Kaum noch Erstimpfungen bei Hausärzten und in Calden

Impfzahlen im Wolfhager Land sind im Sinkflug

Die Zahlen der Impfwilligen, die ins Impfzentrum nach Calden kommen, sinkt rapide.
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Die Zahlen der Impfwilligen, die ins Impfzentrum nach Calden kommen, sinkt rapide.

Trotz steigender Corona-Infektionszahlen zeigt sich auch in der Region die bundesweite Impfmüdigkeit. „Die Zahl der Impfungen ist im Impfzentrum Calden stark zurückgegangen, während uns die Leute vor sechs Wochen noch die Bude eingerannt haben“, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn.

Wolfhager Land. Während die Zahl der Impflinge zu Spitzenzeiten immer weit über 1000 lag – am 12. Juli war der Höchststand mit 1653 Impfungen erreicht – kamen in den vergangenen Tagen weniger als 300 nach Calden. Und das, obwohl inzwischen jeder Impfwillige ohne Termin kommen kann.

Gut laufe dafür das Angebot der Impfungen für Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 Jahren. Auch das ist ohne Terminvereinbarung möglich, da an allen Tagen Kinder- und Jugendärzte für Beratungsgespräche vor Ort seien.

„Das Impfen ist tot“, drückt es Ralf Wittwer von der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land drastisch aus. Die Patienten, die geimpft werden wollten, seien inzwischen durchgeimpft. „Die anderen, alle zwischen 12 und 40 Jahren, wollen warten oder sind hartnäckige Impfverweigerer.“ Letztere seien gefühlt im Durchschnitt 60 Jahre alt. Wittwer geht davon aus, dass allein in der Region Tausende von Impfdosen vernichtet werden müssen. „Das ist sehr ärgerlich, besonders unter dem Aspekt der weltweit ungleichen Verteilung des Impfstoffes.“

„Wir bringen relativ viel Energie auf, davon noch den einen oder anderen zu überzeugen, das gelingt uns aber nur bei einer Handvoll pro Tag.“

Aktuell würden die Praxen in den nächsten Tagen damit anfangen, die Senioren in den Pflegeheimen zu boostern, also ihre Impfung aufzufrischen. Dies solle nach dem Wunsch der Bundesregierung sechs Monate nach der zweiten Impfung erfolgen. „Dabei widersprechen sich wieder einmal Ständige Impfkommission und Politik, aber das ist ja auch nichts Neues“, so Wittwer.

Auch die steigenden Inzidenzen hätten zu keiner Veränderung der Impfnachfrage geführt. „Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die bald kostenpflichtigen Tests noch einmal zu einem Nachfrageschub führen werden.“

Die ziemlich abrupt einbrechende Impfnachfrage und insbesondere die aus ärztlicher Sicht nur begrenzt nachvollziehbare politische Verteufelung des Astra-Impfstoffes, habe dazu geführt, dass die Praxis zunehmend abgelaufene Impfdosen vernichten muss. Für Wittwer angesichts des Impfstoffmangels in einigen Ländern ein Unding.

Dr. Dirk Wetzel aus Zierenberg geht davon aus, dass die Zahl der Impfwilligen zum Herbst wieder ansteigt. „Darauf schauen wir mit etwas Sorge, da ja auch die Nachimpfungen der Senioren geballt wieder anstehen. Bei uns hat sich der Knick bei den Terminvereinbarungen klar gezeigt“, sagt Dr. Dirk Wetzel aus Zierenberg. Damit kein Impfstoff liegen bleibt oder verdirbt, schickt die Gemeinschaftspraxis Impfwillige jetzt ins Impfzentrum nach Calden, das von Zierenberg nur sieben Kilometer entfernt ist. Wenn das Zentrum Ende September schließe, gehe es in der Praxis weiter mit dem Impfen.

In der Wolfhager Praxis Dr. Erkmann/Dr. Emmel gibt es derzeit nur noch rund zehn Zweitimpfungen pro Woche. Die Erstimpfungen werden laut Praxismanagerin Erika Erkmann nur ganz wenig nachgefragt. Der Impfstoff werde nur bestellt, wenn Impftermine ausgemacht seien, sagt Erkmann. Dies führe allerdings dazu, dass die Patienten zwei Wochen warten müssten und es keine Spontan-Impftermine mehr gebe. (Bea Ricken)

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