Nicht immer nur Knochenreste

Im Wolfhager Land sind kaum Fälle von Wachsleichen bekannt 

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Keine Probleme auf den Friedhöfen im Wolfhager Land: Mit Ausnahme von Naumburg wurde noch nie eine Wachsleiche bei Grabaushebungen gefunden. 

Wolfhager Land. Die Zahl der Wachsleichen auf den Friedhöfen in Deutschland steigt. Im Wolfhager Land sind aber bisher keine Fälle bekannt. Eine Ausnahme ist Naumburg. 

Es ist eine grausige Vorstellung: Wenn die Ruhefrist von beerdigten Toten endet und Friedhofsmitarbeiter neue Gräber ausheben, kann es vorkommen, dass sie auf menschliche Überreste stoßen. Damit sind nicht etwa Knochen gemeint, sondern Tote, die nur teilweise verwest sind – sogenannte Wachsleichen.

Laut des Bonner Biorechtsexperten Tade Spranger nimmt das Problem auf Deutschlands Friedhöfen zu (HNA berichtete). Im Wolfhager Land gibt es diese Schwierigkeiten aber bisher nicht. Eine Ausnahme ist Naumburg.

Von insgesamt sechs Friedhöfen gebe es einen Bereich eines Friedhofs, in dem Wachsleichenbildung vereinzelt vorkomme, berichtet Bürgermeister Stefan Hable (CDU). „Es ist aber selten. Gegebenenfalls ein Fall in mehreren Jahren.“ Der Umgang mit Wachsleichen sei in der Friedhofsordnung geregelt. „Die gefundenen sterblichen Überreste werden in der Grabstätte unter der Sohle des neuen Grabes bestattet.“

In Zukunft erwartet Stefan Hable keine Zunahme dieser Fälle, eher eine Abnahme. Das begründet der Bürgermeister mit der starken Tendenz zur Urnenbeisetzung. Außerdem werde bei der Belegung des Friedhofs auch darauf geachtet, dass das Problem nicht auftrete.

In Breuna sind laut Ulrike Döring, Mitarbeiterin im Friedhofsamt, noch keine Wachsleichen beim Grabaushub gefunden worden. Auch in Bad Emstal gibt es diesbezüglich keine Probleme, das bestätigt Lydia Gerstner, Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung. Genauso sieht es in Habichtswald, Zierenberg und Wolfhagen aus. „Wir hatten noch nie eine Wachsleiche“, sagt Yvonne Hohmann aus der Friedhofsverwaltung Habichtswald.

In Ehlen sei der Boden zwar etwas lehmiger, es sei dennoch nicht zu einer Wachsleichenbildung gekommen. Stefan Denn, Bürgermeister von Zierenberg (SPD), liegen keinerlei Erkenntnisse zum Thema vor und laut Friedhofswärter Joachim Müller existiert das Problem genauso wenig in Wolfhagen. „Wir versuchen auch immer, die Neubelegung hinauszuzögern, wir haben genug Platz.“

Pfarrer Kai Scheiding berichtet, dass die Ruhefrist in Viesebeck bodenbedingt bei 40 Jahren liegt. „Bis ein Grab neu belegt wird, dauert es dann manchmal auch 60 Jahre.“ Der Totengräber von Viesebeck habe in den vergangenen 20 Jahren nie eine Wachsleiche entdeckt. Selten seien auf dem Boden mal Knochenstücke zu finden.

Dann werde eine Erdschicht darüber gelassen und der nächste Sarg darauf gestellt. „Häufiger aber werden die Knochen herausgenommen, auf dem Aushub zwischengelagert und später neben den neuen Sarg gelegt.“ Im Gespräch weist Pfarrer Scheiding darauf hin, dass die Ruhefristen vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie festgelegt wird, nachdem eine Bodenanalyse erfolgte.

Wachsleichen durch lehmige Böden 

Die Zahl der Wachsleichen steigt – das heißt, es gibt immer mehr beerdigte Leichen, die während der 15- bis 30-jährigen Ruhezeit für Gräber nicht vollständig verwesen. Grund dafür seien vor allem zu feuchte und lehmige Böden. „Sie konservieren Leichen so, dass noch nach Jahren die Gesichtszüge zu erkennen sind“, erklärt der Bonner Juraprofessor und Biorechtsexperte Tade Spranger. Verantwortlich für die zunehmende Zahl von Wachsleichen sind laut Spranger auch vom Verwesen ermüdete Erde, Kunstfaserkleidung und Antibiotika sowie undurchlässige moderne Särge. (dpa/wet/lew)

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