Im Zeitraffer durch die Erdgeschichte

Neue Abteilung im Regionalmuseum Wolfhager Land erwartet Besucher

Im kleinen Rahmen eröffnet: die Abteilung Erdgeschichte des Regionalmuseums Wolfhager Land. Mit dabei waren (von links) Geologe Dr. Reiner Kunz, Museumsleiterin Beate Bickel, Christina Reinsch vom Hessischen Museumsverband, Simon Panek, er hat das Modell des Urhandtiers angefertigt und Vize-Landrat Andreas Siebert.
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Im kleinen Rahmen eröffnet: die Abteilung Erdgeschichte des Regionalmuseums Wolfhager Land. Mit dabei waren (von links) Geologe Dr. Reiner Kunz, Museumsleiterin Beate Bickel, Christina Reinsch vom Hessischen Museumsverband, Simon Panek, er hat das Modell des Urhandtiers angefertigt und Vize-Landrat Andreas Siebert.

Nach anderthalb Jahren Vorbereitung und Umbau ist die Abteilung für Geologie und Paläontologie im Regionalmuseum Wolfhager Land nun fertig.

Wolfhagen – Saurierfährten, Haifischzähne, Seelilien – wer wissen möchte, was in der Region des Wolfhager Landes vor vielen Millionen Jahren los war und was aus dieser langen Zeitspanne als Fossil bis in unsere Gegenwart hinein erhalten geblieben ist, der hat ab kommendem Dienstag die allerbesten Möglichkeiten dazu. Denn ab dann können Besucher die neu gestaltete Abteilung Erdgeschichte des Regionalmuseums besuchen.

Die Erneuerung war ein lang gehegter Wunsch. Insbesondere der Wolfhager Geologe Dr. Reiner Kunz, von dem weit über 90 Prozent der nun in der Abteilung attraktiv in Szene gesetzten Fundstücke stammen, war mit seinem Anliegen an Museumsleiterin Beate Bickel herangetreten. Hauptgrund: Das Urhandtier, dessen Fährten Kunz und dessen Kollege Dr. Jürgen Fichtner in einem Steinbruch im Wolfhager Stadtwald gefunden hatten, sah wohl doch anders aus, als die beiden Erstentdecker zunächst angenommen hatten. Je länger sich die beiden Wissenschaftler mit dem Protochirotherium wolfhagense befassten, desto klarer formte sich seine wahre Gestalt heraus. Und da seine Fährten weltweit die ersten waren, die von beiden Männern entdeckt und beschrieben worden waren und dies seither im wissenschaftlichen Namen sogar mit dem Verweis auf Wolfhagen gewürdigt wird, wollten seine Entdecker bei der Darstellung doch möglichst genau sein.

Und so steht nun ein detailgetreues Modell des Sauriers im Mittelpunkt der Ausstellung. Das hat Simon Panek aus Korbach in einem aufwendigen Verfahren erstellt. Zunächst zeichnete er das Modell am Computer. Dann druckte er es in mehreren Teilen mittels 3-D-Drucker aus und fügte es zusammen. Mit Ton modellierte er die Schuppen. Mit Silikon erstellte er eine Negativform, die wiederum mit Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) ausgegossen wurde. Dafür nahm sich Panek etwa 250 Stunden Zeit.

Es gab aber noch viele weitere Gründe für die Neugestaltung der Abteilung. In einem Regionalmuseum sollten vor allem die Besonderheiten der Region ihren Auftritt haben. So ist es auch in dem noch recht frischen Rahmenkonzept hinterlegt, das das Museum in Abstimmung mit dem Hessischen Museumsverband erstellt hat. Fundstücke aus Gotland, von den Kanaren und aus dem Schwarzwald passten in den ohnehin sehr kleinen Raum nicht mehr hinein. Überhaupt war die Sammlung aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit viel zu textlastig.

Das ist nun anders: Die Informationen zu den für das Wolfhager Land wesentlichen Erdzeitaltern sind kurz und knackig. So gibt es Fundstücke – allesamt Originale – aus Perm, Trias, Jura, Paläogen, Neogen und Quartär. Besonders üppig sind die Hinterlassenschaften aus dem Buntsandstein und dem Muschelkalk (gehören zur Trias), dem Kasseler Meeressand (Paläogen) und dem Vulkanismus (Neogen). Die kleinsten Exponate können unterm Mikroskop betrachtet werden.

Nach Angaben des Vorsitzenden des Regionalmuseums, Lothar Rasch, flossen 45 000 Euro in die Erneuerung der Abteilung, „eine Summe, die sich aus dem Vereinsvermögen nicht bestreiten lässt“. Umso glücklicher seien Verein und Museum, dass sich der Hessische Museumsverband finanziell stark engagierte. Er steuerte 35 000 Euro bei. Der Rest kam von der Kulturstiftung des Landkreises Kassel und von der Kasseler Sparkasse. Der Landkreis half darüber hinaus mit Personal aus, schickte Beschäftigte von AGiL in die Räume. Ebenfalls mit eingebunden war der Geopark Grenzwelten in Korbach. Und so gibt es in der Abteilung gleichzeitig eines von mehreren Geo-Foyers, in denen ein digitaler Bilderrahmen auf die Attraktionen im Geopark Grenzwelten verweist, in dem das Wolfhager Land eine von zehn Regionen ist.

Regionalmuseen durchlaufen Erneuerungsprozess

Sämtliche Regionalmuseen in Hessen durchlaufen derzeit einen Erneuerungsprozess. Wie Mitarbeiterin Christina Reinsch sagte, seien die knapp 15 Häuser zwischen 30 und 50 Jahre alt und didaktisch nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Während einige Museen das Glück haben, in einem Guss erneuert zu werden, funktioniert dies in Wolfhagen nicht. Die 1200 Quadratmeter, die das Regionalmuseum Wolfhager Land in zwei Gebäuden beansprucht, sollen in den kommenden Jahren Zug um Zug einen Relaunch erfahren. Dabei orientiert man sich an dem Rahmenkonzept.

Der erste Schritt ist mit der Erneuerung der Abteilung für Geologie und Paläontologie getan. Ein weiterer Aspekt in der näheren Zukunft könnte nach Angaben von Museumsleiterin Beate Bickel das Thema Hans Staden und seine Bedeutung für Wolfhagen sein. Ebenso wichtig ist die Schaffung eines Museumsshops und eines attraktiven Empfangsbereichs – beides gibt es derzeit nicht. Überhaupt soll das Regionalmuseum entschlackt werden und viel besucherfreundlicher daherkommen. Mit der neuen Abteilung habe das Museum schon einmal ein Aushängeschild bekommen, sagt Christina Reinsch.

Ab Dienstag, 25. August, 10 Uhr kann das Museum besucht werden. Sonst dienstags bis donnerstags, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr. regionalmuseum-wolfhager-land.de.

Von Antje Thon

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