Sorgfalt bei der Trennung lässt nach

Tierkot gehört nicht in den Biomüll - Abfall wird mit Radar kontrolliert

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Weist auf Probleme bei der Mülltrennung hin: Der Betriebsleiter der Eigenbetriebe Abfallentsorgung und Jugend- und Freizeiteinrichtungen im Landkreis Kassel Uwe Pietsch (im Vordergrund).

Im Landkreis Kassel sind vermehrt Verunreinigungen in Biotonnen aufgefallen. Das stellt die Biokompostierungsanlagen vor Probleme. Wir sprachen mit einem Experten.

Im Landkreis Kassel sind vermehrt Verunreinigungen in Biotonnen aufgefallen. Das stellt die Biokompostierungsanlagen vor Probleme. Über die Hintergründe sprachen wir mit Uwe Pietsch, Betriebsleiter der Eigenbetriebe des Landkreises Kassel, Abfallentsorgung und Jugend- und Freizeiteinrichtungen.

Herr Pietsch, im Landkreis Kassel kommt ein Radarsystem zum Einsatz, um Biotonnen auf ihre Inhalte zu überprüfen. Haben „fremde Inhalte“ in den Biotonnen überhand genommen?

Uwe Pietsch: Das Biogut-Radar ist ein Bewertungssystem für den Gehalt an Störstoffen, die sich in den Bioabfallbehältern finden, welches vom Witzenhausen-Institut entwickelt wurde. Dabei handelt es sich nicht um ein technisches System, sondern Mitarbeiter bewerten den Störstoffgehalt von Bioabfallbehältern in fünf Bonitierungsklassen. Insgesamt hat der Störstoffanteil in den Bioabfällen in den letzten 20 Jahren zugenommen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum das Interesse an der Mülltrennung nachlässt?

Pietsch: Der sogenannte Abfallnotstand und Mülltrennung waren Ende der Achtziger/Anfang der neunziger Jahre ein sehr populäres Thema. Dies ist im Laufe der Jahre zurückgegangen. Erst in neuester Zeit ist die Mülltrennung aufgrund der Plastikproblematik in den Weltmeeren wieder aktuell geworden.

Was passiert, wenn einmalig jemand Störstoffe in der Biotonne entsorgt hat und erwischt wird?

Pietsch: Bei groben Verstößen bleibt die Biotonne stehen und wird nicht geleert. Das Abfuhrpersonal hinterlässt einen Informationsaufkleber. Die Störstoffe müssen entfernt werden, damit die Biotonne bei der nächsten Abfuhr geleert werden kann.

Und was droht Wiederholungstätern?

Pietsch: Bei mehrmaligen groben Verstößen wird die Biotonne abgezogen. Je nachdem, wie viel freies Volumen noch im Restabfallbehälter verfügbar ist, behalten wir uns vor, einen größeren Restabfallbehälter zuzuweisen, zu entsprechend höheren Gebühren.

Gibt es Alternativen zur Biotonne?

Pietsch: Kompostierbare Abfälle aus dem Garten können auch zu unseren Recyclinghöfen oder Biokompostierungsanlagen gebracht werden. Es besteht auch die Möglichkeit, Bioabfälle selbst zu kompostieren. Allerdings empfehlen wir für Bioabfälle aus dem Haushalt zum Beispiel Obst- und Gemüsereste oder Essensreste die Benutzung einer Biotonne und nicht die Eigenkompostierung, weil diese tierische Schädlinge anlocken. Für Bioabfälle aus dem Haushalt stellen wir Vorsortiergefäße und kostengünstige kompostierbare Biobeutel zur Verfügung.

Was darf denn nun in die Biotonne?

Pietsch: Obst- und Gemüseabfälle, Essensreste, unverpackte überlagerte Lebensmittel, Tee- und Kaffeefilter, Laub, Moos, Baum- und Strauchschnitt, Rasenschnitt, Wildkräuter, vertrocknete Blumen, Zeitungspapier zum Einwickeln und Aufsaugen, kompostierbare Biobeutel mit dem Erkennungslogo „Keimling“.

