleksandra Levytska aus Wolfhagen zurück in die Ukraine fliegen und dort sieben Wochen auf ihre Aufenthaltsgenehmigung warten. 

„Die letzten 15 Monate müssen jetzt erst mal sacken“, sagt Arthur Grezki. Auch wenn der junge Wolfhager und seine Ehefrau Oleksandra Levytska schon einen deutlich entspannteren Eindruck machen.

Jetzt, da die Aufenthaltsgenehmigung für die 27-Jährige erteilt ist. 

Anfang Juni, als die gemeinsame Zukunft auf der Kippe stand, war die Gemütslage noch eine ganz andere. Über Wochen und Monate hatte Oleksandra Levytska die Abschiebung gedroht – zurück in die Ukraine, wo sie aufgewachsen ist, wo sie ihren Mann Arthur Grezki traf, wo beide ein Paar wurden. Nach mehrfacher Fristverlängerung hatte die Ausländerbehörde Oleksandra Levytska mit dem 4. Juni einen letzten Termin für die Ausreise gesetzt.

Von Deutschland zurück in die Ukraine fürs Visum

Und so fassten Oleksandra Levytska und Arthur Grezki, die im Juli vergangenen Jahres vor dem Wolfhager Standesamt geheiratet hatten, den Entschluss, das nachzuholen, was sie versäumt hatten: ein entsprechendes Visum in der deutschen Botschaft in Kiew zu beantragen. Zwar darf man von der Ukraine aus ohne Visum nach Deutschland einreisen, aber nur drei Monate bleiben. Wer unerlaubt länger bleibt, macht sich strafbar. Levytska und Grezki waren fälschlicherweise der Ansicht, dass sie mit Vorlage der Papiere beim Standesamt Wolfhagen ihrer Verpflichtung nachgekommen seien. Für die Eheschließung reichte das aus, nicht aber für einen längeren Aufenthalt beim Ehepartner.

Grezki nahm sich Urlaub und fuhr mit dem Auto Richtung Ukraine, seine Frau musste fliegen, weil ihr wegen des fehlenden Visums an den Grenzen des Schengenraums die Festnahme drohte. In Mukatschewo nahe der Grenze zu Ungarn, wo die Eltern Levytskas wohnen, traf man sich wieder. Mit dem Zug ging es in die Hauptstadt zur deutschen Botschaft. „Bis Kiew war es echt ein Schleif“, sagt Arthur Grezki. Fast 14 Stunden in einem alten Zug. Aber das Ehepaar war voller Zuversicht. „Wir hatten alle Papiere dabei, die wir für ein Visum in Sachen Ehegattennachzug brauchten“, sagt Grezki. Die Stimmung wurde aber bald gedämpft, statt reibungsloser Abläufe gab es seitens der Sachbearbeiter in der Botschaft erst mal „Gemecker, weil wir keine Heftklammern verwendet haben. Und dann hieß es, bis zu einer Entscheidung kann es acht Wochen dauern.“

Oleksandra Levytska quartierte sich im Haus der Eltern ein, Arthur Grezki konnte nicht wochenlang bleiben. Er machte sich allein mit dem Auto auf den den 20-Stunden-Trip nach Wolfhagen.

Visum für Deutschland nach sieben Wochen in der Ukraine

Täglich telefonierte das Ehepaar, täglich wurde abgefragt, ob das Visum erteilt ist. Es sollte sieben Wochen dauern, bis das Dokument zum Ehegattennachzug erteilt wurde. Wieder machte sich Grezki auf den Weg nach Mukatschewo. Weiter mit der Bahn nach Kiew. „Wir fühlten uns, als hätten wir im Lotto gewonnen, aber das Geld noch nicht gesehen“, sagt der 29-Jährige. Mit dem frischen Einkleber im Pass fuhren beide zurück nach Nordhessen, wo noch ein Besuch bei der Ausländerbehörde in Kassel anstand. Dort wurde der Aufenthaltstitel ausgestellt, eine Karte in der Größe eines Personalausweises.

Mitte August 2020, sagt Grezki, müsse der Titel neu beantragt werden, „dann gibt es ihn für zwei Jahre“. Und nach weiteren zwei Jahren habe seine Frau dann Anspruch auf einen unbefristeten Aufenthalt. „Es ist furchtbar, was uns das an Nerven und Zeit gekostet hat“, sagt Oleksandra Levytska, die mit dem Aufenthalt auch eine Arbeitserlaubnis erhielt. Einen Job hat die gelernte Einzelhandelskauffrau schnell gefunden: als Mini-Jobberin in einem Wolfhager Gasthaus.

Das Leben sei inzwischen viel entspannter als noch vor ein paar Wochen und Monaten, sagt Arthur Grezki, man sei wirklich glücklich. „Was aber im Kopf bleibt, ist diese Ungerechtigkeit. Wir hatten doch im Vorfeld der Hochzeit schon alles belegt und nichts verheimlicht.“

In Zierenberg wurde einesechsköpfige Familie aus Mazedonien vor einiger Zeit trotz vorheriger Verlängerung der Duldung abgeschoben. 

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