Inklusion im frühesten Alter: Bilanz von Kita-Leiterin Katja Fritz

Inklusion wird künftig auch in Kindergärten eine große Rolle spielen: Hier die Nachmittagsgruppe der Kita Liemecke, in der sowohl Kinder mit Migrationshintergrund als auch ein Kind mit besonderem pädagogischem Bedarf erzogen werden. Fotos: Ulbrich/Privat/nh

Wolfhagen. Das Thema Inklusion, also die Integration von Menschen, die bisher häufig aufgrund einer Behinderung ausgeschlossen wurden, wird künftig auch an Kindergärten eine Rolle spielen.

Davon ist die Leiterin der Kindertagesstätte Liemecke, Katja Fritz, fest überzeugt. Die 42-Jährige Volkmarserin hat vor gut einem Jahr ihren Posten angetreten und zieht eine erste Bilanz ihrer Tätigkeit in Wolfhagen.

Dass sie weiß, wovon sie spricht, wenn es um das Thema Inklusion geht, verdeutlicht auch die Tatsache, dass sie parallel zur intensiven Arbeit mit dem Nachwuchs seit 2012 den Studiengang „Frühkindliche inklusive Bildung“ belegt hat.

Bis 2016 will sie den einzigen Studiengang bundesweit mit Schwerpunkt Inklusion abgeschlossen haben. Erst durch das Ergebnis der PISA-Studie sei man in Deutschland aufgerüttelt worden, sagt sie zum einstigen Stellenwert des Themas. Um ihr Motto „Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung“, auch umzusetzen, müssten Kindergärten und Schulen von der Politik aber mit entsprechenden Rahmenbedingungen ausgestattet werden. Doch in der jüngsten Vergangenheit habe sich in diesem Bereich einiges getan.

Die Wolfhager Eltern könnten sich ihrer Meinung nach jedoch im Bezug auf die Betreuung ihrer Kinder „glücklich schätzen“. Dies liege auch daran, dass die Stadt einen sehr guten Betreuungsschlüssel mit viel Personal und kleinen Gruppen anbiete, sagt die Erzieherin und Motopädin. Dadurch, und durch viele unterschiedliche Nationen und Bildungsschichten entstehe eine schöne und bunte Vielfalt, von der der Nachwuchs profitiere: „Die Kinder werden schon im frühesten Alter mit Menschen konfrontiert, die anders sind.“

Die 92 Kinder der Kita Liemecke kommen aus fünf verschiedenen Nationen, ein Drittel davon mit Migrationshintergrund, auch Flüchtlingskinder aus der Pommern-Anlage werden selbstverständlich intergriert. Aufgrund der „inklusiven Haltung“ des Personals ihrer Kita sei es daher auch völlig normal, dass jedes Kind beziehungsweise jede Familie, ganz gleich woher sie stammt, auch willkommen sei. Auch ein Kind mit besonderem pädagogischem Bedarf besucht die städtische Einrichtung.

Die inklusive und integrative Arbeit soll in der Zukunft noch weiter ausgebaut werden, derzeit arbeite man an einem neuen pädagogischem Konzept, in das Kenntnisse ihres Studienganges einfließen sollen. „Nach gut einem Jahr bin ich jetzt richtig angekommen“, sagt Fritz zur Herausforderung, der sich die Mutter nach dem Ende ihrer Elternzeit wieder stellen wollte. Dies scheint gut gelungen, denn sie spricht von „viel Freude an der Arbeit“ und einem toll funktionierendem Team.

Kai Liebig, zuständig bei der Stadt Wolfhagen für die Kindergärten, sagt, dass es derzeit fünf Betreuungseinrichtungen gibt.

Von den 301 Kindern in den städtischen Einrichtungen hätten 80 (26,6 Prozent) einen Migrationshintergrund. Mit der Leiterin Katja Fritz sei man „sehr zufrieden“.

Sie bringe, auch durch ihren Studiengang, viele frische und praxisnahe Elemente in die Kindertagesstätte ein. Dabei sei sie sehr teamorientiert und beziehe die Mitarbeiter hervorragend mit ein in die Konzeption und Weiterentwicklung, sagte Liebig. (uli)

Zur Person:

Katja Fritz ist 42 Jahre alt und wurde in ihrem Wohnort Volkmarsen geboren. Sie ist ausgebildete Erzieherin und Motopädin (über Psychomotorik mit Kindern arbeiten). Die Leiterin der Kita Liemecke ist verheiratet und Mutter von zwei Jungen und einem Mädchen. Das Parallelstudium bezeichnet sie als ihr momentanes Hobby. (uli)

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