Und was darf niemals in den Biomüll?

Pietsch: Windeln, Staubsaugerbeutel, Plastikverpackungen, Glasverpackungen, Kehricht, Asche, Kleintierstreu, Katzenstreu, Hundekot, Bauschutt.

Also dürfen Tierhalter die Hinterlassenschaften ihrer Zwei- oder Vierbeiner nicht im Biomüll entsorgen?

Pietsch: Nein, aus veterinärhygienischen Gründen.

Im Zweifel sollte man also lieber den Restmüllbehälter benutzen, um den Biomüll nicht zu verunreinigen?

Pietsch: Im Zweifel ja. Dies gilt vor allem für verpackte Lebensmittel wie zum Beispiel Gurken- oder Marmeladengläser, Käse- oder Wurstverpackungen. Wir empfehlen zwar, diese zu entpacken, wenn dies aber nicht erfolgt, dann gehören sie in die Restabfalltonne.

Zur Person: Uwe Pietsch ist 55 Jahre alt, verheiratet und Vater einer 15-jährigen Tochter. Seit 1992 ist er im Bereich der Abfallwirtschaft tätig, seit 2009 Betriebsleiter der Eigenbetriebe Abfallentsorgung und Jugend- und Freizeiteinrichtungen im Landkreis Kassel. Uwe Pietsch lebt im Hofgeismarer Ortsteil Hombressen.

Im Landkreis Kassel lässt die Sorgfalt bei der Trennung von Biomüll nach

Zwar ist der Landkreis Kassel, was das Sammeln von Biomüll angeht, seit Jahren ungeschlagener Hessenmeister – pro Kopf waren es im Jahr 2017 rund 185 Kilo – doch offenbar lässt die Sorgfalt bei der Mülltrennung nach.

Zu viele Plastiktüten und Verpackungen sowie Glas in den Biotonnen stellen die Biokompostierungsanlagen zunehmend vor Probleme.

Im Hinblick auf die Aussortierung von Störstoffen stößt die Technik an ihre Grenzen. Mittlerweile kommt im Landkreis Kassel ein Radarsystem zum Einsatz, um Biotonnen auf ihre Inhalte zu überprüfen. Zur Kontrolle der Fremdstoffgehalte in den Tonnen beauftragte der Kreis das Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie im Landkreis Kassel. So sollen Adressen mit besonders schlecht befüllten Biotonnen gefunden werden, um eine Verbesserung zu bewirken. Der Anteil der nicht in die Biotonne gehörenden Materialien lag durchschnittlich bei 8,8 Gewichtsprozenten. In jeder zweiten Biotonne fanden sich normale Plastiktüten, die zwar Bioabfälle enthielten, aber nicht kompostierbar sind. In jeder vierten Biotonne wurden Verpackungen mit Bioabfälle gefunden.

185 Kilogramm Bioabfälle werden pro Einwohner und Jahr im Landkreis Kassel gesammelt. In Hessen (Stand 2016) sind es nur 91 Kilogramm. Das Restabfallaufkommen im Kreis Kassel lag bei 154 Kilogramm pro Einwohner und Jahr und liegt insgesamt bei 154 589 Tonnen.

Zwar nutzen 90 Prozent der Haushalte im Kreis eine Biotonne, was im bundesweiten Vergleich als vorbildlich gilt, „aber das nachlassende Interesse an richtiger Getrenntsammlung hat auch bei uns zu höheren Verunreinigungen in den Bioabfällen geführt“, so Uwe Pietsch, Betriebsleiter der Abfallentsorgung Kreis Kassel. „Vielleicht sind die Menschen einfach unbekümmerter, so jedenfalls kommt es uns vor“, sagte er. 

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