Mein Gartentraum

In dem Garten in Viesebeck sieht es aus wie bei Alice im Wunderland

Alles natürlich: Viele der Pflanzen, die im Garten von Anja Salewsky in Viesebeck wachsen, sind ihr einfach zugeflogen und blühen jetzt in bunten Farben.
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Alles natürlich: Viele der Pflanzen, die im Garten von Anja Salewsky in Viesebeck wachsen, sind ihr einfach zugeflogen und blühen jetzt in bunten Farben.

Blühende Landschaft mit Gräsern, Blumen, Bäumen: Hobbygärtner zeigen, was hinter oder vor ihren Häusern oder auf ihren Balkonen im Altkreis Wolfhagen alles möglich ist – und wie ihr persönlicher Gartentraum aussieht.

Wolfhagen – „Auch in einem kleinen Garten kann man jeden Tag Neues sehen und erfahren“, ist sich Anja Salewsky sicher. Auf hundert Quadratmetern hat die passionierte Gärtnerin in Viesebeck ein Paradies für Bienen und andere Tiere geschaffen. Aber auch für die 55-Jährige selbst hat der Garten eine große Bedeutung: „In der Corona-Zeit war mein Garten ein Rettungsanker“.

Die Grünfläche hinter dem Haus bestand vor einem Jahr noch aus Rasen und 14 Thujen, auch bekannt als Lebensbäume. Da diese weder Beeren tragen noch blühen, was den Insekten zugutekommen würde, und zudem einen starken Schatten werfen, in dem andere Pflanzen nicht überleben können, mussten sie weg. Vier der kräftigen Wurzeln hat Salewsky eigenhändig ausgebuddelt. „Das war meine Corona-Therapie.“ Die anderen zehn hat sie vorerst nur abgesägt.

Die Ökologie ist wichtiger als die Optik

Inzwischen strahlt der Garten in bunten Farben: Unter anderem blühen roter Klatschmohn, gelbe Sonnenblumen und blaue Kornblumen um die Wette. Aber der Naturliebhaberin geht es nicht nur um die Optik: In erster Linie spielt die Ökologie eine Rolle.

Anja Salewsky

„Tiere pflanzen“ ist das Stichwort. Salewsky bietet den unterschiedlichsten Arten Schutz und Fressen an – „Bed and Breakfast sozusagen“, sagt die 55-Jährige. Um die, mit drei Zentimetern Körperlänge, größte Wildbiene Europas in ihren Garten zu bekommen, hat sie extra Muskatellersalbei gepflanzt.

Die blauschwarze Holzbiene hatte sie schon einmal woanders gesehen und wollte sie unbedingt bei sich haben. Als sie dann tatsächlich zum ersten Mal in ihren Garten kam, war die 55-Jährige total berührt. „Das war mein prominentester Besuch“, sagt sie stolz.

2400 Leute verfolgen das Geschehen in dem Garten bei Instagram

Manchmal sieht sie auch Wesen, die sie noch nicht kennt. Als sie die gelbschwarzen Raupen vom Jakobskrautbär, einem Schmetterling, zum ersten Mal gesehen hat, musste sie direkt an Alice im Wunderland denken, wie sie sagt. Wenn Salewsky etwas Neues entdeckt, macht sie Fotos und recherchiert im Internet.

„Man lernt im Garten jeden Tag dazu“, sagt sie. Ihre Entdeckungen teilt sie auf Instagram: Ihr Account „wilde_freude_muenchen“ hat bereits 2400 Follower.

Alles Natur

In München beteiligt sich die 55-Jährige an einem Bio-Gemeinschaftsgarten. Sie pendelt zwischen der bayerischen Hauptstadt und Viesebeck. Dass ihre Gärten natürlich sind, ist Salewsky sehr wichtig. Einen Naturgarten macht aus, dass keine Pestizide, Insektizide oder Glyphosat verwendet werden.

Solche chemischen Mittel werden häufig zur Bekämpfung von Unkraut, wie zum Beispiel Giersch, eingesetzt. Giersch ist eine sehr bekannte Wildpflanze, die stark wüchsig ist und sich nur schwer bekämpfen lässt. Statt jedoch Gift zu sprühen, setzt die 55-Jährige dem andere stark wüchsige Pflanzen entgegen, beispielsweise Beinwell.

Auch für die Tierwelt ist Natürlichkeit sehr wichtig. Zum einen wachsen in Salewskys Naturgarten fast nur heimische Pflanzen – an die haben sich die Insekten im Zuge der Evolution angepasst. Exotische Pflanzen hingegen sehen zwar meist toll aus, bleiben jedoch insektenleer.

Den Insekten zuliebe einfach mal eine Fläche im Garten wachsen lassen

Zum anderen spielen natürliche Strukturen eine große Rolle. Was vielleicht zunächst nach einem Materiallager aussieht, ist für einige Tiere sehr wichtig: In dem Steinhaufen legen zum Beispiel Wollbienen ihre Eier ab. Aufgestapeltes Totholz dient als Wärmestube für viele Insekten. „Es gibt wenig Elemente in der Natur, die so lebendig sind wie Totholz“, sagt die Garten-Expertin. Und der Erdhaufen ist ein Sandarium, eine Nistgelegenheit für bodennistende Bienen.

