Immer mehr Menschen zieht es während der Pandemie in die Natur

Im Wald auf Wild und Bäume achten

Förster Friedrich Vollbracht demonstriert mit einem abgebrochenen Ast in der Hand, dass dieser Baum nicht mehr gesund ist.
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Förster Friedrich Vollbracht demonstriert mit einem abgebrochenen Ast in der Hand, dass dieser Baum nicht mehr gesund ist.

Wer geht nicht gern im Wald spazieren, die Landschaft betrachten und Ruhe vorm Alltagsstress finden? Egal ob als Spaziergänger, als Jogger, als Hundebesitzer oder als Mountainbiker, jeder findet Freude am Wald. Doch es gibt auch hier einiges zu beachten.

Wolfhagen - „In der Natur ist man in einer anderen Welt als im Haus“, erklärt Friedrich Vollbracht, Revierförster des Wolfhager Stadtwalds. Die Menschen haben das Bedürfnis nach einem Ortswechsel. Vor allem während der Corona-Pandemie habe die Zahl der Waldbesucher zugenommen. Für Vollbracht ist der Anstieg der Besucher im Wald in Ordnung: „Ich freue mich über die wachsende Anzahl von Menschen, die eine Beziehung zum Wald suchen.“ Und er appelliert dabei an alle, Rücksicht auf Wildtiere zu nehmen.

Der Hessische Waldbesitzerverband und der Landesjagdverband Hessen appellieren gerade zum Frühlingsbeginn an die Spaziergänger, Wanderer und Mountainbiker, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben, um die Artenvielfalt zu schützen und die wenigen Schutz- und Rückzugsorte der Tiere zu wahren. Denn aufgrund von Dürreschäden sei viel Waldfläche als Schutzraum verloren gegangen. Außerdem sollen Hunde angeleint werden. Die beiden Verbände fordern ein achtsames Verhalten der Waldbesucher, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. Auch der Revierleiter des Stadtwalds Wolfhagen appelliert an die Menschen, verantwortungsbewusst zu handeln. Er verzichtet bei seinem Appell jedoch auf den Verbotsstil und meint, dass sich jeder nur bewusst sein soll, was er tut. „Wenn Sie gerade jetzt in den Setz- und Brutzeiten abseits der Wege laufen, nehmen Sie die Natur in besonderer Weise in Anspruch. Wenn das für Sie wirklich wichtig ist, dann tun Sie es. Es ist erlaubt.“ Hiermit versucht er, das jeweilige Verantwortungsgefühl der Waldbesucher anzusprechen. Auch bezüglich der Leinenpflicht für Hunde vertritt er einen anderen Standpunkt. Das sei eine Frage der Erziehung, sagt Vollbracht. Wenn die Hunde gut hören und bei ihrem Besitzer bleiben, anstatt lautstark durch den Wald zu rennen, könnten sie auch ohne Leine laufen. Bei den Mountainbikern ist er sich aber mit den beiden hessischen Verbänden einig. Sie sollten auf den Wegen bleiben, um plötzliche Überraschungsmomente gegenüber dem Wild und dessen panisches Wegspringen zu vermeiden.

Doch nicht nur der Appell an das eigene Verantwortungsbewusstsein ist dem Förster aus Wolfhagen wichtig. Er möchte die Spaziergänger und Wanderer auch auf Gefährdungen auf ausgewiesenen Waldpfaden aufmerksam machen und sie dafür sensibilisieren. Viele Bäume am Rand ausgewiesener Waldwege seien in einem „desolaten Zustand“, schildert Vollbracht die Situation. Da von außen noch alles gut aussehe, falle es den Waldbesuchern nicht unbedingt auf. Bei einer genaueren Betrachtung jedoch würde sich herausstellen, dass die Bäume eher in einem schlechteren Zustand seien. Rinde blättere ab und Äste können herunterfallen. Auf markierten Pfaden und geschotterten Wegen finde keine Baumkontrolle statt. Ausschließlich akute Gefahren, die bei einer freiwilligen Kontrolle zufällig erkannt werden und für die Menschen auf dem Pfad eine zu große Gefährdung darstellen, werden behoben. Die Bäume werden dann zum Beispiel gefällt.

Insgesamt haben die Gefährdungen zwar zugenommen, dennoch sei es nicht zu gefährlich, in den Wald zu gehen. Herunterfallende Äste seien waldtypische Gefahren, die jeder hinnehmen müsse. Der Förster will nur, dass die Waldbesucher auch einen Blick für diese Gefährdungen bekommen.

Von Katharina Jäger

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