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Im Wolfhager Stadtwald werden noch bis Ende März junge Eichen geerntet

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Von: Antje Thon

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Den Wald von morgen in der Hand: Christoph Surmacki (von links) und seine Söhne Radeck und Brajan holen Trauben- eichen-Wildlinge aus dem Boden im Wolfhager Stadtwald.
Den Wald von morgen in der Hand: Christoph Surmacki (von links) und seine Söhne Radeck und Brajan holen Trauben- eichen-Wildlinge aus dem Boden im Wolfhager Stadtwald. © Antje Thon

Noch sieht der Waldboden im Wolfhager Stadtwald etwas trostlos aus. Dünne, kahle Stängel bedecken ihn. Doch bereits im kommenden Jahr soll es wieder grüner werden. An verschieden Stellen werden Eichen gepflanzt.

Wolfhagen – Zu Tausenden durchstoßen die dürren, kahlen Stängel die Laubschicht, die den Waldboden im Wolfhager Stadtwald locker bedeckt. Ein oder zwei Jahre sind die Traubeneichen alt. Überließe man ihr Schicksal der Natur, hätte nur ein verschwindend kleiner Teil eine Chance, zu einem stattlichen Baum heranzuwachsen. Die Winzlinge würden im Schatten ihrer kräftigen Eltern verkümmern.

Dabei ruht auf den Sämlingen die Hoffnung von Revierförster Friedrich Vollbracht. Sie sollen in einigen Jahren einen Teil der kahlen Lücken im Wald begrünen, die als Folge von Trockenheit und Schädlingsbefall an vielen Stellen klaffen.

Mit diesem Ziel vor Augen ernten Mitarbeiter der Forstbaumschule Gilsbach-Holz aus Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen) seit vier Wochen die zarten Pflänzchen in einem Bestand, der zuvor vom Regierungspräsidium Kassel als anerkannter Saatgutbestand für Trauben-eichen zugelassen worden war.

Lange Trockenphasen stresse die Waldpflanzen

Damit könnten die Wildlinge nicht nur innerhalb des Stadtwaldes, sondern innerhalb ihres Herkunftsgebietes in Hessen, Südniedersachsen und Nordrhein-Westfalen verbreitet werden, sagt Forstingenieur Elmar Gilsbach-Figgen, dessen Firma auf die Anzucht von Forstpflanzen spezialisiert ist und der aktuell von Anfragen überhäuft wird. Der Klimawandel mit langen Trockenphasen stresse die Waldpflanzen, was zu einer abgespeckten Produktion an Saatgut führe.

Christoph Surmacki und seine Söhne Radeck und Brajan rechen behutsam das Laub von den Jungpflanzen im Wald. Mit einer Grabegabel lockern sie den Boden, der trotz Minusgraden in den Nächten nicht gefroren ist und genügend Feuchtigkeit enthält, was gut ist für die Entnahme der Pflänzchen. Das Kapital der jungen Eichen sind die Wurzeln.

Sie sollten zum einen kräftig sein, zum anderen aber auch von vielen dünnen Härchen, den Feinwurzeln, umspielt sein. Die Wildlinge werden in Paletten gepackt. In der Forstbaumschule bekommt jede Traubeneiche ihren eigenen, mit Substrat gefüllten Topf. Auf 600 Metern Höhe und bei Wetterbedingungen, unter denen sie ihre Robustheit unter Beweis stellen müssen, wachsen die jungen Laubbäume zunächst nur langsam heran.

Elmar Gilsbach-Figgen und Corinne Gilsbach päppeln in ihrer Baumschule junge Traubeneichen aus dem Wolfhager Stadtwald auf.
Elmar Gilsbach-Figgen und Corinne Gilsbach päppeln in ihrer Baumschule junge Traubeneichen aus dem Wolfhager Stadtwald auf. © Antje Thon

Erste Eichen werden bereits im kommenden Jahr in den Stadtwald zurückkehren

Sämtliche Energie stecken die Eichen in die Wurzeln. „Sie müssen Sonne, Wind und Frost ertragen“, sagt Gilsbach-Figgen. Nur bei wirklich schädlichem Wetter wird das Pflanzgut geschützt, bei Trockenheit wird es gegossen, und bei zu viel Sonne während der Frostphasen können die Eichen abgedeckt werden. „Am Ende kommt es uns auf einen kompakten Wurzelballen an“, sagt der Schmallenberger.

Die ersten Wolfhager Eichen werden bereits im kommenden Jahr in den Stadtwald zurückkehren. Auf eine Ausbeute von 390 000 Pflanzen setzt Revierförster Vollbracht, dafür werden Gilsbach-Figgens Mitarbeiter bis Ende März etwa eine halbe Million Wildlinge entnommen haben. „Wir haben im Stadtwald sechs verschiedene Stellen, auf die Eichen gepflanzt werden“, sagt Vollbracht.

Bei ihnen handelt es sich entweder um Flächen, auf denen keine Naturverjüngung nachwächst. Oder aber der natürliche Nachwuchs ist ungeeignet, weil es sich um reine Fichtenverjüngung handelt. Bei Ippinghausen, Leckringhausen und Bühle soll 2023 aufgeforstet werden. Weitere Pflanzungen von Traubeneichen erfolgen 2024 und 2025. Pro Hektar werden 8000 Setzlinge in den Waldboden gesteckt.

Testflächen

Auch an eine Testfläche hat Revierförster Friedrich Vollbracht gedacht. Nur wenige Meter entfernt von den Muttereichen bei Bühle gibt es einen baumfreien Standort, der von den Bedingungen her dem Ursprungshabitat gleicht. Dort werden die zarten Bäumchen in den Waldboden gesetzt und sich selbst überlassen. „Das spart vielleicht ein Drittel der Kosten“, sagt Vollbracht. Wenn es den Erfolg ebenfalls um ein Drittel schmälern würde, wäre nichts gewonnen. (Antje Thon)

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