Teilweise katastrophale Situation

Impfkampagne ist mit vielen Problemen verbunden - Hausärzte aus dem Wolfhager Land sind verärgert

Eine Spritze wird aufgezogen.
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Impfkampagne ist mit vielen Problemen verbunden. Hausärzte aus dem Wolfhager Land sind verärgert (Symbolbild).

Nach der Aufhebung der Impfpriorisierung sei die Situation in den Arztpraxen teilweise katastrophal. Das sagt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV).

Wolfhager Land – Das Praxispersonal werde zu Prügelknaben enttäuschter Impfinteressenten.

Und nicht nur das. „Wir machen die Hauptarbeit und erhalten keinerlei Entlastung“, ärgert sich Matthias Hughes, Arzt in Wolfhagen. Auch die Bezahlung sei unfair. Die Betriebsärzte erhielten 35 Euro pro Impfling, die in der Regel jünger seien. „Wir erhalten 20 Euro und müssen eine halbe Stunde Beratungszeit pro Impfung kalkulieren. Das ist nicht kostendeckend und eine massive Benachteiligung.“

Matthias Hughes: Hausarzt

„Der Spaß, den wir anfangs durch viele dankbare Patienten hatten, ist etwas auf der Strecke geblieben“, so Arzt Ralf Wittwer, der mit Kollegen in mehreren Kommunen des Altkreises vertreten ist. Probleme zeigten sich allerdings weniger in forderndem Auftreten, sondern in nachlassender Wertschätzung hinsichtlich vergebener Termine, von denen 30 Prozent nicht wahrgenommen würden. „Das ist ärgerlich, da wir diese Impfdosen niemand anders geben können und teilweise vernichten müssen - oder uns ab 17 Uhr die Finger wund telefonieren.“ Kollege Dr. Dirk Wetzel aus Zierenberg ärgert sich über ein anderes Problem: „Es ist ein Fehler, die Impfzentren bald zu schließen.“ Im Herbst stünden zusätzlich die Grippeimpfungen an, Vorsorgen müssten gemacht werden und der normale Praxisalltag auch noch gestemmt werden. Hinzu komme nach wie vor der Impfstoffmangel. „Wir hatten letzte Woche sechs Impfdosen.“ In dieser Woche sei gar nichts gekommen. Er und seine Kollegen müssten zunächst die Impflinge der Priorisierungsgruppe drei abarbeiten.

Das macht derzeit auch die Praxis Erkmann in Wolfhagen. Obwohl sie vertröstet werden müssten, seien die Patienten sehr höflich und geduldig, so Praxismanagerin Erika Erkmann. „Anfang Juli starten wir, vorausgesetzt der Impfstoff wird geliefert, wieder mit Erstimpfungen.“ Einige Eltern wünschten die Impfung ihrer Schulkinder, aber das halte sich noch in Grenzen. (Bea Ricken)

Mangel an Impfstoff

Seit 7. Juni ist die Priorisierung bei der Coronaimpfung weggefallen. Seither können sich theoretisch alle Personen ab 18 Jahren impfen lassen. Allerdings gibt es nach wie vor nicht genug Impfstoff. Dieses Problem betrifft laut Kassenärztlicher Vereinigung Hessen (KV) massiv auch niedergelassene Ärzte, die Menschen immer wieder vertrösten müssten. Die Situation in den Praxen sei dadurch an einigen Stellen katastrophal, wie eine KV-Umfrage unter ihren Mitgliedern ergab.

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