Salewskys Appell an alle Gartenbesitzer: „Einfach eine kleine Fläche im Garten nicht abmähen und wachsen lassen, das hilft den Insekten schon sehr viel“. (Lea-Sophie Mollus)

In dem Naturgarten von Anja Salewsky aus Viesebeck gibt es viel zu entdecken

Alles natürlich: Viele der Pflanzen, die im Garten von Anja Salewsky in Viesebeck wachsen, sind ihr einfach zugeflogen
und blühen jetzt in bunten Farben.
Alles natürlich: Viele der Pflanzen, die im Garten von Anja Salewsky in Viesebeck wachsen, sind ihr einfach zugeflogen und blühen jetzt in bunten Farben.  © Anja Salewsky
Schafgarbe, Vogelwicke, Jakobsgreiskraut, Beinwell und Tagetes im Abendlicht
Schafgarbe, Vogelwicke, Jakobsgreiskraut, Beinwell und Tagetes im Abendlicht © Anja Salewsky
Hier standen vorher 14 Thujen – jetzt ist hier ein bunter Blühstreifen.
Hier standen vorher 14 Thujen – jetzt ist hier ein bunter Blühstreifen. © Anja Salewsky
Wo früher die Thujen standen, blühen jetzt Klatschmohn, Katzenminze, Teufelsabbiss, Distel und Natternkopf.
Wo früher die Thujen standen, blühen jetzt Klatschmohn, Katzenminze, Teufelsabbiss, Distel und Natternkopf. © Anja Salewsky
Gleich fünf Schmetterlinge (kleine Füchse) auf dem Lavendel
Gleich fünf Schmetterlinge (kleine Füchse) auf dem Lavendel © Anja Salewsky
Ein Kaisermantel zu Besuch
Ein Kaisermantel zu Besuch © Anja Salewsky
Sumpfschwebfliege auf Jakobsgreiskraut
Sumpfschwebfliege auf Jakobsgreiskraut © Anja Salewsky
Hummel auf Rotklee
Hummel auf Rotklee © Anja Salewsky
Kornblumen und Färberkamille
Kornblumen und Färberkamille © Anja Salewsky
Mariendistel, Kornblumen und Natternkopf
Mariendistel, Kornblumen und Natternkopf © Anja Salewsky
Die Nachtkerze blüht nachts und ernährt die Nachtfalter.
Die Nachtkerze blüht nachts und ernährt die Nachtfalter. © Anja Salewsky
Die Wilde Möhre nährt 25 Wildbienenarten.
Die Wilde Möhre nährt 25 Wildbienenarten. © Anja Salewsky
Die wilde Möhre dient auch als Raupenfutterpflanze für den Schwalbenschwanz.
Die wilde Möhre dient auch als Raupenfutterpflanze für den Schwalbenschwanz. © Anja Salewsky
Wilde Möhre und rosa Schafgarbe
Wilde Möhre und rosa Schafgarbe © Anja Salewsky
Wilde Möhre, rosa Schafgarbe und Schleierkraut
Wilde Möhre, rosa Schafgarbe und Schleierkraut © Anja Salewsky
Der Steinhaufen zwischen Borretsch, Drachenkopf, Distel, Samtnelken und Wicken
Der Steinhaufen zwischen Borretsch, Drachenkopf, Distel, Samtnelken und Wicken © Anja Salewsky
Die Pflanzenhaare der Samtnelke werden von der Wollbiene abgeknabbert.
Die Pflanzenhaare der Samtnelke werden von der Wollbiene abgeknabbert. © Anja Salewsky
Der Nachbarskater Sammy liegt gern auf dem Weg aus Sandsteinen vom Viesebecker Leseplatz.
Der Nachbarskater Sammy liegt gern auf dem Weg aus Sandsteinen vom Viesebecker Leseplatz. © Anja Salewsky
Sonnenblume, Blauregen, Brennnessel, Giersch, Storchenschnabel, Duftlose Kamille – und Nachbars Kater Sammy, der gern zu Besuch kommt
Sonnenblume, Blauregen, Brennnessel, Giersch, Storchenschnabel, Duftlose Kamille – und Nachbars Kater Sammy, der gern zu Besuch kommt © Anja Salewsky
Streifenwanze auf Margerite
Streifenwanze auf Margerite © Anja Salewsky
Sonnenblume: erst für Bienen und Schmetterlinge nützlich, später dienen ihre Kerne als Vogelfutter
Sonnenblume: erst für Bienen und Schmetterlinge nützlich, später dienen ihre Kerne als Vogelfutter © Anja Salewsky
Die Raupe vom Jakobskrautbär auf Jakobsgreiskraut
Die Raupe vom Jakobskrautbär auf Jakobsgreiskraut © Anja Salewsky
Rosenkäfer auf Gierschblatt
Rosenkäfer auf Gierschblatt © Anja Salewsky
Schwebfliege und Wildbiene auf Löwenzahn
Schwebfliege und Wildbiene auf Löwenzahn © Anja Salewsky

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